Badisches Staatstheater Karlsruhe (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Foto: Uli Deck/dpa)

Kommentar

Kein großer Wurf: Ein Dreier-Gremium soll künftig das Badische Staatstheater Karlsruhe führen

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Marie-Dominique Wetzel

Das Badische Staatstheater in Karlsruhe soll ab der Spielzeit 2024/25 von einem Dreier-Gremium geleitet werden, wie Wissenschaftsministerin Theresia Bauer am 24. März 2022 mitteilte. Zurzeit wird das Theater von Ulrich Peters als Interimsintendant geleitet. Der Vertrag des vorherigen Generalintendanten Peter Spuhler wurde wegen dessen autoritären Führungsstils 2021 vorzeitig aufgelöst worden. Wie „neu“ ist das jetzt vorgestellte Modell tatsächlich?

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Ob Macht wirklich geteilt wird, bleibt unklar

Das soll nun also der große Wurf sein? Man hat sich von der Idee eines Alleinherrschers, dem Generalintendanten-Modell, verabschiedet. Naja, das war auch die absolute Minimalforderung, nach dem Desaster mit dem cholerischen Machtmenschen, dem letzten Generalintendanten Peter Spuhler!

Jetzt also ein Dreier-Gremium an der Spitze. Ob das allerdings heißt, dass Macht wirklich geteilt wird? Es soll ja auch künftig eine Intendantin oder einen Intendanten geben, der die alleinige künstlerische Verantwortung trägt.

Viel Absprache wird nicht nötig sein

Die Spartenleiterinnen und der Generalmusikdirektor sitzen in der zweiten Reihe. Sie werden, wie es in der Pressemitteilung heißt: „in die Spielplangestaltung eingebunden“. Das ist ja wirklich großzügig!

Dem künftigen Intendanten oder der Intendantin zur Seite stehen: der bisherige geschäftsführende Direktor und die bisherige künstlerische Betriebsdirektorin. Jeder hat seinen Aufgabenbereich, da wird nicht viel Absprache nötig sein.

Dass die Stimmung im Haus besser ist, ist der Verdienst der Mitarbeitenden

Das Modell wird jetzt schon erprobt, mit dem Interimsintendanten Ulrich Peters. Seitdem ist kein großes Murren und Klagen mehr zu hören, aber auch keine Begeisterung.

Anders bei den Vorsitzenden des Verwaltungsrats: da gab man dieser „neuen“ Leitungsstruktur gleich vollmundig einen eigenen Namen: „Theatermodell Karlsruhe“. Und Kunstministerin Theresia Bauer bezeichnete das Konzept sogar als „Meilenstein für eine neue kollegiale Kultur des Miteinanders“. Sachte, sachte! Das muss sich erst noch zeigen!

Die Stimmung im Haus und das Miteinander der Belegschaft untereinander ist zwar nach Spuhlers Rauswurf tatsächlich besser geworden, aber das ist einzig und allein der Verdienst der Mitarbeitenden selbst.

Von Mitspracherechten der Mitarbeitenden ist keine Rede

Und sie machen sich nun schon seit 2 Jahren unermüdlich in Arbeitsgruppen darüber Gedanken, wie sie sich ihr Theater in Zukunft wünschen. Ob sich davon etwas in dem „neuen“ Leitungsmodell wiederfinden wird?

Von Mitspracherechten der Mitarbeitenden ist zumindest bis jetzt nicht die Rede. Immerhin soll der Personalrat in die Suche nach der neuen Führungsperson „einbezogen“ werden.

Viel wird davon abhängen, wie man die Stellenausschreibung formuliert, ob man nicht nur auf künstlerische Reputation setzt, sondern auch Teamfähigkeit und Persönlichkeit prüfen wird. Dafür sollte man sich Zeit nehmen, aber die Politik hat es schon wieder eilig und will bereits nach der Sommerpause die oder den Neuen präsentieren.

Die Signalwirkung eines Aufbruchs vermisst man

Kunst-Staatssekretärin Petra Olschowski betonte heute, dass der Reform-Prozess am Badischen Staatstheater noch nicht abgeschlossen sei. Das stimmt etwas hoffnungsvoll.

Die erhoffte „Signalwirkung“ aus Karlsruhe in die bundesdeutsche Theaterszene hinein: das aus einer schweren Krise, ein echter Aufbruch gelingen kann – diese Signalwirkung ist heute allerdings definitiv ausgeblieben!

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Marie-Dominique Wetzel