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Das Tanzfestival Rhein-Main bringt mit „New Ocean Sea Cycle“ den Klimawandel als Choreografie auf die Bühne des Hessischen Staatstheaters Darmstadt. In der Hommage an den amerikanischen Tanzrevolutionär Merce Cunningham und sein Stück „Ocean“ versucht Richard Siegal, wissenschaftliche Daten des Klimawandels in Tanz umzusetzen.

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Eine von Algorithmen organisierte Choreografie, in der Bewegung, Musik, Lichteffekte und Videoeinspielungen miteinander in Verbindung stehen ist das Ergebnis von Siegals Arbeit. Sie zeigt deutlich seinen gesellschaftskritischen und politischen Ansatz.

Tanz mit gesellschaftspolitischem Ansatz

Eigentlich soll die Choreografie den Umgang zwischen Mensch und Umwelt darstellen, auf absurde Art und Weise hat sie damit aber die Hygiene-Maßnahmen während der Corona-Pandemie vorhergesehen – unabsichtlich, so der Choreograf: „Die Tänzer berühren sich nicht, sie sehen sich nicht an, alles ist sehr steril.“

Interaktion auf Abstand

New Ocean Sea Cycle (Foto: Pressestelle, Staatstheater Darmstadt)
Die Bühne gleicht einem Polarmeer, die Tänzer*innen von Richard Siegals Kompanie „Ballett of difference“ tanzen zwischen großen Eisschollen. Pressestelle Staatstheater Darmstadt Bild in Detailansicht öffnen
Sie agieren völlig unabhängig voneinander, jede zwischenmenschliche Beziehung wird unterbunden. Niemand schaut sich an. Richard Siegal zeigt eine unterkühlte Gesellschaft voller Egoist*innen, Körper in absurd hochgezogenen schwarzen Strumpfhosen. Pressestelle Staatstheater Darmstadt Bild in Detailansicht öffnen
Sie drehen sich scheinbar ohne jeglichen Grund, während das Polareis auf der Bühne zu schmelzen scheint. Die Präzision ihrer Bewegungen scheint auf jeden Millimeter im Voraus berechnet. Pressestelle Staatstheater Darmstadt Bild in Detailansicht öffnen
„Die Struktur des Stücks ist mit Algorithmen organisiert. Die Beziehungen der Tänzer untereinander, wie sie sich bewegen wird immer wieder neu bestimmt. Sie sind auch abhängig von der Musik, die Einfluss auf die Lichteffekte hat. Alles steht miteinander in Beziehung“, erklärt Choreograf Richard Siegal. Pressestelle Staatstheater Darmstadt Bild in Detailansicht öffnen
Zur Musik von Alva Noto und Riuchi Sakamoto entwickelt Siegal ein Szenario, mit dem er auf die Choreografie „Ocean“ des Jahrhundertchoreografen Merce Cunningham verweist: Diese war das letzte Werk, das Cunningham mit seinem Partner John Cage realisieren wollte. Cage starb während der Proben, doch die Vorgaben waren gesetzt. Pressestelle Staatstheater Darmstadt Bild in Detailansicht öffnen
Cunninghams Choreografien funktionierten wie ein Zufallsgenerator: Die Tänzer*innen hörten die Musik erst bei der Premiere und mussten ihre einstudierten Schritte darauf positionieren. Pressestelle Staatstheater Darmstadt Bild in Detailansicht öffnen

„Ich glaube, dass die Performance zeigen kann, dass wir überlegen müssen, was zu tun ist, denn wir sind selbst Schuld am Klimawandel.“

Richard Siegal, Choreograf

Das Ballett „New Ocean Sea Cycle“ wird vorerst am 30. und 31. Oktober 2020 am Staatstheater Darmstadt im Rahmen des Tanzfestivals Rhein-Main 2020 aufgeführt.

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