Bühne

Kein Weltuntergang oder ein bisschen Weltuntergang: Die Schaubühne eröffnet mit Katie Mitchell

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Umweltfreundliche Inszenierung

„Kein Weltuntergang“ der britischen Autorin Chris Bush feierte am Wochenende an der Berliner Schaubühne seine Uraufführung und ihre Landsmännin Katie Mitchell hat es in jeder Hinsicht umweltfreundlich inszeniert: sogar das Bühnenbild war recycelt, die Kostüme wurden aus anderen Produktionen übernommen, Strom und Licht von zwei Fahrradfahrerinnen live auf der Bühne produziert. Aber auch inhaltlich erhellt der Abend Verhaltensweisen zum und Perspektiven auf den Klimawandel, meint SWR2-Kritikerin Ina Beyer.

Collagenartig werden Figuren und Fakten angeordnet, Situationen stets wiederholt, allerdings immer mit anderem Ausgang. Was so im Dramentext an Struktur vorgegeben ist, übersetzt die Regisseurin vor allem in Bewegung: durch die drei besagten – recycelten – Portale in der hinteren Bühnenwand treten immer wieder die drei Schauspielerinnen auf und ab.

90 Minuten Türeklappern, Argumenterauschen, Perspektivetauschen

Knapp neunzig Minuten währt diese andauernde Türeklappern, Argumenterausche und Perspektivetauschen. Jule Böwe, Alina Vimbai Strähler und Veronika Bachfischer treten punktgenau auf und ab, feuern Satz für Satz treffsicher ins Parkett, liefern überzeugend ab. Ihre Regisseurin aus England sahen sie meist nur per Zoom. Das aber nicht aus Klimaschutzgründen, um Flüge zu sparen – Katie Mitchell hat, so wurde am Ende verkündet Corona. Gute Besserung – schließt unsere Rezensentin.

Bühne Auf der Suche nach schwarzer Identität: „1000 Serpentinen Angst“ am Gorki Theater Berlin

Die 1985 geborene Autorin Olivia Wenzel erzählt in ihrem Roman „1000 Serpentinen Angst“ von ihrem Leben als junge, in der DDR geborene Schwarze Frau. Das Buch spielt in Sprüngen zwischen Zeiten, Orten und Generationen in Weimar und Berlin, nimmt den Leser mit auf Reisen nach Polen, Vietnam oder die USA.
Erzählt wird die Familiengeschichte mit linientreuer Großmutter und einer rebellischen Punkerin als Mutter, aber auch vom Versuch, seinen eigenen Platz zu finden in der Gesellschaft, dem eigenen Leben, zwischen den Kulturen.
Regisseurin Anta Helena Recke hat zum ersten Mal am Berliner Gorki Theater inszeniert. Während im Buch, so unsere Theaterkritikerin Ina Beyer, immer auch Raum für Humor, Emotion und Intuition bleibt, regiert auf der Bühne Pathos, Logos und Abstraktion. Mehr Inhalt weniger Künstlichkeit - Buch, Thematik und Theater hätten es verdient, so das Fazit unserer Rezensentin.  mehr...

SWR2 Journal am Morgen SWR2

Bühne „Dreigroschenoper“ am Berliner Ensemble – Brecht ohne episches Theater

Mit der fünften Neuinszenierung der Dreigroschenoper am Berliner Ensemble seit ihrer Uraufführung 1928 unter Bertolt Brecht startet das Haus am Schiffbauerdamm in die neue Spielzeit. Regie führte Barrie Kosky , Intendant der Komischen Oper und einer gefragtesten Musiktheaterregisseure der Welt. Doch Kosky interessiere sich nicht für Brechts episches Theater sondern inszeniere „Dreigroschenoper“ als launiges Musical, moniert SWR2 Kritikerin Ina Beyer.  mehr...

SWR2 Journal am Morgen SWR2

Bühne „Fräulein Julie“ am Deutschen Theater Berlin – Spannender Bühnenkrimi

Timofej Kuljabin ist einer der wohl derzeit aufregendsten Regisseure Russlands. Bekannt ist er für radikale Überschreibungen klassischer Dramen. Nun hat er am Deutschen Theater in Berlin Strindbergs „Fräulein Julie“ inszeniert – als modernes Beziehungsdrama über Einsamkeit, Gier und Verrat im Zeitalter der Überwachungstechnologie.
Was beim russischen Regisseur Timofei Kuljabin weit weg von August Strindberg scheint, ist doch in den Grundkonflikten, Motiven und Konstellationen recht nah dran am Original. Und zugleich an unserer Gegenwart. So geht es zwar nicht mehr um unüberwindbare Standesunterschiede oder vernichtende Ehrverletzungen. Wohl aber um Selbstbehauptung und Unterwerfung, Erwartungen an gesellschaftliche Rollen, an Liebe und Partnerschaft.  mehr...

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