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Am Züricher Schauspielhaus sorgen Nicolas Stemann und Benjamin von Blomberg für die Verpflichtung von Regisseuren, die schon früher für Furore sorgten. So auch Christopher Rüping, der nun John Steinbecks Roman „Die Früchte des Zorns“ fürs Theater adaptiert hat. Wie besitzlose Farmern des mittleren Westens nach vielen Frustrationen nun in Kalifornien ihr Glück suchen und dort von den Einheimischen empfangen werden – das hat viele Parallelen zu heutigen Ereignissen. Ein guter Stoff, dessen Inszenierung leider in albernen Show-Effekten versinkt.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
12:40 Uhr
Sender
SWR2
Früchte des Zorns am Schauspielhaus Zürich (Foto: Zoé Aubry)
Benjamin Lillie, Steven Sowah, Kotoe Karasawa und Wiebke Mollenhauer Zoé Aubry

Singt nur immer „California Dreaming“

Das gelobte Land Kalifornien entpuppt sich bei Christopher Rüping als Arrangement aus güldenen Kakteen und orangenbehangenen Plastikbäumen. Beständig singt man „California Dreaming“ und „Hotel California“, während die Großeltern der Familie Joad auf der Strecke bleiben, der gewalttätige Sohn Tom wütet und die Tochter eine Totgeburt erleidet. Andeutungsweise wird vorgespielt, was die Erzählerfiguren zum Besten geben beziehungsweise was Rüping von Steinbecks Roman übriggelassen hat.

Früchte des Zorns am Schauspielhaus Zürich (Foto: Zoé Aubry)
Gottfried Breitfuss als Vater Joad Zoé Aubry

Einzig Gottfried Breitfuss als Vater Joad hat eine tragikomische „Ich muss mich jetzt besaufen“-Szene. Ansonsten versinkt die Inszenierung in sozialer Not und albernen Show-Effekten. Steinbecks pathetische Hoffnung auf bessere Zeiten ist da wenig glaubwürdig. „Wir haben noch einen langen, bitteren Weg vor uns“, sagt Mutter Joad auf dem Weg nach Westen. Hoffen wir, dass das nicht auch für das Züricher Schauspielhaus gilt, das sich doch gerade erst zu neuen Ufern aufmachen will.

„Früchte des Zorns” von John Steinbeck in einer Inszenierung von Christopher Rüping am Schauspiel Zürich. Die nächsten Aufführungen am 30. Oktober, 4. und 12. November 2019.

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