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Als der erste Lockdown kam, verfiel der Starfotograf Jim Rakete in eine anhaltende Krise — keine Arbeit, aber auch keine Ideen. Dann besann er sich auf einen Monolog, den er 2014 am Deutschen Theater Berlin gesehen hatte: ,,Ismene, Schwester von“ der niederländischen Dramatikerin Lot Vekemanns, inszeniert von Stefan Kimmig.

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Rakete beschloss, einen Film aus der Geschichte zu machen: Ismene, Tochter des Ödipus und Schwester der Antigone, wie sie aus Sophokles' Tragödie bekannt sind, erklärt ihre Version der Ereignisse.

Eine antike Tragödie als moderner Monolog

Im Film sitzt Ismene in einem Verhörzimmer und erzählt. Die Figur der Ismene sei in der Vorlage aber leider nicht mehr als eine dauererniedrigte und beleidigte Frau, die sich nicht mehr vom Leben wünscht als einen Wasch-, einen Putz- und einen Fischtag pro Woche, so SWR2 Kritikerin Ina Beyer.

Dass man als Zuschauer*in trotzdem 50 Minuten gebannt am Bildschirm ausharre, sei Susanne Wolff zu verdanken. Jeder Buchstabe verwandele sich auf ihrer Zunge zu einer eigenen Wahrheit, jede Geste gerate unter ihren langen, beredten Händen zu purer Wahrhaftigkeit, so die Rezensentin.

Starke Leistung von Schauspielerin Susanne Wolff

Das sei schon 2014 im Deutschen Theater so gewesen, als Susanne Wolff unter der Regie von Stefan Kimmig diesen Monolog auf einem langen Steg sprach, der über einer kargen schwarze Bühne schwebte und hier — im neuen Filmsetting eines Gefängnisses sei es wieder so.

Warum und von wem Ismene bei Jim Rakete allerdings verhört wird, warum sie inhaftiert ist, erschlösse sich inhaltlich nicht.

Eine Metapher für den anhaltenden Lockdown?

Es könne, solle und müsse wohl eher als Metapher für den Lockdown stehen, unter dessen Bedingungen dieser Streifen entstand. Und dem auch zu verdanken wäre, dass man der großartigen Susanne Wolf auf sprichwörtlicher Augenhöhe wiederbegegnen dürfe.

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