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Oper Glucks „Iphigénie en Tauride“ begeistert in Stuttgart

Von Monika Kursawe

Krzysztof Warlikowski inszeniert Christoph Willibald Glucks „Iphigénie en Tauride“ wie einen spannenden Film: Die gealterte Iphigénie durchlebt die peinigenden Erinnerungen an ihre grausame Jugend in Flashbacks. Auf zwei Erzählebenen entsteht so ein komplexes wie faszinierendes Bühnenspiel mit Schnitten und Rückblenden, begleitet von einem hervorragendem Orchester und SängerInnen. Ein ganz großer Wurf der Staatsoper Stuttgart.

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Oper

Bildergalerie: „Iphigénie en Tauride“ von Gluck an der Staatsoper Stuttgart

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Basierend auf der antiken griechischen Tragödie sollte Iphigénie einst von ihrem Vater Agamemnon geopfert werden, wurde dann aber im letzten Augenblick von der Göttin Diana gerettet und nach Tauris gebracht. Dort muss sie im Auftrag des Skytenkönigs Thoas nun selbst Menschenopfer darbringen.

Im Bild: v.l.n.r. Jarrett Ott als Oresten Elmar Gilbertsson als Pylade und Gezim Myshketa als Thoas

Basierend auf der antiken griechischen Tragödie sollte Iphigénie einst von ihrem Vater Agamemnon geopfert werden, wurde dann aber im letzten Augenblick von der Göttin Diana gerettet und nach Tauris gebracht. Dort muss sie im Auftrag des Skytenkönigs Thoas nun selbst Menschenopfer darbringen.

Im Bild: v.l.n.r. Jarrett Ott als Oresten Elmar Gilbertsson als Pylade und Gezim Myshketa als Thoas

Iphigénies Seelenleben ist desaströs. Gepeinigt von Schuldgefühlen, aber auch von qualvollen Erinnerungen an Familie und Heimat, fristet sie ein freudloses Dasein. Erst als zwei junge Griechen auf Tauris stranden, von denen einer sie an ihren Bruder Oreste erinnert, schafft es Iphigénie den Bann zu durchbrechen und sich aufzulehnen gegen ihr Schicksal.

Im Bild: Jarrett Ott als Oreste und Elmar Gilbertsson als Pylade

In der Inszenierung von Krzysztof Warlikowski liegen all diese traumatischen Ereignisse längst weit in der Vergangenheit: Warlikowskis Iphigénie ist eine alte Dame, die gemeinsam mit anderen alten Frauen in einem seelenlosen, tristen, grün gefliesten Altersheim lebt.

Im Bild: Renate Jett als Iphigénie (Schauspielerin, rechts) und Damen der Statisterie

Die Erlebnisse von damals lassen Iphigénie aber nicht los. In Flashbacks erlebt sie noch einmal, was damals auf Tauris geschah: Die vom Krieg geprägte Jugend, die gleichsam zärtlichen aber auch grausamen Erinnerungen an den Vater und schließlich die Begegnung mit dem jungen Griechen, der sich tatsächlich als ihr Bruder Oreste herausstellt.

Im Bild: Renate Jett (Schauspielerin) als Iphigénie (liegend) und Amanda Majeski als Iphigénie

Auf der Bühne entsteht so eine zweite Handlung in der Handlung: Das Publikum erlebt gemeinsam mit der alten Iphigénie das, was die junge Iphigénie vor Jahren erlebt hat. Auch die Traumata sämtlicher anderer Beteiligten werden nicht nur erzählt und besungen, sondern mit Tänzern und Schauspielern tatsächlich durchlebt.

Im Bild: Amanda Majeski als Iphigénie und Jarrett Ott als Oreste

Wenn Oreste zum Beispiel vom Muttermord an Klytemnästra träumt, dann findet der hinter einer Spiegelwand, die Zeit- und Erzählebenen voneinander trennt, auch tatsächlich statt.

Im Bild: Jarrett Ott als Oreste und ein Mitglied der Statisterie im Hintergrund

Warlikowski inszeniert diese Oper wie einen Film, mit Schnitten und Rückblicken. Das ist ungemein spannend und faszinierend und an Komplexität kaum zu überbieten, führt aber gelegentlich auch zu einer gewissen Überwältigung.

Im Bild: Amanda Majeski als Iphigénie

Weil sich Zeit- und Erzählebenen oft überlagern, befindet sich auch immer wieder dieselbe Person doppelt auf der Bühne: Beide Orestes, der Träumende und der Muttermordende, und beide Iphigeniés, die Alte und die Junge, die natürlich auch noch von derselben Sängerin gesungen werden. Das ist kompliziert.

Im Bild: Amanda Majeski als Iphigénie (links) und Renate Jett (Schauspielerin) als Iphigénie

Die Sänger sind durchweg hervorragend - allen voran Amanda Majeski als Iphigénie -, ebenso wie das leidenschaftlich-expressive Spiel des Staatsorchesters unter Dirigent Stefano Montanari.

Im Bild: Amanda Majeski (Iphigénie)

Mit Glucks „Iphigénie en Tauride“ in der Inszenierung von Krzysztof Warlikowski ist dem Staatstheater Stuttgart ein ganz großer Wurf gelungen, der vom Bühnenbild über Solisten, Chor und Orchester bis hin zur Statisterie begeistert.


Im Bild: Jarrett Ott als Oreste, Amanda Majeski als Iphigénie und Statisterie der Staatsoper Stuttgart

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