STAND
AUTOR/IN

Keine leichte Aufgabe hat sich das Theater „Die Tonne“ in Reutlingen gestellt. Mit einem Theaterstück will es auf die Euthanasie-Morde in Grafeneck im Kreis Reutlingen während der Nazizeit hinweisen. Das Stück wird auf der Straße und mit Darsteller*innen, die teils auch eine Behinderung haben, aufgeführt.

Audio herunterladen (2,8 MB | MP3)

Nazi-Verbrechen auf der Schwäbischen Alb

Aus 24 Orten in Baden-Württemberg wurden in der Zeit von 1939 bis 1940 Menschen nach Grafeneck abtransportiert. Ihrer Familie wurde oft vorgegaukelt, dass es neue Therapiemöglichkeiten oder eine bessere Unterbringung für sie gäbe.

Die sogenannte Aktion T4 war jedoch Teil des nationalsozialistischen Vernichtungsprogrammes von „lebensunwertem Leben“ — geistig oder körperlich Behinderte, psychisch Kranke, „Asoziale“ oder Menschen, die sonst nicht ins Raster passten fielen ihr zum Opfer.

Inklusives Theaterprojekt

Um an sie zu erinnern, hat das Reutlinger Theater „Die Tonne“ das Projekt „Hierbleiben... Spuren nach Grafeneck“ gestartet, in Zusammenarbeit mit der Lebenshilfe und Bruderhaus Diakonie Reutlingen, der Fakultät für Sonderpädagogik der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg und der Habila GmbH Rappertshofen Reutlingen.

Gestern Druckprobe für das Projekt "Hierbleiben- Spuren nach Grafeneck" mit Jochen Meyder, Seyyah Inal, Antje Rapp, Bahattin Güngör, Stephan Wiedwald, Jochen RomingerGepostet von Theater Reutlingen Die Tonne am Mittwoch, 17. Juni 2020

Die inklusive Theatertruppe tritt in den Orten auf der Straße auf, aus denen die Menschen kamen, die in Grafeneck ermordet wurden.

Über 10.000 Einzelschicksale

Auch der Künstler Jochen Meyder aus Münsingen ist Teil der Projekts. Er hatte sich zur Aufgabe gemacht den 10.654 Opfern des Vernichtungsprogrammes ein Gesicht zu geben — und ebenso viele Tonfiguren modelliert.

„Hierbleiben... Spuren nach Grafeneck“ wird am 17. September in Mosbach uraufgeführt. Die Reutlinger Premiere ist am 2. Oktober auf dem Marktplatz.

Leben Erinnern ohne Grab?

Paul Gidius war zehn Jahre alt, als seine Mutter Opfer der NS Euthanasie wurde. Er kann mit ihrem Tod keinen Frieden schließen - auch weil er keinen Ort des Gedenkens hat.  mehr...

SWR2 Leben SWR2

Feature Auf den Spuren von Schorsch – Medikamentenversuche an Jugendlichen und ihre Folgen

Der behinderte vierzehnjährige Schorsch erhielt 1972 in der Diakonie Kork ein triebhemmendes Medikament geworden. Was ist aus ihm geworden?
Von Charly Kowalczyk  mehr...

SWR2 Feature SWR2

SWR2 Tandem Einst Irrenanstalt, heute Ort der Begegnung und Erinnerung

Florian Hofmeister und Jürgen Franck vom Förderkreis Forum Illenau  mehr...

SWR2 Tandem SWR2

SWR2 Archivradio: Medizin in historischen Originaltönen 11. November 1936. Reichsärzteführer Gerhard Wagner über Zwangssterilisierung

Der für alle medizinischen Belange im Deutschen Reich zuständige Reichsärzteführer Gerhard Wagner entwickelte in seinem Vortrag die Nationalsozialistische Rassenpolitik aus medizinischer Perspektive.  mehr...

STAND
AUTOR/IN