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Nach der Sommerpause gehen viele Tanzkompanien — freie und solche an Stadt- und Staatstheatern — in Deutschland wieder an den Start, wegen der Pandemie allerdings nicht im gewohnten Modus. Eins ist jedoch gleich geblieben: die Minderheit von schwarzen Tänzern und Tänzerinnen.

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Wo sind die schwarzen Ballett-Tänzer*innen?

Als Tänzerin Misty Copeland 2015 in New York den schwarzen UND den weißen Schwan in Tschaikowskys Schwanensee tanzt, ist dies eine Sensation, denn: Copeland ist schwarz, dabei wird die Rolle traditionell eher mit einer weißen Ballerina assoziiert.

[...] @mistyonpointe by @nisian in La Notte Top-5 International Dancers of the year (link in bio!). [...]

Schwarze Tänzer und Tänzerinnen sind in den meisten Kompanien die Ausnahme, vor allem in klassischen Kompanien wie etwa dem Hamburg Ballett sind sie kaum vertreten. Trotzdem sagt Ballettdirektor John Neumeier: „Es gibt wunderbare schwarze Tänzer, die in ihrer Art fantastisch sind. Ich sehe keine Grenzen von Farben oder sonst etwas. Ich denke, es ist eine Sache von Talent, Technik, die die Grenzen setzt.“

Michaela dePrince: Schwarze Ausnahme-Tänzerin in Amsterdam

Das Het Nationale Ballett in Amsterdam hat ein zeitgenössisches und klassisches Programm und traditionell schwarze Tänzer und Tänzerinnen im Ensemble. Die bekannteste ist derzeit die in Sierra Leone geborene Michaela dePrince. Auf ihrem Instagram-Account teilt die junge Tänzerin Bilder von anderen schwarzen und PoC-Tänzer*innen und setzt sich gegen Rassismus ein.

I AM A BLACK WOMAN. I AM A BLACK WOMAN. I AM A BLACK WOMAN ✊🏾🖤 I will never stop supporting my beautiful brown and black queens and kings out there.[...]

Schwarze Kompanien in den USA

Die Alvin Ailey Company in New York wiederum besteht ausschließlich aus schwarzen Tanzkünstler*innen, sie steht für modernen amerikanischen Tanz. Gegründet wurde die Kompanie 1957, so der heutige Direktor Robert Battle, mit dem Ziel, schwarzen Tänzer*innen die Möglichkeit zu geben, zu tanzen und die Kultur und Geschichte der Afroamerikaner*innen weiterzugeben.

Schwarze = geborene zeitgenössische Tänzer*innen?

Sarah Lasaki, eine ehemalige Schülerin an John Neumeiers Ballettschule in Hamburg und ehemalige Tour-Tänzerin für „Stomp“, berichtet indes auch von Diskriminierungen im modernen Tanz: Zwar seien schwarze Tänzer*innen im kommerziellen Tanz gerne gesehen, gleichzeitig würde ihre Ausbildung, ihr Fleiß und ihr Schweiß damit niedergemacht. Es hieße oft, so erzählt die Tochter eines Nigerianers: „Du kannst das doch alles. Du bist doch so geboren.“ Dieses Stereotyp werde im Tanz häufig benutzt.

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„Ein Balletttänzer hat immer noch das Image, sehr dünn zu sein mit langen Beinen. Das ist sehr schwer für uns Schwarze. Weil wir einen kräftigen Po und muskuläre Beine haben und einfach einen ganz anderen Körper.“

Marcos Novais, Balletttänzer

Ursachenforschung ist dringend nötig

Ob es zu wenige überzeugende Bewerbungen gibt oder ob es daran liegt, dass schwarze Tänzer*innen nicht den für das klassische Ballett erforderlichen Körperbau hätten, ist nicht ausreichend erforscht. Statistiken gibt es keine und weder der Dachverband Tanz noch die Gesellschaft für Tanzforschung können aktuell Auskunft darüber geben, wieviele schwarze Tänzer*innen überhaupt auf deutschen Bühnen beschäftigt sind.

Für September war dieses Jahr in Berlin eine Tagung zum Thema Rassismus im Tanz angesetzt, Corona-bedingt musste sie jedoch abgesagt werden. Die Frage bleibt jedoch bestehen.

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