Gespräch

Schauspieler Matthias Habich: Gedichte sind Vitamine für die Seele

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Sonja Striegl

Matthias Habich ist einer der großen, aber unaufdringlichen Schauspieler Deutschlands. Er habe es sich zur Pflicht gemacht, jeden Tag wie Morgengymnastik ein Gedicht zu lernen, sagt Habich in SWR2 am Samstagnachmittag. Er fülle seine Seele mit den Gedichten: „das sind seelische Vitamine“, so Habich. Am 28. August steht Habich bei einem großen Hölderlin-Abend der Fellbacher Kulturgemeinschaft auf der Bühne.

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„Wutanfälle habe ich auch manchmal“

Der Corona-Pandemie verdankt Matthias Habich eine inzwischen jahrelange intensive Auseinandersetzung mit der Lyrik Friedrich Hölderlins. Denn eine gemeinsam mit Schauspielerin Barbara Auer und Regisseur Klaus Hemmerle geplante Veranstaltung zu Leben und Werk des Dichters musste immer und immer wieder verschoben werden. Er habe sehr mit Hölderlin gerungen, sagt Matthias Habich, dem der Dichter bis heute rätselhaft geblieben ist. „Die Wutanfälle, die ihn auszeichnen“, die habe er auch manchmal, gesteht Habich, aber anschließend tue es ihm immer leid.

Die attraktiven Rollen bleiben im Alter aus

Die Hauptdramen des Lebens spielten zwischen 20 und 50, das sind die interessanten Jahre, meint Matthias Habich. Nachher werde man nicht mehr wahrgenommen und an den Rand gedrängt, kritisiert der 82-jährige. Wenn mehr ältere Leute im Fernsehen oder auf der Bühne sichtbar würden, dann vervollkommne sich die Menschenlandschaft. Doch von den aktuellen Rollenangeboten zeigt er sich wenig begeistert. Auf Krebs, Demenz und aufs Sterbebett – darauf habe er keine Lust.

„In der zweiten Szene muss ich dann schon einen Schlauch in der Nase haben“

Für Matthias Habich wäre eine ganz andere Rolle reizvoll: nämlich junge Menschen an die Hand zu nehmen, ihnen den Weg ins Leben zu erleichtern: „Ich lerne selten durch andere, ich lerne durch Arbeit“.

Am 3. September wird der Schauspieler Matthias Habich für sein Lebenswerk mit dem „Goldenen Ochsen“, dem Ehrenpreis des Filmkunstfests Mecklenburg-Vorpommern, ausgezeichnet, der zuvor an Kolleginnen und Kollegen wie Ulrich Tukur, Katharina Thalbach oder Götz George verliehen wurde.

Gedichte und ihre Geschichten

Gedichte und ihre Geschichte „Sommerbetrachtung“ von Klabund

Der Berliner Dichter Alfred Georg Hermann Henschke nennt sich Anfang des 20. Jahrhunderts „Klabund“, er setzt den Namen aus den Worten „Klabautermann“ und „Vagabund“ zusammen. Die damit verbundenen Charaktereigenschaften beschreiben den Autor treffend: Immer unterwegs und dabei am liebsten in der Rolle des Kobolds, der mit anderen seinen Schabernack treibt. Klabunds Lyrik lässt sich keinem Genre zuordnen, sie spielt virtuos mit vielen Traditionen. Sein Gedicht „Sommerbetrachtung“ wandelt sich von einem Herbstgedicht zu einer Elegie auf die Melancholie und die Todessehnsucht, und das in erstaunlich heiterem Ton. Es liest Johannes Wördemann.  mehr...

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Gedichte und ihre Geschichte „Handbuch der Pflanzenkrankheiten“ - ungewöhnliche Lyrik von David Fuchs

Geschwüre, vernarbte Stellen, Wundränder. So äußern sich Krankheiten bei Menschen und auch bei Pflanzen. In David Fuchs' Gedichten verwischen die Grenzen zwischen Haut und Rinde. Unheimlich mutet sie an, die Menschen- und Pflanzenwelt, die sich nicht mehr auseinanderdividieren lässt. Pflanzen- und Menschenkörper überlappen sich, verwachsen miteinander und gehen eine poetische Symbiose ein. In schnörkelloser Sprache und mit viel Wohlwollen und Respekt beleuchtet der Mediziner David Fuchs in seiner Lyrik Krankheiten, die ihm als Krebs- und Palliativarzt täglich begegnen. Kerstin Bachtler stellt seinen Lyrikband „Handbuch der Pflanzenkrankheiten“ vor.  mehr...

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Gedichte und ihre Geschichte „Der Wind“ von Richard Zoozmann

Der September beginnt und damit auch der Herbst, jedenfalls aus der Sicht der Wetterexperten. Denn als meteorologischer Herbstanfang gilt immer der 1. September, während der kalendarische auf den 23. September fällt. Mit dem Einzug des Herbstes ändert sich das Wetter: Die Hitze des Sommers lässt endlich nach, dafür wird der Wind zunehmen und es sind Stürme zu erwarten. Dieses Phänomen ist altbekannt, bekommt aber in der Diskussion um die Auswirkungen des Klimawandels eine ganz neue Aktualität. Vor rund 100 Jahren verfasste der deutsche Lyriker Richard Zoozmann ein Gedicht, das den Wind mit all seinen Eigenschaften beschreibt, die wir heute an ihm mögen, aber auch fürchten. Kerstin Bachtler stellt Richard Zoozmann und sein Gedicht „Der Wind“ vor.  mehr...

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Gedichte und ihre Geschichte „Kein Tag ohne“ von Ilma Rakusa

Mit Ausbruch der Corona-Pandemie hat sich die Dichterin und Übersetzerin Ilma Rakusa eine eigene „Therapie“ verordnet. Sie startete ein Lyrik-Projekt, um der Einsamkeit während des Lockdowns etwas entgegenzusetzen. Jeden Tag ein Gedicht - das regelmäßige Schreibpensum verlieh ihr Halt und Trost. Nun ist das lyrische Pandemie-Tagebuch unter dem Titel „Kein Tag ohne“ im Droschl Verlag erschienen.  mehr...

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Gedichte und ihre Geschichte „Der Droste würde ich gern Wasser reichen“ von Sarah Kirsch

Gemeinsam mit einer Freundin an einem Sommertag über Felder spazieren gehen und plaudern, das beschreibt die Lyrikerin Sarah Kirsch in einem Gedicht. Allerdings ist dieser Spaziergang utopisch, denn ihrer Begleiterin konnte sie nie real begegnen: Annette von Droste-Hülshoff, eine der wichtigsten deutschen Lyrikerinnen, die rund 140 Jahre vor Sarah Kirsch lebte. Dennoch gab es eine Seelenverwandtschaft zwischen beiden, und davon erzählt Sarah Kirsch in ihrem Gedicht „Der Droste würde ich gern Wasser reichen“.  mehr...

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Gedichte und ihre Geschichte „Mondhase an Mondfisch“ von Johanna Hansen

Eine musikliebende Lyrikerin, die auch malen kann, bekommt eine Partitur von Robert Schumann geschenkt und macht daraus ein neues Kunstwerk. Das ist die Geschichte des Langgedichts „Mondhase an Mondfisch“ von Johanna Hansen. Die Lyrikerin hat die Original-Partitur als Malgrund für Bilder genutzt, zu denen sie die „Kinderszenen“, eine Komposition von Robert Schumann, inspiriert haben. In ihrem Gedicht geht es um Nähe, Distanz und um die Liebe zwischen Robert Schumann und Clara Wieck. Kerstin Bachtler stellt den kunstvollen großen Lyrikband „Mondhase an Mondfisch“ vor.  mehr...

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Gedichte und ihre Geschichte „Der Garten des Theophrast“ von Peter Huchel

Die Sonne scheint unbarmherzig heiß und macht den Pflanzen in den Gärten schwer zu schaffen. Der Lyriker Peter Huchel hat 1962 ein Gedicht über einen griechischen Garten geschrieben, der genau so vertrocknet aussieht, wie es Gartenbesitzer bei diesem Wetter befürchten. Allerdings geht es bei Peter Huchel nicht um den Garten, sondern um ihn selbst. Der Lyriker nutzt das Bild des verdorrten Gartens als Symbol für eine eigene Krise. Kerstin Bachtler stellt das Gedicht und seinen Hintergrund vor.  mehr...

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Gedichte und ihre Geschichte „Land von Feuer und Nichts“ und „Nachtdämmern“ von Steinunn Sigurðardóttir

Island wird die Insel aus Feuer und Eis genannt. Denn Island ist eine Vulkaninsel und besteht aus zum Teil noch aktiven Vulkanen, Lavawüste und Gletschern. Vor allem riesige weiße Eisflächen haben die Landschaft und auch die Kultur Islands geprägt. Die isländische Lyrikerin Steinunn Sigurðardóttir wurde mit Naturgedichten berühmt, in denen sie immer wieder die Gletscher ihrer Heimat thematisiert. Oft beschreibt sie deren Schönheit, doch immer häufiger widmet sie ihre Lyrik dem Schwinden der Gletscher – ihrem Sterben, wie sie es nennt. Ihr neuer Lyrikband „Nachtdämmern“ ist ein lyrisches Mahnmal der Klimakatastrophe.  mehr...

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Gedichte und ihre Geschichte Das Literaturprojekt „Poesie der Nachbarn“ im Künstlerhaus Edenkoben

„Poesie der Nachbarn“ ist ein seit mehr als 25 Jahren etabliertes Literaturprojekt, bei dem deutsche Lyriker die Gedichte von Lyrikern anderer Länder übersetzen. Dazu treffen sich Dichterinnen und Dichter eine knappe Woche lang im Künstlerhaus Edenkoben in der Südpfalz. Die Ergebnisse werden später in einer kleinen Anthologie veröffentlicht. In diesem Jahr widmete sich die „Poesie der Nachbarn“ Spanien. Eingeladen waren spanische Lyrikerinnen und Lyriker aus Galizien, Katalonien und dem Baskenland, die jeweils 15 Gedichte einreichten. Kerstin Bachtler stellt ein spanisches Gedicht und zwei unterschiedliche Übersetzungen davon vor.  mehr...

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Gedichte und ihre Geschichte „Primaner in Uniform“ von Erich Kästner

Seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine ist der Krieg plötzlich wieder in unsere Gegenwart und unsere Nähe gerückt – und das wird seine Spuren in der Literatur hinterlassen, so war es immer schon. Vor rund 100 Jahren hat Erich Kästner versucht, das Grauen des Ersten Weltkriegs in zahlreichen seiner Gedichte zu beschreiben. Er kam bereits als Jugendlicher zum Militär, was ihn herzkrank machte und schwer traumatisierte. Aber er hat den Krieg immerhin überlebt. Viele seiner Schulkameraden und Freunde starben dagegen als junge Soldaten. Davon erzählt Erich Kästner in seinem Gedicht „Primaner in Uniform“, das er 1931 verfasste. Kerstin Bachtler beleuchtet den Text und seine Hintergründe.  mehr...

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Gedichte und ihre Geschichte „Was schlimm ist“ von Gottfried Benn

Gottfried Benn war der große Nihilist. Alles hat er verneint, Weltanschauungen, Konventionen, Traditionen, sogar Gefühle. Seine Lyrik klingt dunkel, oft brutal und unsentimental. Von Anfang an wurde sie als Provokation verstanden - und sie hat die nachfolgende Dichtergeneration entscheidend beeinflusst. Doch Gottfried Benn, der Lyriker von Krankheit und Zerfall, hatte auch Humor. Der kommt in seinen Texten zwar nicht oft zum Vorschein, zuweilen aber doch. Zum Beispiel in seinem Gedicht „Was schlimm ist“.  mehr...

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Gedichte und ihre Geschichte „Der Quitte wegen" von Hölderlin-Preisträgerin Monika Rinck

Am 12. Juni wird Monika Rinck mit dem renommierten Hölderlin-Preis ausgezeichnet. Die Lyrikerin, die 1969 in Zweibrücken geboren wurde und in Berlin lebt, erhält den Preis für ihr schriftstellerisches Gesamtwerk. Seit mehr als 20 Jahren schreibt sie Lyrik, Prosa und Essays und verknüpft diese Gattungen auch gern miteinander. Die Jury des Hölderlin-Preises lobt an ihr ihren analytischen Blick, ihre ausgefeilte Sprache und ihren feinen Humor. In ihrem Gedicht „Der Quitte wegen“ finden sich alle drei Charakteristika in einer Art Parodie auf Jacques Brels Chanson „Ne me quitte pas“.  mehr...

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