Bitte warten...

Proben zur Oper „Lucio Silla“ am Badischen Staatstheater Franco Fagioli singt Mozart in Karlsruhe

Kulturthema am 6.7.2018 von Marie-Dominique Wetzel

Franco Fagioli ist zur Zeit einer der gefragtesten Countertenöre. Seit 2006 ist der Star aus Argentinien immer wieder zu Gast bei den Karlsruher Händelfestspielen. Nun ist er wieder in der Stadt, diesmal allerdings für eine Mozart-Oper: „Lucio Silla“, eine Koproduktion mit der Brüsseler Oper La Monnaie unter der Regie von Tobias Kratzer, der für den „International Opera Award 2018“ nominiert war. Am Sonntag (8.7.) ist Premiere am Badischen Staatstheater Karlsruhe. Marie-Dominique Wetzel hat den Countertenor Franco Fagioli während der Proben getroffen.

Eine Oper aus Mozarts Sturm und Drang-Zeit

Franco Fagioli mimt Cecilio, den etwas zaudernden, aber leidenschaftlichen Liebhaber. In Kapuzen-Anorak mit Rucksack ist er aus dem Exil zurückgekommen, wohin ihn der Tyrann Silla verbannt hatte, um Cecilios Verlobte Guinia zur Frau zu nehmen. Wolfgang Amadeus Mozart war erst 16 Jahre als er die Opera seria „Lucio Silla“ schrieb, ein junger Mann in seiner Sturm-und-Drang-Zeit, erklärt Franco Fagioli:

“Die Arien sind sehr anspruchsvoll. Sie sind sehr lang und herausfordernd für alle Sänger. Man sieht daran, wie Mozart versucht hat, aus der strengen Barock-Form auszubrechen und etwas von seiner Genialität einzubringen.“

James Edgar Knight (Lucio Silla), Ekaterina Lekhina (Giunia), Franco Fagioli (Cecilio), Ensemble, BADISCHER STAATSOPERNCHOR

James Edgar Knight (Lucio Silla), Ekaterina Lekhina (Giunia), Franco Fagioli (Cecilio), Ensemble, BADISCHER STAATSOPERNCHOR

Rolle des Cecilio erstmals wieder mit Mann besetzt

Wie so oft hat Mozart seine Rollen den Sängerinnen und Sängern, mit denen er arbeitete, auf den Leib geschrieben. Und so hat er in diesem Fall die Rolle des jungen Cecilio für einen Kastraten komponiert. Später wurde die Rolle dann traditionell mit einer Mezzosopranistin besetzt. Nun steht in Karlsruhe erstmals ein Mann als Cecilio auf der Bühne.

Frauen in Hosenrollen und Männer, die Frauenparts singen – für Franco Fagioli ist das ein musikalisches Spiel, das übrigens in Mozarts Zeiten viel lockerer gesehen wurde: „Die heutige Oper ist voller Schubladen und Reglementierungen. Ich glaube aber nicht, dass das der Oper entspricht. Wir kennen all diese Geschichten, dass die Leute früher in die Oper gingen, um zu essen, zu trinken, Karten zu spielen und Sex zu haben. Oper ist Unterhaltung!“

Mit 18 stand Berufswunsch fest: Countertenor!

Franco Fagioli selbst hatte als Jugendlicher keine Ahnung, dass es überhaupt Countertenöre gibt. Er sang leidenschaftlich gerne, studierte aber zuerst Klavier am Konservatorium in seiner Heimat Argentinien. Gerne machte er sich einen Spaß daraus, mit seiner hohen Kopfstimme dazu zu singen. Als er einmal eine CD-Einspielung von Pergolesis Stabat Mater hörte, wunderte er sich über die ungewöhnliche Stimmlage und schaute verdutzt in das Booklet: Da sang ein Mann, ein Countertenor. Damit stand sein Berufswunsch fest! Schicksal? Glück? Vorsehung nennt es der damals 18-Jährige.

Franco Fagioli (Cecilio), Uliana Alexyuk (Celia)

Franco Fagioli (Cecilio), Uliana Alexyuk (Celia)

Karlsruhe als künstlerische Heimat

Inzwischen ist Franco Fagioli einer der gefragtesten Countertenöre weltweit. Der einzige, der bei der Deutschen Grammophon unter Vertrag ist, wo er Anfang des Jahres sein zweites Soloalbum mit Händel-Arien heraus gebracht hat. Auch in Karlsruhe war er schon mehrmals als Spezialist für Barockopern bei den Händelfestspielen zu hören. Und er hat dem Badischen Staatstheater einiges zu verdanken, sagt Franco Fagioli:

„Es ist immer eine Freude, nach Karlsruhe zurück zu kommen. Das Badische Staatstheater hat mir hier viele Türen geöffnet, als ich ganz am Anfang meiner Karriere in Europa stand. Ich lerne hier viel, vor allem wie man Oper als Gesamtkunstwerk macht. Ich bin Countertenor und kein Theater nimmt einen Countertenor ins feste Ensemble. Man steht also immer so ein bisschen außen vor. Aber immer wenn ich hier bin, fühle ich mich fast wie zu Hause.“