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Der Brasilianer Marco Novais lebt seit drei Jahren in Deutschland und ist seit dieser Saison Ensemblemitglied des Hessischen Staatsballetts, wo er ab dem 29.2. in „Sacre“ zu Musik von Igor Stravinski tanzen wird. Warum schwarze Balletttänzerinnen und -tänzer auf den internationalen Bühnen immer noch die absolute Ausnahme sind, sagt der 27-jährige in SWR2.

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Marcos Novais ist ein groß gewachsener, athletischer Tänzer, die meisten Mitglieder der Wiesbadener international gemischten Kompanie überragt der 27-jährige locker.

Marcos Novais hat sich in den Tanz verliebt

Aber er fällt nicht nur deshalb auf. Marcos Novais ist der einzige schwarze Tänzer des Ensembles. Er tanzt, seit er denken kann: „Ich erinnere mich, als ich noch ganz klein war, da habe ich auf Familienfesten getanzt, ich war ein bisschen verrückt“.

Seine Eltern nahmen Marcos Novais mit ins Theater. Er sah sich Schauspiel- und Tanzvorstellungen an. So habe er sich in den Tanz verliebt. „Ich wollte auf der Bühne stehen und performen. Alles war magisch“.

Arthur Mitchell als Vorbild

Für schwarze Tänzer ist das allerdings immer noch keine Selbstverständlichkeit. Einer der berühmtesten war der 2018 verstorbene Arthur Mitchell.

Er war einst Tänzer im New York City Ballett und Muse des berühmten amerikanischen Choreographen George Balanchine. Dieser choreografierte den legendären Pas de deux „Agon“ für ihn, den er in den 50er-Jahren mit einer weißen Tänzerin ausführte.

Ballettschulen für die Elite

Doch gerade im klassischen Ballett sei es auch heute noch schwierig für schwarze Tänzer, sagt Marco Novais, und das läge vor allem an den ungleichen Startchancen.  

„Wer hat das Geld, in einer Ballettklasse zu trainieren? Das ist die Elite, für schwarze Menschen ist das schwer.“ Marcos Novais hatte Glück. Weil er der einzige männliche Tänzer in seiner ganzen Stadt Ich hatte Glück, denn ich musste nie bezahlen. Ich war der einzige männliche Tänzer in der ganzen Stadt und hatte Sponsoren, seit ich zehn Jahre alt war.“

Schwarz, schwul und allein in Deutschland

Marcos Novais erhielt intensives klassisches Training und ist im zeitgenössischen Ballett und Jazz ausgebildet. Er tanzte in verschiedenen Kompanien unter anderem bei der Cisne Negro Dance Company und bei Bale da Cidade in Sao Paulo.

Seit drei Jahren ist er in Deutschland und hat mit Vorurteilen zu kämpfen: „Ich bin schwarz, ich bin schwul, ich bin ganz alleine hier und spreche die Sprache nicht. Das ist hart.“

Der stereotype Körperbau

Doch in seiner Wiesbadener Kompanie fühlt er sich integriert. Auch, wenn er als schwarzer Tänzer andere Voraussetzungen mitbringt als viele seiner weißen Kolleginnen und Kollegen:

„Ein Balletttänzer muss sehr dünn sein mit langen Beinen. Das ist schwer für uns Schwarze, weil wir oft einen anderen Körperbau haben. Darum tanzen die meisten auch eher zeitgenössisch statt klassisch.“

Derzeit probt Marcos Novais unter anderem für das Stück „Sacre“ in der Choreografie von Edward Clug zu Musik von Igor Strawinsky. Die Premiere ist am 29. Februar.

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