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Da die erste Saison für ist Martin Kušej als Direktor am Wiener Burgtheater coronanebdingt nur halb stattfand,  war die Eröffnung der zweiten eine Art Neuanfang. Allerdings inszeniert der Hausherr die Tragikomödie „Das Leben ein Traum“ Pedro Calerón de la Barca so altmodisch und gestelzt, als stamme sie aus fernen alten Burgtheatertagen.

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Spucke-Sprühnebel wie in präpandemischen Zeiten

Wenn Franz Pätzold sich als Prinz Sigismund ereifert, sieht man den Spucke-Sprühnebel, in den er die Umstehenden damit hüllt. Bei klassisch wohlartikuliertem Sprechen kommt das schon Mal vor. Über diese Aufführung verrät es zweierlei.

Erstens: wir sind in Österreich, wo auf der Bühne – wie in seligen präpandemischen Zeiten – alles erlaubt ist, weil die Ensembles regelmäßig auf Corona getestet werden und anders als hierzulande keine Sicherheitsabstände einhalten müssen.

Zweitens: diese Inszenierung will offenbar auch sonst den Eindruck erwecken, als stamme sie aus fernen alten Burgtheatertagen. Wie anders ließe sich die oft recht altmodisch gestelzte Spielhaltung erklären, die mit dieser gestanzten Sprache einhergeht?

Fantasyfilm vor klaustrophobischer Kulisse

Um Isolation geht es, und um den freien Willen samt der Frage, welche anderen Kräfte ihn einschränken. Das Programmheft erklärt wortreich die Bezüge zu unserer Corona-Gegenwart, auf der Bühne indes ist davon herzlich wenig zu sehen – zu sehr ist Martin Kušej damit beschäftigt, Bilder von erlesener Düsternis zu schaffen. Gespielt wird unter anderem zwischen zwei schräg zu einander gekippten Wänden, die der Szenerie etwas Klaustrophobisches verleihen. Fortwährend herrscht Schummerlicht.

In Verbindung mit der gespreizten Sprechweise, die Kušej seinem Ensemble abverlangt, führt diese Effekthascherei dazu, dass dieses alte Stück mit seiner für heutigen Geschmack ohnehin recht kruden Handlung eher in Fantasyfilm-Ferne rückt, als etwas für die Gegenwart Relevantes zu erzählen.

Eröffnungspremiere von „Antigone. Ein Requiem“ im Akademietheater überzeugt

Eindeutig besser macht es Lars-Ole Walburg, der am Tag nach dieser Eröffnungspremiere im Akademietheater, einer Dependance der Wiener Burg, eine neues Stück von Thomas Köck uraufführte. „Antigone. Ein Requiem“, nach dem antiken Sophokles-Klassiker.

Start mit besonderer Symbolkraft

Es war der Startschuss in eine Saison, von der keiner weiß, wie sie sich Corona-bedingt entwickeln wird. Das ist in Wien nicht anders als sonstwo. Weil das Burgtheater aber Österreichs Nationaltheater ist, hatte der Start dort besondere Symbolkraft – was auch daran abzulesen war, das Österreichs Vizekanzler Werner Kogler im Premierenpublikum saß.

Theater Ohne Mitgefühl: „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ in Mainz

1972 feierte Rainer Werner Fassbinders „Die bitteren Tränen der Petra von Kant“ Premiere bei der Berlinale. Der Film basiert auf einem Theaterstück, das bis heute oft gespielt wird. Erzählt wird darin die Geschichte der Modeschöpferin Petra von Kant, die an der Liebe zu einer jungen Frau zerbricht. Nun hatte das Stück am Mainzer Staatstheater Premiere.  mehr...

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Theater „Herr Lehmann“ am Staatstheater Mainz: Nicht mehr als eine 80er-Jahre-Komödie

2001 landete Element-of-Crime-Sänger Sven Regener mit seinem Roman „Herr Lehmann“ auf der Bestsellerliste. Das Buch beschreibt das Leben im West-Berliner Kneipenmilieu kurz vor dem Mauerfall. Nun zeigt das Staatstheater Mainz eine Inszenierung des Kultbuches von Regisseurin Jule Kracht. Überzeugend dargestellt wird die Atmosphäre im Kneipen-Kosmos der späten achtziger Jahre. So tiefgründig wie der Roman ist das Theaterstück aber nicht.  mehr...

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Bühne Liebeserklärung an das Theater: „Der Geizige“ mit Jens Harzer am Thalia Theater Hamburg

Hauptdarsteller Jens Harzer ist in der Eröffnungsinszenierung „Der Geizige“ am Hamburger Thalia Theater nur an seiner Stimme zu erkennen: „Er sieht aus wie Horst Schlämmer. Die eckige Nickelbrille baumelt schief am Lesebändchen, die aufgebürsteten Haare stehen wie Beton, der Schnauzer wuchert. Über dem dicken Bauch spannt ein braunfleckiges T-Shirt“, so ist der geizige Harpagon in der Regie von Leander Haußmann gestaltet.

Mit sichtlicher Freude am komischen Fach reizen die Darsteller*innen mit kunstvollem Spagat zwischen kauzig und komplex ihre Figuren aus. Der Abend sei jedoch vor allem eines: „eine Liebeserklärung an das Theater, das Spielen, die Darsteller. Sie sind es, die ihn tragen und gestalten - auf der leeren Bühne, die ein Tribut an die Pandemie ist, denn Kulissen konnten nicht gebaut werden, da die Mitarbeiter des Thalia-Theaters in Kurzarbeit waren“, meint SWR2 Theaterkritikerin Ina Beyer.  mehr...

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