STAND
AUTOR/IN

Der hochbegabte 18-jährige Tscheche Zdeněk Adamec hatte sich 2003 auf dem Prager Wenzelsplatz mit Benzin übergossen und angezündet. Literaturnobelpreisträger Peter Handke hat den Fall Adamec bereits in einem Roman verarbeitet und nun auch in seinem neuen Theaterstück. Regisseur Jossi Wieler macht aus dem Stoff in Berlin ein sinnliches Bühnenspiel.

Audio herunterladen (4 MB | MP3)

Nach der Weltpremiere bei den Salzburger Festspielen fand nun im Deutschen Theater in Berlin die deutsche Erstaufführung statt. Regisseur Jossi Wieler macht aus Lesestoff und Spracherkundung einen großen Abend über die Zerbrechlichkeit der Existenz.

Zdeněk Adamec

Zdeněk Adamec von Peter Handke (Foto: Pressestelle, Arno Declair)
Musikerinnen und Musiker warten auf ihren Auftritt. Sie verweilen in einem verlassenen Wirtshaus mit Jukebox, es könnte aber auch eine kleine Kirche sein – ein Ort, irgendwo im Nirgendwo. Pressestelle Arno Declair Bild in Detailansicht öffnen
Sie unterhalten sich über Zdeněk Adamec, sein Leben und Leiden. Je mehr sie von ihm berichten, desto mehr geben sie auch über sich selber preis, über Sehnsüchte, Freuden, Ängste. Pressestelle Arno Declair Bild in Detailansicht öffnen
Handkes Text ist Lesestoff, Spracherkundung, aber kein sinnlliches Bühenwort. Das aber macht Regisseur Jossi Wieler daraus. Er verteilt das ausschweifende Material auf sechs Schauspielende und schafft es, Figuren zu kreieren, die gar nicht vorgesehen sind. Pressestelle Arno Declair Bild in Detailansicht öffnen
Die Schauspieler agieren zusammen hochvirtuos. Jede Bewegung im Raum, jede Geste wirkt genau gesetzt und zugleich ganz natürlich. Jedes Wort ist immer am richtigen Platz: Aus Handkes Dichtung wird Bühnenpoesie. Pressestelle Arno Declair Bild in Detailansicht öffnen

Bühne Zu viel Respekt vor Handke: „Zdenek Adamec“ bei den Salzburger Festspielen

Im Alter von 18 Jahren verbrannte sich Zdenek Adametz 2003 auf dem Prager Wenzelsplatz und nahm sich damit ein Beispiel an Jan Palach, der sich 35 Jahre zuvor am gleichen Ort ebenso zu einem flammenden Fanal gemacht hatte. Was damals jedoch ein Fanal gegen die militärische Niederschlagung des Prager Frühlings gewesen war, sollte nun Protest gegen den Vormarsch des Kapitalismus sein - und erntete nur Verachtung. Peter Handke hat sein Stück als Protest gegen diese Verachtung geschrieben. Aus den Textblöcken, die Handke ohne feste Rollenzuweisungen in den Raum gestellt hat, lassen sich aber nur schwerlich eine zündende Spielidee oder wirkliche Figuren entwickeln. Das ist der Uraufführungsinszenierung von Frederike Heller anzumerken. Wer spricht, kommt in die Mitte, wer nicht spricht, verliert sich am Rand. So aber hilft man keinem Text auf die Bühne, auch nicht dem eines Literaturnobelpreisträgers, dem wahrscheinlich sogar mehr Respektlosigkeit als üblich nottäte.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Gespräch Peter Handke - Das zweite Schwert. Eine Maigeschichte

In „Das zweite Schwert“ zieht Peter Handkes Erzähler aus, um die eigene Mutter zu rächen. Deren Bild nämlich wurde einst von einer Journalistin ins Bild einer dem Führer zujubelnden Menschenmenge hineinmontiert. Ein Verbrechen, findet der Erzähler, das gesühnt werden muss. Auf dem Weg aber verliert er seinen Plan immer mehr aus den Augen – und sieht stattdessen ganz andere Dinge. Ein Gespräch zum „Zweiten Schwert“ mit dem Literaturkritiker Jörg Magenau.

Suhrkamp Verlag
ISBN 978-3-518-42940-2
160 Seiten
20 Euro  mehr...

SWR2 lesenswert Magazin SWR2

Kommentar Verleihung des Literatur-Nobelpreises an Peter Handke: „Endlich ist das Trauerspiel vorbei“

„Wir erleben seit dem 10. Oktober 2019 die Dauerschleife eines zornigen Verzichts auf jede Form des Verstehens. Damit ist jetzt glücklicherweise Schluss!“, kommentiert SWR2 Literaturchef Frank Hertweck die Verleihung des Literatur-Nobelpreises an Peter Handke.  mehr...

SWR2 Kultur aktuell SWR2

Kulturmedienschau Debatte um Peter Handkes Äußerungen zu Jugoslawien flammt wieder auf | 6.12.2019

Kommenden Dienstag bekommt Peter Handke den Literaturnobelpreis. Und in den Feuilletons flammt heute die Debatte über Handkes umstrittene Äußerungen zu Jugoslawien wieder auf.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Kulturmedienschau Proteste in Stockholm gegen Peter Handke | 11.12.2019

Die Kulturseiten der Zeitungen erinnern heute an die schwedische Sängerin Marie Fredriksson vom weltweit erfolgreichen Popduo „Roxette“, die im Alter von 61 Jahren gestorben ist. Ein anderes großes Thema ist die umstrittene Verleihung des Literaturnobelpreises an Peter Handke gestern in Stockholm.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

STAND
AUTOR/IN