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Ein Interimsintendant für drei Jahre – Enttäuschende Entscheidung am Badischen Staatstheater Karlsruhe

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Nach der Aufregung um Peter Spuhlers Abgang aus Karlsruhe war der Anspruch an die Zwischenlösung groß - und wurde enttäuscht, kritisiert Marie-Dominique Wetzel in ihrem Kommentar zur Entscheidung, Ulrich Peters für drei Jahre zum Interimsintendanten zu berufen.

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Mutlose Entscheidung: wieder ein Generalintendant

Nun hat das Badische Staatstheater also wieder einen Generalintendanten. Von besonderem Mut und ausgesprochenem Reformwillen zeugt das nicht gerade. Wie wäre es mit einem Team an der Spitze gewesen? Mit Menschen, die neugierig auf neue Führungsmodelle sind, die Spaß haben am Ausloten und Gestalten neuer, partizipativer Wege?

Natürlich, es geht nur um eine dreijährige Zwischenlösung. Aber die wird wichtige Weichen stellen, denn jetzt ist die Mehrheit am Badischen Staatstheater im Reformeifer. Aber: erstmal soll nun wieder Ruhe einkehren!

Nicht, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Theaters, die seit Monaten intensiv am Reformprozess arbeiten, noch übermütig werden – und am Ende glauben, dass sie wirklich gerade dabei sind, Theatergeschichte zu schreiben. Also die alteingefahrenen Machtstrukturen komplett aufbrechen könnten und mitbestimmen dürften, wer das Theater leitet und was sie künftig auf die Bühne bringen wollen. Oh nein! Wer hält denn dann hinterher den Kopf hin, wenn das Publikum murrt?

Rückgriff auf das scheinbar Bewährte

Und überhaupt, gibt es dafür angeblich keine rechtlichen Rahmenbedingungen. Dass zum Beispiel die Berliner Philharmoniker ihren Chefdirigenten alle gemeinsam bestimmen, wird gerne mal vergessen. In Karlsruhe also Bedenken wohin man schaut. Und: wieder Rückgriff auf das scheinbar Bewährte, das aber mit dem letzten Generalintendanten als Alleinherrscher eben in einer Katastrophe endete!

Bühne Peter Spuhler und das Badische Staatstheater Karlsruhe: Intendant geht, Problem gelöst?

Der umstrittene Generalintendant des Badischen Staatstheaters in Karlsruhe, Peter Spuhler, soll zum Ende der laufenden Spielzeit gehen. Nach Vorwürfen unter anderem wegen seines Führungsstils soll nach dem Willen des Wissenschaftsministeriums sein Vertrag für eine dritte Intendanz aufgelöst werden. Damit würde Spuhler im Sommer kommenden Jahres und nicht erst 2026 das Haus verlassen, teilte das Ministerium mit.  mehr...

Der Neue, Ulrich Peters gilt als offen und freundlich und als ein Intendant, der auf seine Leute acht gibt. Man sollte ihm auf diesem schwierigen Posten auf jeden Fall eine faire Chance geben. Wie groß seine Bereitschaft sein wird, sich am Reformprozess zu beteiligen und ihn voranzubringen, bleibt abzuwarten.

Ulrich Peters ist in der Vergangenheit nicht gerade als großer Reformator aufgefallen, aber man kann sich ja ändern. Zumal am Ende der beruflichen Laufbahn, wenn man nicht mehr nach dem nächsten Engagement schielen muss.

Der Verwaltungsrat hat seine Versprechen nicht gehalten

Ihre große Chance schon ein Stück weit vertan, haben dagegen meiner Meinung nach die politisch Verantwortlichen im Verwaltungsrat. Wie schön klangen die Versprechen nach dem Spuhler-Debakel: Ja, wir werden mehr auf die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter hören, werden die Wünsche der Basis beachten.

Und wie kam jetzt die Entscheidung für den Interimsintendanten zustande? Der Verwaltungsrat hat aus seiner Mitte eine Findungskommission bestallt, die hat sich zwei externe Theaterleute als Berater geholt, und dann schwuppdiwupp gab es plötzlich für den Betriebsrat eine Einladung, bei -oha!- zwei Bewerbungsgesprächen dabei zu sein.

Vorschläge des Betriebsrats: abgelehnt!

Kurz zuvor hatte der Betriebsrat noch ein Konzept vorgelegt, wen man gerne aus den Reihen der Belegschaft bei Bewerbungsgesprächen dabei hätte – abgelehnt! Und einen Vorschlag unterbreitet, die Kandidatinnen und Kandidaten in einem längeren Auswahltest auf ihre Teamfähigkeit hin zu prüfen – abgelehnt!

Es war der erste Lackmustest, ob es die Verantwortlichen wirklich ernst meinen mit mehr Mitspracherechten. Das Ergebnis ist mehr als ernüchternd! Jetzt müssen alle Reformkräfte zusammenstehen und dafür sorgen, dass es bei der nächsten Entscheidung, nämlich der für das zukünftige Führungsmodell am Badischen Staatstheater, anders läuft. Die Chancen in Karlsruhe stehen eigentlich so gut: mehr Dampf im Kessel geht kaum – wieder einfach nur Deckel drauf, darf hier nicht funktionieren!

Bühne Vorsichtiger Optimismus - Badisches Staatstheater stellt neuen Spielplan vor

„Mit Vorsicht und Umsicht“ habe man geplant, betonte die künstlerische Betriebsdirektorin Uta-Christine Deppermann heute. Von September bis Februar seien lauter Produktionen geplant, die auch mit Abständen und kleinen Besetzungen funktionieren. Erst gegen Ende der neuen Saison, also im nächsten Frühjahr stehen dann wieder aufwendigere Stücke auf dem Spielplan. Neu ist, dass das Schauspielensemble entscheidet, welche Stücke auf der Studiobühne gespielt werden - ein Schritt hin zu mehr Mitbestimmung im Reformprozeß des Theaters.  mehr...

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