Tanz

Gala zum 70-jährigen Bühnenjubiläum: „Egon Madsen – Joker der Tanzwelt“

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Tobias Ignée

Als Solist war der Tänzer Egon Madsen neben Marcia Haydée, Brigit Keil und Richard Cragun einer der Stars der John Cranko-Ära und trug wesentlich zum Erfolg des „Stuttgarter Ballettwunders“ bei. Nach seiner internatioanlen Karriere arbeitet Madsen als Coach und Seniortänzer bei Tanzkompagnie „Gauthier Dance“ im Theaterhaus Stuttgart, wo am 27. September auch sein 70jähriges Bühnenjubiläum gefeiert wird – natürlich mit Madsen, auf der Bühne.

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Auf der Bühne steht ein hellwacher Tanzsenior

Die Zusammenarbeit mit den Tänzerinnen und Tänzern der Gauthier Dance-Company scheint für den hellwachen Tanzsenior mit seiner grauen Lockenpracht wie ein Jungbrunnen zu sein. Nicht umsonst reist er regelmäßig aus seiner Wahlheimat Italien nach Stuttgart ans Theaterhaus. Es ist für ihn nicht eine Reise in die Zeit, in der er mit dem Stuttgarter Ballett seine großen Erfolge gefeiert hat, sondern eine Reise in die Gegenwart.“

Egon Madsen als König Lear am Theaterhaus Stuttgart (Foto: Pressestelle, Foto: Regina Brocke)
Egon Madsen als König Lear am Theaterhaus Stuttgart Pressestelle Foto: Regina Brocke

„Die Zeiten waren anders, als ich angefangen habe beim Stuttgarter Ballett. Man muss mit der Zeit gehen, auch beim Ballett und beim Tanz. Man muss immer wieder bereit sein, sich zu öffnen, und die Zeiten zu verstehen.

Stationen in Frankfurt, Schweden, Italien und den Niederlanden

Wie gut er mit der Zeit gehen kann, das hat Egon Madsen in seiner 70-jährigen Karriere immer wieder aufs Neue bewiesen: Nachdem er mit knapp 40 Jahren alle Rollen getanzt hatte, verließ er Anfang der 80er das Stuttgarter Ballett, wurde Leiter des Frankfurter Balletts, es folgten Stationen in Schweden, Florenz, in den 90ern dann wieder Stuttgart als stellvertretender Ballettdirektor und Ballettmeister, dann ging er nach Leipzig und ans Nederlands Dance Theater.

Mit Egon Madsen tanzt Eric Gauthier zum 50. Bestehen des Stuttgarter Balletts im Stück "Dear John" (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa - Bernd Weißbrod)
Februar 2011, die ehemaligen Tänzer des Stuttgarter Balletts Egon Madsen (l) und Eric Gauthier (r) tanzen im Opernhaus in Stuttgart bei der Gala zum 50-jährigen Bestehen des Stuttgarter Balletts das Stück "Dear John" picture-alliance / dpa - Bernd Weißbrod

Seit 15 Jahren Coach bei Gauthier Dance

Seit 15 Jahren ist das Stuttgarter Tanzensemble Gauthier Dance die künstlerische Heimat des Ausnahmekünstlers. Mit „Don Q“, einer zeitgenössischen, ironischen Version der Don-Quichotte-Geschichte, ging das neugegründete Ensemble an den Start. Madsen als Sancho Pansa und Eric Gauthier als Ritter von nicht allzu trauriger Gestalt. – eine Win-Win-Konstellation bis heute.

„Ich war dreißig Jahre alt. Ich hab' die Chance bekommen, am Theaterhaus eine Compagnie zu gründen. Ich wusste wirklich nicht, ‚what the hell I’m doing‘. Und ‘he really held my hand!’ Ich brauche Egon „around“, weil, sein Spirit ist immer noch, was Gauthier Dance ganz am Anfang bedeutet hat.“

Egon Madsen und Eric Gauthier (Foto: picture-alliance / Reportdienste, dpa | Bernd Weissbrod)
Egon Madsen und Eric Gauthier bei Proben im Theaterhaus dpa | Bernd Weissbrod

Erfolgsgarant der jungen Truppe

Als Coach hat Egon Madsen über die Jahre wesentlich zum Erfolg der jungen Truppe beigetragen. Mit seiner Erfahrung als Charakterdarsteller und der Fähigkeit, Bewegung und Gefühl miteinander zu verbinden. Dies weiterzugeben, macht ihm Spaß und bedeutet ihm viel.

Gleichzeitig steht er aber immer noch gerne selbst auf der Bühne. Zuletzt in der Shakespeare-Adaption: „Egon King Madsen Lear“ von Mauro Bigonzetti, einem auch augenzwinkernden Blick auf das Älterwerden, mit dem der Seniortänzer Madsen nicht hadert.

„Ich glaube, das ist auch etwas, was der Körper innen drin sagt, was man kann und was man nicht kann. ... in älterer Körper in Bewegung ist auch was Spannendes, und kann auch was Schönes sein.“

Und so blickt der Ausnahmetänzer Egon Madsen zufrieden, demütig und in aller Bescheidenheit auf seine beispiellose, inzwischen 70jährige Karriere zurück. Wohlwissend, wem er das auch zu verdanken hat: dem legendären Choreografen John Cranko, dessen Grab er, wann immer es geht, in Stuttgart besucht.

SWR-Dokumentation „Egon Madsen – Joker der Tanzwelt“: Einblicke in die beispiellose Karriere des Ausnahmetänzers

Die große Gala im Theaterhaus Stuttgart am 27.9. ist bereits ausverkauft.

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Tobias Ignée