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Unterhaltsames Drama über den sozialen Aufstieg: „Einfache Leute“ am Staatstheater Mainz

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Wie fühlt es sich an, wenn sich eine Aufsteigerin von ihrem Herkunftsmilieu entfremdet? Mit diesem Thema hat sich die 35-jährige österreichische Theaterautorin Anna Gschnitzer in ihrem jüngsten Bühnenstück auseinandergesetzt. Das Drama „Einfache Leute“ und wurde im Auftrag des Staatstheaters Mainz geschrieben. Auf dem Heidelberger Stückemarkt hat der Text vorab den Publikumspreis gewonnen. Das Mainzer Staatstheater hat das Drama unterhaltsam und facettenreich inszeniert.

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„Einfache Leute“ am Staatstheater Mainz: Drei Platzanweiserinnen auf der Bühne stellen klar: Wer sich von unten nach oben hocharbeitet, der verlässt den ursprünglich vorgesehenen Platz. (Foto: Pressestelle, Andreas Etter)
„Einfache Leute“ am Staatstheater Mainz: Drei Platzanweiserinnen stehen zu Beginn auf der Bühne. V.l.: Iris Atzwanger, Simon Braunboeck, Denis Larisch. Pressestelle Andreas Etter

Zu Beginn der Inszenierung stehen drei Platzanweiserinnen auf der Bühne. Sie stellen klar: Jeder Mensch wird in ein bestimmtes Herkunftsmilieu hineingeboren. Wer sich von unten nach oben hocharbeitet, der verlässt den ursprünglich vorgesehenen Platz. 

Es ist das Gefühl der Hochstapelei, das die Protagonistin Alex ständig mit sich herumträgt. Als Tochter einer Haushälterin und eines Monteurs hat sie den sozialen Aufstieg geschafft. Sie ist Kuratorin in einem Museum für zeitgenössische Kunst. Dafür hat sie sich bewusst von ihrer Herkunft losgesagt: 

 „Irgendwann ist sie dir einfach verloren gegangen, die Zugehörigkeit. Das klingt als wäre sie dir einfach aus der Tasche gefallen. Um weiter zu kommen, um zu wachsen, um aufzusteigen, musst du Dinge zurücklassen, auch Menschen.“ 

Die Handlung von "Einfache Leute" birgt keine Überraschungen, in der Inszenierung von Alexander Nerlich beeindruckt vielmehr das Wie. Den Dramentext haben er und sein Team klug auf vier Schauspielerinnen und zwei Schauspieler verteilt, von denen einige in Doppelrollen besetzt sind - das gesamte Ensemble spielt körperbetont und äußerst dynamisch. 

„Einfache Leute“ am Staatstheater Mainz  (Foto: SWR, Hannegret Kullmann)
Schlussapplaus für eine gelungene Inszenierung (v.l.n.r. Gesa Geue, Iris Atzwanger, Carlotta Hein, Hannah von Peinen, Simon Braunboeck, Denis Larisch) Hannegret Kullmann

Zwei Versionen der Hauptfigur Alex

Die Hauptfigur Alex gibt es gleich in zwei Versionen: Als 40-Jährige und als 16-Jährige. Durch zahlreiche Rückblenden prallen Gegenwart und Vergangenheit ständig aufeinander. Der Kontrast zwischen heute und früher könnte kaum stärker sein.

Dabei springt der Text wie beim Ping-Pong zwischen den Figuren hin- und her. Immer wieder kommentieren sie das Spiel, zum Beispiel wenn ihre Mutter gegenüber der Chefin übertrieben unterwürfig zeigt.

Das Drama "Einfache Leute" zeigt die viele Facetten der Aufstiegs-Problematik auf spannende und unterhaltsame Weise. Bisweilen werden bei der Rollengestaltung aber zu viele Klischees reproduziert. Aber das Stück schaut über den Tellerrand hinaus. Denn nicht nur das Arbeiterkind Alex, auch die Kinder aus "besserem Hause" leiden hier unter den sozialen Schranken.

„Einfache Leute“ am Staatstheater Mainz
Weitere Aufführunegn bis zum 9. Juli 2021

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