Zum Tod von Dieter Thomas Heck Ein deutscher Unterhaltungskünstler

Interview mit Jochen Hörisch

Der Literaturwissenschaftler Jochen Hörisch würdigt den verstorbenen Fernsehmoderator Dieter Thomas Heck als selbstbewussten und beredten Verteidiger einer deutschen Unterhaltungskultur. Sein Eintreten für deutsche Schlager und deutsche Sprache sei anerkennenswert - auch ohne Fan von ihm gewesen zu sein.

Man musste die Hitparade von Dieter Thomas Heck kennen

Jochen Hörisch war kein Fan von Dieter Thomas Heck. Aber, so der emeritierte Literaturwissenschaftler der Universität Mannheim, wer im Milieu der Unterhaltungskultur habe wissen wollen, was angesagt ist, "der war verpflichtet, Dieter Thomas Heck zu schauen. Was ist bei der Hitparade ganz oben? Natürlich haben wir dann die Beatles und die Stones, gegen die er eine Art Abwehrfront aufgebaut hatte, umso hingebungsvoller gehört. Aber man musste die Hitparade als Alternative kennen."

Literatur-Professor Jochen Hörisch (Foto: picture-alliance / dpa, picture-alliance / dpa -)
picture-alliance / dpa -

Gradmesser für die Veränderung der Bundesrepublik in den 70ern

So sei Dieter Thomas Heck auch zu einem Gradmesser dafür geworden, wie sehr sich die Bundesrepublik verändert habe seit den 70er Jahren, meint Jochen Hörisch: "Er war nicht modern und wollte auch gar nicht modern wirken. Er hatte einen etwas öligen Charme, ein Goldkettchen, die langen Koteletten - ein Männertyp, der das, was man heute als politisch korrekt bezeichnen würde, nicht mitmachte. Er war auch politisch nicht zurückhaltend, sondern hat auf eine geradezu ostentative Weise seine CDU-Affinität herausgestellt."

"Wir können uns ohne schlechtes Gewissen amüsieren"

Als Moderator, so Jochen Hörisch, habe Dieter Thomas Heck eine Unterhaltungskultur geprägt, die von der Nachkriegszeit Abschied genommen habe: "Er war wirklich derjenige, der signalisieren konnte: Leute, jetzt wird gelebt. Die eigentliche Nachkriegszeit ist vorbei. Wir können uns ohne schlechtes Gewissen amüsieren, aber wenn wir uns amüsieren, dann wollen wir uns doch bitte sehr deutsch-konservativ amüsieren."

Eine deutsch-konservative Parallelaktion

"Ich habe ihn immer so wahrgenommen wie jemanden, der eine ästhetische Parallelaktion macht zum damals sehr einflussreichen, erzkonservativen ZDF-Magazin mit Gerhard Löwenthal", bilanziert Jochen Hörisch. "Das war die Gegenveranstaltung zu den linksliberalen ARD-Formaten Panorama und Monitor." Damit habe Dieter Thomas Heck ein Rollenangebot für konservativere Schichten geschaffen, die an einer deutsch geprägten Unterhaltungskultur hätten festhalten wollen.

STAND