Bühne

Die Uraufführung „Karl!“ am Theater Konstanz

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AUTOR/IN
Esther Leuffen

Zum Auftakt der neuen Spielzeit 2022/23 zeigt das Theater Konstanz die Uraufführung „Karl!“, eine Stückentwicklung von Susanne Frieling und Hannah Stollmayer. Das Thema des Stücks sind die gesunden Geschwister von Kindern und Jugendlichen mit Behinderung oder schwerer Erkrankung. Die so genannten Geschwisterkinder. Herausgekommen ist ein Stück, in dem es auch um das Leben mit einem Bruder mit Behinderung geht, aber genauso um universal-menschliche Themen wie Familienbeziehungen, Verantwortung, Wut, Eifersucht, Spaß und Liebe.

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90 Minuten Monolog

Auf der kleinen Bühne der Werkstatt steht Miguel. Schwarze Turnschuhe, schwarze Hose, schwarzes T-Shirt. Das Bühnenbild ist eine riesige Leinwand. Sie füllt die gesamte Rückseite der Bühne aus. Auf ihr ist ein Büro-Hochhaus mit verspiegelten Fenstern zu sehen.  

Miguel wird gespielt von Miguel Jachmann. Der Schauspieler hat seiner Rolle seinen Namen gegeben. Aber nicht nur das, sagt er lächelnd: „Die Regisseurin hat Interviews geführt mit Geschwisterkindern, aber auch mit mir selbst und daraus sind Teile eingewoben. Das mit dem Ohrring stimmt. Ich habe mir zwischen Silvester und Weihnachten einen Ohrring stechen lassen. Die Motivation dahinter ist noch etwas offener als ich es im Stück formuliere.“

Rund eineinhalb Stunden wird Miguel einen Monolog halten. Über sich und seinen Bruder Karl, der eine Behinderung hat. Der Text ist im Team entstanden – auf Grundlage gemeinsamer Recherchen mit Dramaturgin Hannah Stollmayer, sagt Regisseurin Susanne Frieling.

Das Stück kommt nicht pädagogisch daher

„Ich habe Interviews geführt mit Geschwisterkindern, es gibt ein ganz tolles Forum, das für erwachsene Geschwisterkinder gegründet worden ist, vor noch gar nicht allzu langer Zeit. Es gibt einen ganz tollen Podcast von Dunja Batarilo „Für immer anders“ Sie ist selber Geschwisterkind von einem Bruder mit Down-Syndrom, you tube videos, Dokumentationen, Bücher haben wir durchforstet, möglichst einfach breit aufstellen.“ so Frieling.

Was dabei herausgekommen ist, ist ein Theaterstück, das nicht pädagogisch daherkommt. Das ist Dramaturgin Hannah Stollmayer wichtig: „Ich denke der Abend wird vor allem sehr informativ sein, er wird unterhaltsam sein. Er wird auf alle Fälle berühren. Aber er wird nicht betroffen machen.“

Authentisch und universal-menschliche Themen im Fokus

Miguels Bruder Karl ist nur per Video auf der ursprünglichen Leinwand zu sehen. Dafür ist er dort den gesamten Abend sehr präsent. Gezeigt wird ein gemeinsamer Wander-Ausflug der Brüder in den Alpen – gedreht mit dem Schweizer Schauspieler mit Behinderung Andy Böni.

Auf der Bühne aber schildert allein der gesunde Bruder seine Sicht der Dinge. Regisseurin Susanne Frieling wird so den Geschwisterkindern „…eine Lobby geben und aufmerksam darauf machen, wie viel Geschwisterkinder eine Care-Arbeit leisten, an unsichtbarer Arbeit, die nicht gesehen wird, die politisch nicht unterstützt wird und die aber, finde ich, wenn man über eine inklusive Gesellschaft nachdenkt auch mitbeachten muss.“  

Das Stück „Karl!“ ist ein sehr authentisches Stück, in dem es zwar auch um das Leben mit einem Bruder mit Behinderung geht, aber genauso um universal-menschliche Themen wie Familienbeziehungen, Verantwortung, Wut Eifersucht, Spaß und Liebe. 

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