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Die Unterwelt von Orpheus – ein passender Bühnenstoff für Zeiten der Corona-Krise. Zumal wenn sie, wie am Theater Regensburg, ohne Publikum aufgeführt werden muss. Stattdessen haben 500 Zuschauer die Premiere von Claudia Monteverdis Oper im Streaming mitverfolgt. Und sahen eine wildbewegte Orpheus-Sause, angereichert mit Techno-Musik, die allerdings optisch und akustisch teilweise überfordert.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
12:33 Uhr
Sender
SWR2

Bühne Die Corona-Unterwelt: „M’Orpheo“ als Streaming-Oper in Regensburg

M'Orpheo an der Oper Regensburg (Foto: Oper Regensburg/Jochen Quast)
Eine Reise in die Unterwelt – ausgerechnet jetzt, in Corona-Zeiten, das könnte so mancher falsch verstehen. Und dann schreiten da auch noch ein paar merkwürdige Gestalten durch den Regensburger Abend, sammeln sich zu einer Prozession, als ob sie damit die Seuche vertreiben oder zumindest ein paar arglose Passanten verscheuchen wollten. Oper Regensburg/Jochen Quast Bild in Detailansicht öffnen
Polizisten sind dabei, falsche, wie sich erst später herausstellt – und mittelalterliche Ärzte, die sogar operieren können, allerdings nur an der Seele. Doch dazu später. Oper Regensburg/Jochen Quast Bild in Detailansicht öffnen
Mit ganz großem Aufwand präsentierte das Theater Regensburg einen dreistündigen Abend über den mythischen Sänger Orpheus, der in der Unterwelt nach seiner verstorbenen Frau Eurydike sucht, teils begleitet von der Renaissance-Musik von Claudio Monteverdi, teils mit Techno-Rhythmen unterlegt. Oper Regensburg/Jochen Quast Bild in Detailansicht öffnen
Es war eine Art Entladung, was da auf der Bühne stattfand. Erstens musste natürlich die ganze Energie heraus, die sich bei den Proben angesammelt hatte. Zweitens gibt es derzeit so viel Verunsicherung darüber, wie es mit den Theatern weitergeht, dass die Künstlerinnen und Künstler, besonders die Nicht-Festangestellten, enorme Kraft für die schwierige Restsaison schöpfen. Oper Regensburg/Jochen Quast Bild in Detailansicht öffnen
Das, was die beiden Regisseurinnen, Julia Lwowski und Franziska Kronfoth, aus dem altbekannten Orpheus-Mythos gemacht haben, war den Applaus der Theater-Mitarbeiter und anwesenden Journalisten auf jeden Fall wert. Oper Regensburg/Jochen Quast Bild in Detailansicht öffnen
Die beiden Macherinnen überfordern die Zuschauer optisch wie akustisch. Das ist kein herkömmlicher Opernabend, an dem Claudia Monteverdis herrlich schwermütige Musik von 1606 vorbeiplätschert, sondern ein wildbewegter Reigen aus teils bizarren Bildern und Klängen zum Thema Unterwelt. Oper Regensburg/Jochen Quast Bild in Detailansicht öffnen
Eurydike, die an einem Schlangenbiss stirbt, wird von geschickten Fachkräften nach längerem Wühlen in ihren Eingeweiden ihrer Seele beraubt, die sich als Granatapfel erweist. Pluto, der Herr der Hölle, ist als Albino-Hamster unterwegs, und Orpheus gleich dreifach präsent, als Mezzosopran, Countertenor und als Schauspieler. Oper Regensburg/Jochen Quast Bild in Detailansicht öffnen
Dirigent Tom Woods macht diese Orpheus-Sause fulminant mit, Thorbjörn Björnsson ist ein sagenhaft charismatischer Orpheus-Performer, Onur Abaci eine wunderbar pompöse Allegorie der Hoffnung. Gerade die wird ja gerade überall dringlich auf der Welt gebraucht. Oper Regensburg/Jochen Quast Bild in Detailansicht öffnen

„M’Orpheo“. Musiktheaterperformance in fünf Akten von Hauen und Stechen nach Motiven von Claudio Monteverdi an der Oper Regensburg.

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