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Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:40 Uhr
Sender
SWR2

In dem Thriller „Der Susan -Effekt“ des dänischen Bestseller-Autors Peter Høeg soll eine Physikerin herausfinden, wann genau die Welt zusammenbricht. Denn sie besitzt die Gabe, aus Menschen die Wahrheit heraus zu locken. Der Roman ist ein Appell an unsere Verantwortung für die Zukunft des Planeten. Der Bühnenfassung des Stücks, die jetzt am Badischen Staatstheater Karlsruhe zur Uraufführung kam, verzeiht man angesichts der realen Bedrohungen durch Klimakollaps und bröckelnder Demokratien den Pathos. Das liegt auch an einer glänzenden Ute Baggeröhr in der Titelrolle.

Der Susan-Effekt

Der Susan-Effekt am Staatstheater Karlsruhe (Foto: Felix Grünschloß)
Die Experimentalphysikerin Susan hat eine besondere Gabe, die sie den „Susan-Effekt“ nennt. Sie kann Menschen dazu bringen, ihr die Wahrheit anzuvertrauen. Bisher hat Susan ihre besondere Gabe sparsam eingesetzt, mal um ihrem Mann, dem Komponisten Laban ein paar Aufträge zu zuschanzen, mal um selbst an prestigeträchtige Forschungsprojekte zu kommen. Felix Grünschloß Bild in Detailansicht öffnen
Aber jetzt wird sie von der Regierung erpresst. Ihre Kinder und ihr Mann werden im Ausland festgehalten. Plötzlich taucht bei ihr ein Regierungsvertreter von der Zukunftskommission auf. Die Zukunftskommission aus herausragenden jungen Wissenschaftlern hat den globalen Kollaps bereits vorausgesagt. Das Protokoll dieser letzten Sitzung ist allerdings von der Schriftführerin nie an die Regierung ausgehändigt worden. Felix Grünschloß Bild in Detailansicht öffnen
Angesicht der globalen Krisen soll Susan nun ihre besondere Fähigkeit nutzen, um dieses wichtige Protokoll zu beschaffen. Währenddessen spitzt sich die Lage in der Welt weiter zu und Susan bekommt immer wieder alarmierende Anrufe. Dahinter scheinen ihre jungen Doppelgängerinnen zu stecken, die so etwas wie ihr Gewissen darstellen. Felix Grünschloß Bild in Detailansicht öffnen
Die Schauspielerin Ute Baggeröhr läuft an diesem Abend zur Hochform auf: sie spielt die Susan als Wissenschaftlerin und Mutter glänzend in all ihren Facetten: mal souverän und abgebrüht, mal wütend, mal liebevoll – und vor allem hilflos. Denn ihre Gabe nützt ihr im Kampf gegen den Weltuntergang nichts. Felix Grünschloß Bild in Detailansicht öffnen
Schnell wird klar, dass Susan nicht die einzige ist, die nach dem Protokoll sucht. Ein mörderischer Wettlauf beginnt. Leider wird aus dem Theaterabend dennoch kein packender Thriller, weil Szenen aus Susan's Privatleben die Handlung ständig ausbremsen: Eheprobleme, das bevorstehende Familien-Weihnachtsfest oder ihre Sehnsucht nach dem verschwundenen Vater. Felix Grünschloß Bild in Detailansicht öffnen
Vor allem dem rührseligen Schluss hätte etwas mehr Ironie gutgetan. Doch angesichts von Klimakollaps, enormen sozialen Ungleichheiten und bröckelnden Demokratien verzeiht man das Pathos. Und während alle nach dem Protokoll mit dem Datum des Weltuntergangs suchen, wird immer deutlicher, der globale Kollaps hat längst begonnen. Felix Grünschloß Bild in Detailansicht öffnen

"Der Susan-Effekt" nach dem gleichnamigen Roman von Peter Høeg läuft noch bis zum 25. Juli am Badischen Staatstheater Karlsruhe.

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