Daniel Fish inszeniert „Weißes Rauschen“ von Don DeLillo Weißes Wortrauschen in Freiburg

Von Eva Marburg

Daniel Fish bringt am Theater Freiburg „Weißes Rauschen“ auf die Bühne, den Erfolgsroman von US-Autor Don DeLillo von 1985 über eine vom Konsumwahn besessene Gesellschaft. In der Inszenierung werden daraus anstrengende Wortkaskaden, die eher einlullen, als aufhorchen zu lassen.

"Weißes Rauschen" am Theater Freiburg Die Stimme aus dem schwarzen Loch

Weisses Rauschen am Theater Freiburg (Foto: Pressestelle, Theater Freiburg - Foto: Marc Doradzillo /2018)
Eine riesige weiße Leinwand ist vorn an der Bühne aufgespannt, in deren Mitte ein schwarzes Loch klafft. In dem Loch, das nach hinten in einen Tunnel mündet, sitzt der amerikanische Schauspieler Bruce McKenzie, angezogen wie ein Staubsaugervertreter aus der 80er Jahren, und spricht 90 Minuten lang Worte, Satzfetzen, Verben, Nomen, Adjektive erschöpft, doch unaufhaltsam in ein Mikro. Pressestelle Theater Freiburg - Foto: Marc Doradzillo /2018 Bild in Detailansicht öffnen
Das ist die kondensierte Textfassung von Daniel Fish: Er unternimmt den Versuch, das sprachliche Rohmaterial des Romans frei zu legen. Pressestelle Theater Freiburg - Foto: Marc Doradzillo / 2018 Bild in Detailansicht öffnen
Was hat der amerikanische Regisseur Daniel Fish da nur angerichtet, dass man meint, vor seiner Inszenierung des gleichnamigen Don DeLilllo Romans warnen zu müssen?Intendant Peter Carp hielt es vor der Premiere von „Weißes Rauschen“ am Theater Freiburg jedenfalls für nötig, um Verständnis für die Inszenierung zu bitten. Nervös fordert er das Publikum auf, es möge sich auf das Experiment, auf diese ungewöhnliche theatrale Installation, einlassen. Woraufhin einige im Saal erstmal entnervt mit den Augen rollen. Pressestelle Theater Freiburg - Foto: Marc Doradzillo // 2018 Bild in Detailansicht öffnen
Was hier zurückbleibt, ist das reine Vokabular, eine Art gesprochene Inventurliste der eigenen bruchstückhaften Existenz, der Welt in der wir leben. Unaufhörlich, unnachgiebig spricht es aus dem schwarzen Loch – und in dem Wortstrom treten die Themen unserer Kultur scharf hervor: Gewalt, Krankheit, Tod, Sex, Konsum, Betäubung, Paranoia, Fitness. Pressestelle Theater Freiburg - Foto: Marc Doradzillo / 2018 Bild in Detailansicht öffnen
Dazu sieht man auf der Leinwand Videobilder von Freiburger Kindern, die ihre Namen in die Kamera sagen, sich also preisgeben in einer hoffnungslosen Welt, in der die nebeneinander gestellten Erfahrungen keinen Sinn, keine Erzählung mehr bilden. Eine visuelle Gegenüberstellung, die ihre Wirkung nicht verfehlt. Pressestelle Theater Freiburg - Foto: Marc Doradzillo // 2018 Bild in Detailansicht öffnen
Andere Videoeinspieler, in denen sich Elvis und Hitler gegenüberstehen, sind zwar motivisch dem Roman entnommen, bleiben auf der Bühne aber pure Effekthascherei. Pressestelle Theater Freiburg - Foto: Marc Doradzillo / 2018 Bild in Detailansicht öffnen
„Weißes Rauschen“ ist eine interessante Versuchsanordnung, bei der sich trotzdem ein wirkliches Kunsterlebnis nicht so recht einstellen will. Das liegt auch an der unfassbaren Monotonie der Wortkaskaden, die eher einlullen, als aufhorchen zu lassen. Der Abend bleibt ein geschlossenes abstraktes Konzept und vermag freie Assoziationsräume zu dem Gehörten nicht zu entfalten. Pressestelle Theater Freiburg - Foto: Marc Doradzillo // 2018 Bild in Detailansicht öffnen
So bleibt man als Zuschauer nur das, was der Text eigentlich kritisieren will: ein betäubter Konsument, der sich berieseln lässt. Pressestelle Theater Freiburg - Foto: Marc Doradzillo / 2018 Bild in Detailansicht öffnen
In diesem Zusammenhang ist der Auftritt von Intendant Peter Carp besonders bedenklich: Theaterzuschauer sind nunmal keine Kunden, die bei Unzufriedenheit ihr Geld zurück bekommen. Doch dass sich das Theater so nicht begreift, und sich zu einer solche Kaffeefahrtsansage herablässt, ist vielleicht die eigentliche Botschaft über den Zustand unserer Gesellschaft. Pressestelle Theater Freiburg - Foto: Marc Doradzillo / 2018 Bild in Detailansicht öffnen
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