Tanz

Dancing Pina: Das filmische Vermächtnis der Choreografin Pina Bausch

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AUTOR/IN
Natali Kurth

Zehn Jahre nach dem Tod der Tänzerin und Choreografin Pina Bausch hat der Düsseldorfer Regisseur Florian Heinzen-Ziob zwei Ensembles beim Einstudieren ihrer Choreografien beobachtet: das Ballett der Semperoper Dresden und die Tänzer*innen der École de Sables in einem senegalesischen Fischerdorf nahe Dakar. Ein gelungener Dokumentarfilm.

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Eine neue Generation Tänzer*innen setzt sich mit Pina Bausch auseinander

„Ich liebe das Stück so sehr und ich will, dass es weiterlebt,“ sagt Clémentine Deluy, Solistin am Semperoper Ballett Dresden. Sie ist eine der Interpretinnen von „Iphigenie“ in Pina Bauschs gleichnamiger Choreografie. „Ich will ein gutes Werkzeug sein“, so die Tänzerin, „weil es zu kostbar ist, um nicht gesehen zu werden.“

Tänzer*innen des Balletts der Semperoper Dresden proben an Pina Bauschs „Iphigenie“. (Foto: mindjazz pictures)
Knapp ein halbes Jahrhundert ist Pina Bauschs „Iphigenie“ alt. Jetzt interpretiert es eine neue Tänzer*innengeneration. mindjazz pictures

Doch eine Kopie von Pinas „Iphigenie“ ist nicht das Ziel. Die Tänzerinnen und Tänzer müssen ihren eigenen Weg zu dem emotionalen Stoff finden und auch die Antwort auf die Frage: Was ist Iphigenie in dir selbst?

„Für mich ist das Werk von Pina Bausch, als würde ich ein neues Vokabular lernen. Ihre Bewegungen. Ich brauche mehr Zeit, um die Informationen zu verarbeiten. Es ist, als würde ich alles neu lernen. Als würde ich zum ersten Mal tanzen. Als würde ich laufen lernen.“

Im Senegal laufen am Strand die Proben für „Das Frühlingsopfer“

Während in Dresden „Iphigenie“ zur Musik von Christoph Willibald Gluck einstudiert wird, nähern sich auf einem anderen Kontinent im Senegal Tänzerinnen und Tänzer der École des Sables dem wohl elementarsten Werk von Pina Bausch an, dem „Frühlingsopfer“. 

Tänzer*innen der der École des Sables studieren Pina Bauschs Choreografie „Das Frühlingsopfer“ ein. (Foto: mindjazz pictures)
Am Strand, vor rauschenden Wellen und im Wind, tanzen Mitglieder der École des Sables, die auf traditionelle afrikanische Tänze spezialisiert sind, das Vermächtnis von Pina Bausch. mindjazz pictures

In einem Fischerdorf in der Nähe von Dakar fängt Regisseur Florian Heinzen-Ziob mit der Kamera die elementare Wucht ein, die von Strawinskys Musik ausgeht und sich in den Körpern der jungen afrikanischen Tänzerinnen und Tänzer fortsetzt.

Manche zweifeln, doch Jorge Puerta Armenta beruhigt die Truppe und feuert sie an. Auch er hat das „Frühlingsopfer“ früher selbst getanzt, ohne klassische Ausbildung. „Wir lernen fallen“, so der kolumbianische Tänzer. „Klassische Tänzer fallen nicht, wir fallen...das dauert. (...) Pinas Stil hat sehr viel damit zu tun, wo wir hin wollen.“

Tänzerinnen und Tänzer des Balletts der Semperoper Dresden tanzen Pina Bauschs „Iphigenie“ (Foto: Mindjazz Pictures)
Nicht die Perfektion von klassischer Technik oder zeitgenössischer Tanzsprache lag Pina Bausch am Herzen, sondern das, was jeder einzelne Tänzer in seiner Rolle fühlt und wie authentisch er sie ausdrückt.  Mindjazz Pictures

Pina Bausch zwischen Dresden und Dakar

Sei es als Frühlingsopfer im Senegal oder als Iphigenie in Dresden. Die zweieinhalbstündige Tanzdoku ist eine faszinierende Spurensuche über das Vermächtnis von Pina Bausch. Sie macht klar, dass eine heutige Interpretation das Werk der großen Künstlerin nur dann am Leben erhalten kann, wenn sie auch Veränderungen zulässt. 

Bei allen Unterschieden wird klar: Pina ging es um den Menschen, um das Wesen jedes Einzelnen. Regisseur Florian Heinzen-Ziob nähert sich dem Erbe von Pina Bausch ebenso unerfahren, wie es die Tänzerinnen und Tänzer der Semperoper oder der École des Sables im Senegal tun. Unverfälscht lässt er den Zuschauer miterleben, was das besondere an den Werken von Pina Bausch und ihr selbst war.

Der Trailer zum Film:

Bühne Pina Bausch forever – Das Tanztheater Wuppertal geht online

„Tanzt, tanzt, sonst seid ihr verloren“ – Dieses Zitat der weltberühmten Tänzerin und Choreografin Pina Bausch ist legendär. Als Pina Bausch, die Miterfinderin des deutschen Tanztheaters, 2009 starb, stand die Tanzwelt unter Schock. Denn wer einmal ein Stück von ihr gesehen hat, wird es nie mehr vergessen. Tänzer*innen in einem Meer von Nelken, im Wasser oder wie im Sacre du Printemps in Erde. Das Pina Bausch Archiv hält solche Erinnerungen zum Tanztheater Wuppertal fest, das immer noch weltweit auf Tournee ist.  mehr...

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