Kabarett Simon Stäblein gewinnt den Goldenen Stuttgarter Besen 2019

Von Karin Gramling

Der Comedian Simon Stäblein hat den Goldenen Besen 2019 gewonnen. In der Endrunde um den „Stuttgarter Besen“ gewann Stefanie Kerker die Auszeichnung in Silber, den Hölzernen Besen erhielt Torsten Schlosser. Osan Yaran wurde mit dem Preis des Publikums ausgezeichnet. Rund 100 Künstlerinnen und Künstler hatten sich in diesem Jahr um den Preis beworben, der bundesweit zu einem der renommiertesten Auszeichnungen gehört und „Kabarett oder Comedy mit Haltung“ prämiert.

Simon Stäblein ätzt über die Smartphone-Gesellschaft

Der Comedian Simon Stäblein ätzt gern über die smartphone-verseuchte Gesellschaft. Für ein gemeinsames Selfie verfolgen ihn seine jugendlichen Fans im Schwimmbad sogar bis unter die Dusche, sagt der 31-jährige.

Ein Blick in die Freundebücher der Kids erklärt alles, so ein Gag von Stäblein: „Da stand auf einer Seite: Helmut, 13. Hobbies: Instagram, Youporn, Ballerspiele. Mein Opa nimmt das in die Hand, liest das und sagt: 'Pfff, ich hab damals noch auf echte Menschen geschossen.' Dann hab ich zu ihm gesagt, Opa, das ist doch nicht der springende Punkt. Mit dreizehn heißt man doch nicht Helmut.“

Kritik an der Generation Y

Mit seinen zielsicheren, aber immer überraschenden Pointen gewinnt Simon Stäblein verdient den Goldenen Besen. Grandios, wie der auch die Generation Y, seine eigene verwöhnte Altersgruppe, auf die Schippe nimmt, die trotz allem Wohlstand oft unzufrieden ist.

Mittlerweile befinde man sich dank sozialer Netzwerke in einem weltweiten Vergleich, erklärt der Comedian: „Leute, die jetzt auf die Welt kommen, werden in dieses riesige Vergleichsbecken reingeworfen. Das ist schon viel Zündstoff für Unzufriedenheit, wenn man sich nicht auf das Wesentliche besinnt.“

Silberner Besen an Stefanie Kerker

Der Silberne Besen geht an Stefanie Kerker aus Karlsruhe. Auch sie verbindet ihre eigenen persönlichen Erfahrungen mit Gesellschaftskritik. Da werden die Kinder schon mit vier Jahren auf Global Player getrimmt. Familienplanung verschiebt man gleich aufs hohe Alter.

Eizellen einfrieren? Das ist wie Bofrost „Junges Gemüse“

Mit 30, so Kerker ironisch, ist die Frau am produktivsten und sollte vor allem die Wirtschaft voranbringen: „Kinder kann man heutzutage kriegen, wenn man oll und schrumpelig ist und auf dem Arbeitsmarkt zu nichts mehr zu gebrauchen. Und jetzt sagen sie bitte nicht, dann geht das doch nicht mehr, sicher geht das dann noch. Es gibt doch jetzt dieses Angebot von Bofrost. Das ist super. Die kommen vorbei, gibst denen paar Eizellen mit, die schockfrosten die auf -196 Grad. Und bringen sie in 30 Jahren zurück, ist ganz neu. Bofrost 'Junges Gemüse' heißt das.“

Hölzerner Besen an Torsten Schlosser

Gerne bewusst kratzbürstig gibt sich Torsten Schlosser. Wenn er auf die Bühne kommt, schaut er böse. Etwas aggressiv geht er die Leute an. Der Wahlkölner kennt wenig Tabus. Dafür bekommt er den Hölzernen Besen.

Er lebe in der Hauptstadt der Schwulen und Lesben, sagt er. Und er nimmt alles aufs Korn – von der Homo-Ehe bis zum Christopher Street Day: „Bei uns in Köln laufen Männer als Pferde verkleidet rum. In Lack und Leder mit Scheuklappen werden die vor die Wagen gespannt. Also, das ist doch Tierquälerei.“

Preis des Publikums für den „Ostmanen“ Osan Yaran

Mit Klischees spielt auch Osan Yaran. Ostmane nennt er sich selbst, weil er im Osten Berlins lebt und türkische Wurzeln hat. Sein aufregendes Leben im Multi-Kulti-Kiez bringt er mit scharfen Pointen auf die Bühne.

Dafür erhält der den Preis des Publikums - das er gekonnt mit eigenen Vorurteilen konfrontiert. Wenn zum Beispiel vor Osan Yarans Tür plötzlich „Die Zeugen Jehovas“ missionieren wollen: „Ein dicker Deutscher mit Vollbart und eine dünne asiatische Frau. Mein erster, intuitiver Gedanke: Nanu, Sextouristen in Berlin?“

Schon mal an das Paradies gedacht? Muslime mit Image-Problemen

Osan Yaran: „Dann hab ich die Tür aufgemacht, da sagt der Typ: 'Guten Tag, möchten Sie Gott kennenlernen?' Und die Frau: 'Schon Mal an das Paradies gedacht?' Und ich fand das so megageil, was sie machen, denn wir Muslime können das nicht. Nein. Wir haben ein Imageproblem. Stellt Euch mal zwei Muslime bei euch vor der Haustür vor. Ein Mann mit Vollbart, eine Frau mit Burka. 'Guten Tag, möchten Sie Gott kennenlernen. Schon Mal an das Paradies gedacht?'“

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