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"The Black Forest Chainsaw Opera" in Freiburg Freiburger Kettensägenmassaker

Am 2.5.2018 von Florian Rappaport

In einer entlegenen Hütte im Schwarzwald stößt ein Filmteam auf eine uralte Welt unbeschreiblichen Grauens. So beschreibt das Theater Freiburg, was Zuschauer bei der „Black Forest Chainsaw Opera”, der Schwarzwald-Kettensäge-Oper, erwartet. Der belgische Regisseur Stef Lernous und seine Theatergruppe „Abattoir Fermé” genießen in Flandern und den Niederlanden wegen ihrer verstörenden Arbeiten Kult-Status. In Freiburg spielen sie mit Schauspielern und Sängern des Freiburger Theaters.

Horror in der Schwarzwaldhütte

Die Bühne ist eine Schwarzwaldhütte: Wände aus Holz, Hirschgeweih, Jagdgewehr und Kuckucksuhr. Die Schauspieler treten in Bademänteln auf, oder nur mit einem Handtuch um die Hüfte. Die Handlung: eine Romanze zwischen einer badischen Weinkönigin und ihrem Geliebten, die sich bald in einen Albtraum verwandelt.

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"The Black Forest Chainsaw Opera" im Theater Freiburg

Freiburger Kettensägenmassaker

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Rot sei seine Lieblingsfarbe, meint der belgische Regisseur Stef Lernous. Das ist in seiner Inszenierung der Kettensägenoper schon bald unübersehbar. Janna Horstmann als hinzumetzelnde Schöne, außerdem Inga Schäfer, Lukas Hupfeld, im Hintergrund Kirsten Peters, Holger Kunkel und Tine Van den Wyngaert.

Rot sei seine Lieblingsfarbe, meint der belgische Regisseur Stef Lernous. Das ist in seiner Inszenierung der Kettensägenoper schon bald unübersehbar. Janna Horstmann als hinzumetzelnde Schöne, außerdem Inga Schäfer, Lukas Hupfeld, im Hintergrund Kirsten Peters, Holger Kunkel und Tine Van den Wyngaert.

Hirschgeweih und das maskenhafte Schwarzwaldmädel (Inga Schäfer) ändern wenig daran, dass vom Menschen in der barbarischen Kettensägen-Anordnung von Stef Lernous ziemlich wenig übrigbleibt. Kirsten Pieters und Lukas Hupfeld als reduzierte Körperwesen.

Im Ambiente der doofen Gesellschaft der Konsumschafe, die das Schwarzwälder Kettensägenmassaker mitmachen, opfert das Paar (Inga Schäfer und Lukas Hupfeld) schließlich alles: seine Identität, seine Gefühle, das eigene Leben.

Ein gruseliger Verfremdungseffekt von Stef Lernous: mit den bluttrünstigen Szenen der Kettensägenoper bebildert er letztlich eine zynische Konsumgesellschaft. Szene mit Inga Schäfer, Lukas Hupfeld, Janna Horstmann, Chiel Van Berkel, Holger Kunkel und Tine Van den Wyngaert.

Ohnehin, dass im Schwarzwaldszenario der "Black Forest Chainsaw Opera" so etwas wie eine Romanze stattfinden könnte, lässt sich von Beginn an nicht wirklich glauben. Szenenbild mit Lukas Hupfeld, Holger Kunkel, Inga Schäfer und Janna Horstmann.

Der Alptraum nimmt relativ schnell Gestalt an. Durch das Schwarzwald-Idyll rauscht schon sehr bald die Kettensäge. Im Bild Holger Kunkel, Janna Horstmann, Chiel Van Berkel, Kirsten Pieters und Roberto Gionfriddo.

Touristen, früh am Morgen, die sich Kaffee einschenken. Nur, irgendetwas stimmt nicht. Beim Trinken läuft der Kaffee ihnen aus dem Mund. Regisseur Stef Lernous inszeniert sie als blutrünstige Zombies.

"Ich benutze kein Blut, ich nutze Rot"

Stef Lernous, 45 Jahre alt, voller Bart, kräftig gebaut, ist ein großer Freund von Kunstblut: „Ich glaube, es war Godard, der gesagt hat: ,Ich benutze kein Blut, ich nutze Rot - weil die Farbe so viele Bedeutungen hat. Rot halt.”

Rot steht für die Liebe, für Spannung, für Gewalt – und für Blut. Das Rot auf der Bühne erzeugt sinnliche, starke Bilder. Lernous hat genaue Vorstellungen, wie die Schauspieler das Blut in ihren Gesichtern verteilen sollen, das Publikum anschauen, und sich dann noch mehr Kunstblut ins Gesicht schmieren.

Szene aus The Black Forest Chainsaw in Freiburg.

Hirschgeweih und das maskenhafte Schwarzwaldmädel (Inga Schäfer) ändern wenig daran, dass vom Menschen in der barbarischen Kettensägen-Anordnung von Stef Lernous ziemlich wenig übrigbleibt. Kirsten Pieters und Lukas Hupfeld als reduzierte Körperwesen.

Die Schauspieler kommen aus dem Ensemble des Theater Freiburg und aus Lernous‘ eigener Theatergruppe „Abattoir Fermé”, französisch für „Geschlossenes Schlachthaus“. Dazu Stef Lernous: „Ich habe den Namen einfach genommen, weil er gut klang, französisch.”

Horror und Musical, weil sie Fantasie verlangen

Lernous lässt sich inspirieren von Sagen und Märchen aus dem Schwarzwald, von deutschen Kunst- und Volksliedern -und von billigen Horror-Splatter-Movies mit Kettensägen. Lernous: „Natürlich mag ich Horrorfilme sehr...”

Auch Musicals schätzt Lernous sehr. „Weil sie die Vorstellungskraft ein bisschen dehnen. Manche Dinge, die in Horrorfilmen geschehen, erfordern eine Menge Fantasie - um sie zu glauben. Und dasselbe gilt für Leute, die plötzlich anfangen zu singen. Wenn man es für möglich hält, dass sie so etwas tun - dann kann wirklich viel passieren.”

The Black Forest Chainsaw Opera, Szenenbild mit Lukas Hupfeld, Holger Kunkel, Inga Schäfer und Janna Horstmann

The Black Forest Chainsaw Opera, Szenenbild mit Lukas Hupfeld, Holger Kunkel, Inga Schäfer und Janna Horstmann

Es soll aber doch lustig sein...

Es gehe aber nicht nur um Horror, so Lernous: „Es steckt auch Humor in dem Stoff.” Humor, zum Beispiel, wenn eine Frau auf der Bühne ihren Freund mit dem Jagdgewehr bedroht – und der anfängt ganz überschwänglich zu lachen.

Humor möge er, meint Stef Lernous. So ähnlich wie das Licht. Und es gibt keine Dunkelheit ohne das Licht.”


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