"Die Weber" von Gerhart Hauptmann am Schauspiel Stuttgart Eine Inszenierung der starken Bilder

"Die Weber" von Gerhart Hauptmann am Schauspiel Stuttgart Eine Inszenierung der starken Bilder

Die Weber von Gerhart Hauptmann (Foto: Pressestelle, Staatstheater Stuttgart - Thomas Aurin)
Gleich zu Beginn riecht es nach Revolte. Die Weber schieben das Wohnzimmer des Fabrikanten Dreißiger nach vorne. Es hängt an vier Stahlseilen, genau über ihren Köpfen. Oben steht Dreißiger, ein Zyniker im Goldenen Anzug, und lamentiert darüber, wie schwer es die Unternehmer haben. Als Antwort hämmern die unten mit den Fäusten gegen den Boden, auf dem Dreißiger steht.Auf dem Bild (oben): Christiane Roßbach und Thomas Sarbacher (Frau und Herr Dreißiger), Sven Prietz als Pastor Kittelhaus und Giovanni Funiati als Pfeifer. Pressestelle Staatstheater Stuttgart - Thomas Aurin
Die Inszenierung des österreichischen Regisseurs Georg Schmiedleitner lebt vor allem von solchen beeindruckenden Bildern. Wenn auf der ansonsten dunklen Bühne mit einer ganzen Scheinwerfer-Batterie von hinten beleuchtet die Weber nach vorne laufen. Dann wirken sie bedrohlich, diese heruntergekommenen, zittrigen hungernden Gestalten in zerlumpten Kleidern. Männer und Frauen am Ende ihrer Kraft, Gesichter wächsern und teils verschmiert mit Ruß.Auf dem Bild: Reinhard Mahlberg als der alte Hilse, Christiane Roßbach als Frau Hilse und Hele Schwarz als Mielchen. Pressestelle Staatstheater Stuttgart - Foto: Thomas Aurin
Sie weben längst nicht mehr, sie produzieren Jeans, die sie permanent falten und umschichten. Ein ganzer Berg davon liegt auf der Bühne. Ein regelrechter Wall aus den Hosen vorne am Bühnenrand, wo die Weber ihr Leid klagen.Auf dem Bild: Reinhard Mahlberg als der alte Baumert, Christiane Roßbach als Mutter Baumert, Anna-Marie Lux als Emilie und Lelena Kunz als Frau Heinrich. Pressestelle Staatstheater Stuttgart - Foto: Thomas Aurin
Was Schmiedleitner in Stuttgart abliefert, ist letztlich ein Destillat von Hauptmanns Webern: Die da oben profitieren davon, dass die unten ausgebeutet werden. Soll sagen: Die Grundproblematik des Kapitalismus ist bis heute nicht gelöst.Auf dem Bild: Thomas Sarbacher als Dreißiger, Ensemble und Jannik Mühlenweg als Gottlieb. Pressestelle Staatstheater Stuttgart - Foto: Thomas Aurin
Egal ob es sich um Billigarbeitskräfte in der dritten Welt handelt, die unter erbärmlichsten Umständen Kleidung nähen oder um Dienstleistungssklaven in Deutschland, die von einem Job allein nicht mehr leben können - in einer Welt, in der globale Unternehmen immer mehr das Sagen haben. Solche Assoziationen weckt die Inszenierung beim Zuschauer.Auf dem Bild: Giovanni Funiati als Pfeifer, Sven Prietz als Reisender und Anne-Marie Lux als Emilie. Pressestelle Staatstheater Stuttgart - Foto: Thomas Aurin
Auf der Bühne kommt es schließlich zum Aufstand der Geknechteten. Angeführt vom Webersohn Moritz Jäger (Peer Oscar Musinowski, vorne), der nach seiner Armeezeit nach Hause kommt und feststellt, dass sich nichts geändert hat.Außerdem auf dem Bild: Reinhard Mahlberg als der alte Baumert, Christiane Roßbach als Mutter Baumert, Michael Stiller als der alte Ansorge und Anna-Marie Lux als Emilie. Pressestelle Staatstheater Stuttgart - Foto: Thomas Aurin
Sinnbildlich fangen die Weber an, das über ihnen schwebende Wohnzimmer gewaltig hin- und herzuschaukeln. Der Fabrikant Dreißiger will es gar nicht glauben, sich nicht beirren lassen. Er kommt auch gar nicht auf die Idee, dass er die Situation mit herbeigeführt hat.Auf dem Bild: Das Ensemble mit Thomas Sarbacher (Dreißiger) Pressestelle Staatstheater Stuttgart - Foto: Thomas Aurin
Diese reduzierte, zeitlose Fassung zeigt, wie aktuell Hauptmanns „Die Weber“ noch ist. Schauspielerisch insgesamt überzeugend. Auch der Laienchor macht hier Sinn. In den Köpfen der Zuschauer werden aber vor allem die großartigen Bilder dieser Inszenierung noch lange nachwirken. Pressestelle Staatstheater Stuttgart - Foto: Thomas Aurin
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