Theater Bilder zu "Tabu" von Ferdinand von Schirach in Stuttgart

Theater Bilder zu "Tabu" von Ferdinand von Schirach in Stuttgart

TABU - Uraufführung nach dem Roman von Ferdinand von Schirach (Foto: Pressestelle, Schauspielbühnen Stuttgart - Foto: Tobias Metz)
Es geht um viel in „Tabu“, vielleicht auch um zu viel. Denn Ferdinand von Schirach verhandelt darin fundamentale Fragen: Was ist Recht und was ist Moral? Darf der Staat foltern, um das Leben der Opfer zu retten? Was ist Wahrheit und wie unterscheidet sie sich von der Wirklichkeit? Was ist Schuld und welche Rolle spielt die Kunst? Der Theaterabend verfolgt alle diese Fragen. Leider zu oberflächlich und zu verworren. Aber fangen wir von vorne an. Pressestelle Schauspielbühnen Stuttgart - Foto: Tobias Metz
Da ist Sebastian von Eschburg (Philip Wilhelmi, 2.v.r.), ein hochsensibler angesehener junger Künstler, ein Fotograf, der in die Depression abgerutscht ist. Seine Kindheit war schwer, abgeschoben ins Internat, der Vater hat sich den Kopf mit einem Jagdgewehr weggeschossen. Auch in seiner Kunst sieht er keine Rettung mehr für sich, in einem Streit mit seiner Freundin Sofia (Barbara Lanz, links) wird das klar. Pressestelle Schauspielbühnen Stuttgart - Foto: Tobias Metz
Um den Unterschied zwischen Wahrheit und scheinbarer Wirklichkeit herauszufiltern, täuscht von Eschburg (Philip Wilhelmi, rechts) einen Mord an einer jungen Frau vor. Sein Verteidiger Biegler erkennt das schnell, übernimmt den Fall aber trotzdem. Ein Kommissar hat dem Künstler durch Androhung von Folter ein Geständnis abgepresst. Die Geschichte geht hier zurück auf den realen Fall des Kindesentführers Magnus Gäfgen, dem bei einem Verhör ebenfalls Folter angedroht wurde, um eine Aussage zu erzwingen. Im Stück „Tabu“ befragt Verteidiger Biegler (Kai Maetens, links) den Kommissar, der vom Angeklagten von Eschburg ein Mordgeständnis erpresst hat, obwohl es gar keinen Mord gab. Pressestelle Schauspielbühnen Stuttgart - Foto: Tobias Metz
Es hätte sich gelohnt, die Frage nach den Grenzen des Rechtsstaates im Umgang mit solchen Verbrechen weiter zu vertiefen. Aber das Stück streift dieses Thema nur und verliert sich dann wieder in Rückblenden. Sie zeigen von Eschburgs verzweifelte Suche als Künstler nach Wahrheit. So konstruiert er aus mehreren übereinandergelegten Gesichtern das Bild der Frau, die er angeblich ermordet haben will. Das reißt gleich die nächste Frage auf: Welche Macht haben Bilder, und wie leicht lassen sie sich manipulieren? Pressestelle Schauspielbühnen Stuttgart - Foto: Tobias Metz
Das alles kann kaum darüber hinwegtäuschen, wie konstruiert letztlich das ganze Stück mit all seinen ineinander verschachtelten Handlungen und zu großen Fragen ist. Am Schluss erweist sich der Künstler natürlich als unschuldig. Die Tat war eine Kunstaktion, eine Performance, die einen Mord vortäuscht. Auf der Bühne gibt es ein Happy End. Im wirklichen Leben wäre daraus eine satte Anklage geworden, wegen Vortäuschung einer Straftat. So erlebt der Zuschauer einen mitunter launig gespielten Abend, der aber kaum berührt und hinter den eigenen Ansprüchen weit zurückbleibt. Pressestelle Schauspielbühnen Stuttgart - Foto: Tobias Metz
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