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Ballett Witz und Verve: Tanzabend „Evolution“ am Nationaltheater Mannheim

Von Natali Kurth

„Evolution“ heißt der neue zweitteilige Tanzabend am Nationaltheater Mannheim mit Werken von Ballettdirektor Stephan Thoss und der portugiesischen Tänzerin und Choreografin Liliana Barros. Während ihr neues Werk „Gaia“ einige Längen zeigt, ist die Parodie „Bellulus“ von Stephan Thoss ein Stück voller Witz und Verve.

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Ballett

„Evolution“ von Liliana Barros und Stephan Toss in Mannheim

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„Gaia“ ist in der griechischen Mythologie die Göttin der Erde und in Mannheim ein verheißungsvoller Titel für das rund 45-minütige choreografische Werk von Liliana Barros.
Barros baut sich schon länger eine Zweitkarriere als Choreografin auf und widmet sich mit „Gaia“ der Entstehung eines neuen Wesens. Evolution als Thema im Tanz ist allerdings keine neue Idee.

„Gaia“ ist in der griechischen Mythologie die Göttin der Erde und in Mannheim ein verheißungsvoller Titel für das rund 45-minütige choreografische Werk von Liliana Barros.
Barros baut sich schon länger eine Zweitkarriere als Choreografin auf und widmet sich mit „Gaia“ der Entstehung eines neuen Wesens. Evolution als Thema im Tanz ist allerdings keine neue Idee.

Die Niederländerin Nanine Linning ließ bereits Fantasiewesen aus glibbriger Masse schlüpfen und bei der Forsythe Company unter Jacopo Godani entstand die Menschheit in einer rasend schnellen Choreografie mit außergewöhnlichem Lichtdesign. Am Nationaltheater schlängelt sich nun eine felsige schwarzgraue Landschaft im Hintergrund über die Bühne. Es könnte erkaltete Vulkanlava sein.

Darauf und davor liegen Gestalten in hautfarbenen Latexanzügen. Mit rot unterlaufenen Augen erkunden diese Wesen langsam und in animalischen Bewegungen die Umgebung, verbiegen und krümmen sich, als müssten sie das Laufen auf zwei Beinen erst lernen. Zu wummernden Bässen und teils ermüdender „Industrial Ästhetik“ im Sounddesign von Martin Mitterstieler bilden sich aus den Soli kleine Gruppen, die sich zu unterschiedlichen Formationen zusammenfügen, bis sie schließlich wie ein zusammenhängender Organismus funktionieren. Etwa wenn die Tänzer eine Reihe bilden, die sich wie ein Uhrzeiger dreht.

Oder die Tänzer positionieren sich zu einer Aufstellung, die an die berühmte Lakoongruppe - den in Marmor geschlagenen Todeskampf Lakoons und seiner Söhne - erinnert. Das ist der vielleicht schönste Moment in der Choreografie „Gaia“, bei der Liliana Barros insgesamt sehr auf Effekte fokussiert ist, die glänzenden und quasi nackten Körper in Posen stellt und sich auf deren Wirkung verlässt. Am Ende laufen die Tänzer hintereinander aus dem Bild. Gebückt, gebeugt oder aufrecht. Der Homo sapiens ist erschaffen. Zwar de facto im Zeitraffer, aber dennoch im Ganzen etwas langatmig.

Für Kurzweil sorgt hingegen „Bellulus“ von Stephan Thoss. Seine tänzerische Parodie auf die Oper ist 20 Jahre alt – aber seitdem hat sich wenig geändert. Die Spielpläne sind immer noch voll mit Carmen, La Traviata oder Madame Butterfly. Im Vergleich zum Tanz ist die Oper ein starres, wenig wandelbares System. Zwar versuchen Choreographen wie Sidi Larbi Cherkaoui oder Sasha Waltz die Oper sozusagen ästhetisch zu erneuern, an neuen Opernstoffen mangelt es trotzdem.

Auf diesem wunden Punkt reitet Stephan Thoss herrlich herum, lässt die Tänzer in Anspielung auf Opernarien sich auf einem plüschigen Samtsofa räkeln, herunterpurzeln und unkoordiniert und schräge Tanzeinlagen abliefern. Einzig eine Tänzerin beherrscht harmonische Bewegungen zu zeitgenössischer Opernmusik von Bernd Alois Zimmermann. Sie wird von allen ausgeschlossen. Ein Stück mit Witz und Verve, heute genauso komisch wie vor zwanzig Jahren, und wenn niemand neue Opern schreibt, wird es auch zur Jahrtausendwende noch aktuell sein.

3:30 min | Fr, 24.5.2019 | 18:40 Uhr | SWR2 Kultur aktuell | SWR2

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Witz und Verve: Tanzabend „Evolution“ am Nationaltheater Mannheim

Natali Kurth

„Evolution“ heißt der neue zweitteilige Tanzabend am Nationaltheater Mannheim mit Werken von Ballettdirektor Stephan Thoss und der portugiesischen Tänzerin und Choreografin Liliana Barros.


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