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Heftiger Streit am Badischen Staatstheater in Karlsruhe: Mehrere scheidende Mitarbeiter der Opernsparte erheben öffentlich schwere Vorwürfe gegen den Generalintendanten Peter Spuhler – wegen seines angeblich schwierigen Führungsstils. Drei Operndramaturgen, zwei Männer und eine Frau, haben ihre Verträge nicht verlängert beziehungsweise um einen Auflösungsvertrag gebeten. In einem Offenen Brief hat der Personalrat die Vorwürfe am 3. Juli bekräftigt und erklärt, dass es sich nicht um Ausnahmefälle handle. Kunstministerin Theresia Bauer und der Karlsruher Oberbürgermeister Frank Mentrup sehen teilweise einen „Kampagnencharakter“ in der Debatte, regen jedoch in einer Stellungnahme vom 6. Juli einen „Zukunftsprozess“ an.

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Mehr Vorwürfe und ein Blick nach vorn

Nachdem Vorwürfe gegen einen anderen Mitarbeiter des Staatstheaters wegen Belästigung geäußert wurden, hat der Intendant diesen nun freigestellt. Der beschuldigte Mitarbeiter sieht sich verleumdet, die Staatsanwaltschaft Karlsruhe überprüft, ob ein Anfangsverdacht besteht.

Außerdem trafen sich am Freitag, 10. Juli, die beiden Vorsitzenden des Verwaltungsrats, Ministerin Theresia Bauer und Oberbürgermeister Frank Mentrup, zu einem direkten Gespräch mit dem Personalrat des Staatstheaters. Am heftig kritisierten Generalintendanten-Modell soll nicht gerüttelt werden, der Personalrat könne aber eventuell mehr Rechte im Verwaltungsrat erhalten und die Verantwortlichkeiten sollten besser profiliert werden, so Mentrup.

Auf die Frage, ob Peter Spuhler noch ihr Vertrauen habe, wollte die Ministerin nicht eingehen. Stattdessen verwies sie auf grundsätzliche Fragen, wie die „Dauerbaustelle“ Arbeitsklima und Führungskultur.

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Kunstministerin äußert sich nach langem Schweigen

Kunstministerin Theresia Bauer und der Karlsruher Oberbügermeister Frank Mentrup haben sich am Montag, 6. Juli, in einer gemeinsamen Stellungnahme zu den Vorwürfen geäußert.

In der Stellungnahme wird ein „Zukunftsprozess“ in Aussicht gestellt, an dem Vertreter*innen aus allen Bereichen des Theaters und aus der Politik zusammenarbeiten. Als konkrete Maßnahme wird ein*e unabhängige*r Ansprechpartner*in vorgeschlagen, der*die Vorwürfe entgegennehmen soll und verifizieren.

Entschuldigung von Intendant Spuhler am 8.7.2020: Mitarbeiter*innen am Staatstheater Karlsruhe wenig beeindruckt

Kritisiert wird die öffentliche Form der aktuellen Debatte — es habe teilweise „Kampagnencharakter“, Vertrauen werde zerstört und eine konstruktive Lösung erschwert. Weiter werden alle Beteiligten aufgerufen, ein „Klima des Miteinanders“ und des „konstruktiven Streits“ zu stärken.

Weiter wird auf die nächste Sitzung des Verwaltungsrats am 17. Juli verwiesen und der Wunsch geäußert, möglichst bald im Rahmen einer Personalversammlung mit den Mitarbeiter*innen des Staatstheaters ins Gespräch zu kommen.

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Operndramaturgen: Peter Spuhler will alles kontrollieren

Der Streit in der Opernsparte sei umso dramatischer, als auch Operndirektorin Nicole Braunger anscheinend um einen Auflösungsvertrag gebeten haben soll, also wohl vorzeitig das Badische Staatstheater verlassen möchte. Die drei scheidenden Operndramaturg*innen, so Marie-Dominique Wetzel, hätten im Gespräch mit SWR2 berichtet, dass für sie das Verhalten des Generalintendanten nicht mehr tragbar sei. Peter Spuhler, so ihr Vorwurf, wolle permanent alles kontrollieren, schreie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter an und mache sie vor anderen fertig. Die Arbeit und Fachkompetenz der Dramaturg*innen werde vom Generalintendanten oftmals nicht anerkannt.

In einem Offenen Brief vom 3. Juli bekräftigte der Personalrat des Staatstheaters die Vorwürfe und schrieb darin ebenfalls von Kontrollzwang, beständigem Misstrauen und cholerischen Ausfällen des Generalintendanten. Peter Spuhler selbst wollte sich zu den Vorwürfen gegenüber SWR2 nicht äußern, auch nicht die zuständige Ministerin Theresia Bauer in Stuttgart.

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Karlsruher OB Frank Mentrup: Kein Grund zu einer „Generalverurteilung“

Der Karlsruher Oberbürgermeister und 2. Vorsitzende des Verwaltungsrats des Badischen Staatstheaters, Frank Mentrup, hält den Offenen Brief für keine gute Idee. Damit würden öffentlich Gräben aufgerissen, von denen er sich frage, wie sie wieder geschlossen werden sollten. Dennoch müsse man sich dazu jetzt verhalten, so Mentrup in SWR2. „Für irgendeine Generalverurteilung, wie das jetzt offensichtlich von interessierten Kreisen versucht wird, sehe ich keinen Anlass.“

Für ihn, so der Oberbürgermeister, erschließe sich noch immer nicht, ob hinter den geäußerten Vorwürfen ein so großes „quantitatives Problem“ stehe. Qualitative Probleme dieser Art dagegen gebe es in allen hierarchisch organisierten Strukturen.

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Mitarbeiter*innenbefragung von 2017/18: Klagen über schlechte Stimmung

Bei einer Mitarbeiter*innenbefragung von 2017/18 gab es eine Umfrage des Personalrats zur Arbeitszufriedenheit, an der sich knapp 40 Prozent der 750 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter am Haus beteiligten. Über 80 Prozent bewerteten damals die Stimmung am Haus als mittelmäßig bis schlecht. Bereits zu diesem Ergebnis hätte sich die Stadt Karlsruhe auf irgendeine Weise verhalten müssen, so die Vorsitzende des Personalrats, Barbara Kistner, in SWR2.

Einer der Dramaturgen äußerte gegenüber SWR2, er habe sehr viele Mails und SMS von derzeitigen und früheren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bekommen, die ihm dafür gedankt hätten, die Vorwürfe öffentlich zu machen.

Badisches Staatstheater Karlsruhe gilt als hartes Pflaster

In der Theaterszene gelte das Badische Staatstheater als besonders hartes Pflaster, so Marie-Dominique Wetzel. Die hohe Fluktuation sei auffällig. Bei früheren Abgängen habe Peter Spuhler argumentiert, dass sein Theater ein gutes Sprungbrett sei. In der Tat seien einige wegen anderer guter Angebote aus Karlsruhe weggegangen. Offenbar seien viele aber auch gegangen, weil sie es am Badischen Staatstheater nicht mehr ausgehalten hätten.

Es gebe jedoch auch andere Stimmen, die Peter Spuhler für seine Arbeit lobten und hervorgehoben hätten, dass es dem Intendanten gelungen sei, immer wieder junge Talente ans Haus zu holen. Außerdem habe das Theater unter seiner Leitung immer wieder mit guten Produktionen auch überregional auf sich aufmerksam machen können.

Gespräch Professor für Theatermanagement: Angst regiert an vielen Theatern

„Auf der Bühne werden Gerechtigkeit, Teilhabe, Demokratie verhandelt – und hinter den Kulissen wird genau das nicht gelebt“, sagt Thomas Schmidt, Professor für Theatermanagement im SWR. An diesem Widerspruch zerreiße natürlich ein Theater.  mehr...

Bühne Entschuldigung von Intendant Spuhler – Mitarbeiter*innen am Staatstheater Karlsruhe wenig beeindruckt

Der Karlsruher Generalintendant Peter Spuhler hat sich heute einer Personalversammlung in seinem Haus gestellt. Zuvor stand er wegen seines Führungsstils heftig in der Kritik. In einem Statement aus dem Haus hieß es: „Er sagte zu, dass es Veränderungen geben würde“. Er habe „die Menschen, die sich durch sein Vorgehen verletzt fühlten“, um Verzeihung gebeten. Viele Mitarbeiter*innen scheinen davon unbeeindruckt: „Das hatten wir alles schonmal, für mich waren da keine konstruktiven Lösungsansätze dabei“, fasste ein Theatermitarbeiter gegenüber SWR2 den Tenor zusammen. Derweil kursieren auf Instagram anonym weiter schwere Anschuldigungen gegen Spuhler. Bis zur nächsten Verwaltungsratssitzung am 17. Juli wollen sich die Träger*innen des Staatstheaters, Stadt und Land, ausführlich mit dem Personalrat austauschen.  mehr...

SWR2 Kultur aktuell SWR2

Bühne Ministerin Theresia Bauer fordert Transparenz und Aufklärung am Staatstheater Karlsruhe

Die baden-württembergische Kunstministerin Theresia Bauer hat in SWR2 zum Streit um den Karlsruher Generalintendanten Peter Spuhler Stellung bezogen. Die heftige Kritik habe sie überrascht, sagte Bauer zum Streit um den Generalintendanten am Badischen Staatstheater.  mehr...

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Bühne „Leistungsdruck“ früh ein „Dauerthema“ im Streit um Peter Spuhler

Nachdem die Kritik am Führungsstil von Peter Spuhler am Staatstheater immer lauter geworden, hat sich der Generalintendant am 8. Juli im Rahmen einer Personalvollversammlung bei der Belegschaft entschuldigt. Zuvor hatte sich Kunstministerin Theresia Bauer in einer gemeinsamen Stellungnahme mit dem Karlsruher Oberbürgermeister Frank Mentrup zu den Vorwürfen geäußert und Aufklärung gefordert.  mehr...

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Gespräch „Klima der Angst“ am Badischen Staatstheater – Wie geht es weiter?

Immer mehr Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Badischen Staatstheaters melden sich zu Wort im Streit um den Führungsstil des dortigen Generalintendanten Peter Spuhler. Vor gut einer Woche hatten sich drei Operndramaturgen, die das Haus verlassen, öffentlich zu ihren Gründen geäußert und schwere Vorwürfe gegen Peter Spuhler erhoben. Er verbreite ein „Klima der Angst“, würde Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter terrorisieren und weit über ihre Belastungsgrenze hinausdrängen.  mehr...

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Bühne Streit um Peter Spuhler am Badischen Staatstheater Karlsruhe: Offener Brief des Personalrats

Der Streit um den Führungsstil des Generalintendanten des Badischen Staatstheaters Peter Spuhler wird immer heftiger. Am vergangenen Wochenende hatten erstmals drei scheidende Operndramaturgen des Theaters öffentlich die Verhaltensweisen des Intendanten gegenüber seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter scharf kritisiert. Am 3. Juli hat der Personalrat des Badischen Staatstheaters in einem Offenen Brief diese Vorwürfe bekräftigt.  mehr...

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