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Ein raffiniertes Spiel mit Identitäten bietet Daniel Kunze mit seiner Inszenierung des Erfolgsstücks „Vögel“ von Wajdi Mouawad am Staatstheater Wiesbaden. Ein sehenswerter Theaterabend, der mit wenig Ausstattung große Wirkung entfaltet.

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Bühne Auf der anderen Seite der Mauer: „Vögel“ von Wajdi Mouawad am Staatstheater Wiesbaden

Wajdi Mouawad am Staatstheater Wiesbaden (Foto: Staatstheater Wiesbaden / Karl & Monika Forster)
Der deutsche Jude Eitan (Christoph Kohlbacher) verliebt sich in die arabisch-stämmige Amerikanerin Wahida (Mira Benser). Eine Beziehung, die für Eitans Vater David unvorstellbar ist. Zu schwer wiegt das jüdische Erbe, denn Großvater Etgar war im KZ. David beruft sich auf das Gesetz der Vorväter und die Schuld der Überlebenden. Staatstheater Wiesbaden / Karl & Monika Forster Bild in Detailansicht öffnen
Der moralische Druck ist enorm, doch Eitan will sich den Regeln seiner Eltern nicht beugen. Er studiert Biogenetik, ist Rationalist und fordert für sich und sein Leben Freiheit von kollektiven Zwängen. Die Handlung spitzt sich zu, als er in Israel bei einem Bombenattentat verletzt wird. Staatstheater Wiesbaden / Karl & Monika Forster Bild in Detailansicht öffnen
Trotz vieler Rückblenden bleibt die dramatische Erzählung im Fluss. Alle Szenen sind sanft miteinander verwoben. Das ursprüngliche Konzept von Autor Wajdi Mouawad sieht vor, dass die Figuren Englisch, Deutsch, Hebräisch und Arabisch sprechen, so dass übertitelt werden muss. Regisseur Daniel Kunze hat darauf verzichtet. Bei ihm sprechen alle Figuren Deutsch. Das erleichtert die Konzentration auf den - sehr gegenwärtigen - Inhalt. Staatstheater Wiesbaden / Karl & Monika Forster Bild in Detailansicht öffnen
Es geht um die Identität des Menschen und wie sie sich bildet. Welche Rolle spielen Prägung durch Eltern, Kultur, Religion oder Aussehen? Diese Fragen werden von den sieben Schauspielerinnen und Schauspielern temperamentvoll und überzeugend verhandelt. Die Figuren fluchen, schreien, singen oder machen zynische Witze - sogar über den Holocaust. Staatstheater Wiesbaden / Karl & Monika Forster Bild in Detailansicht öffnen
Eindruck hinterlässt die Figur der jungen Amerikanerin Wahida, gespielt von Mira Benser (rechts, hier mit Christina Tzatzaraki). Bei ihrer Reise nach Israel geht sie "auf die andere Seite der Mauer" und entdeckt dort - wider Erwarten - ihre arabischen Wurzeln. Staatstheater Wiesbaden / Karl & Monika Forster Bild in Detailansicht öffnen
Das Spiel mit den Identitäten wird schließlich auf die Spitze getrieben: Denn auch Eitans Vater David (Christian Klischat), der überzeugte Jude, ist nicht der, der er zu sein glaubte. Staatstheater Wiesbaden / Karl & Monika Forster Bild in Detailansicht öffnen
Daniel Kunzes Inszenierung von "Vögel" ist sehenswert und ein gutes Beispiel dafür, wie ein Theaterstück auch mit wenig Ausstattung große Wirkung entfaltet - wenn Geschichte, Dialoge und Qualität des Schauspiels zusammenstimmen. Staatstheater Wiesbaden / Karl & Monika Forster Bild in Detailansicht öffnen

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