STAND
AUTOR/IN

29 Schauspieler aus mindestens acht Nationen spielen Theater im Wörther Bürgerpark. Neuankömmlingen das Leben schwer zu machen, ist nicht besonders hilfreich. Vertreibung und Flucht sind nichts Ungewöhnliches. Das will das Theaterstück „Wört(h)er im Park“ vermitteln. Bis zum 8. September finden zehn Aufführungen des Stationentheaters statt.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:40 Uhr
Sender
SWR2

Thema der Stationengeschichte in Wörth: Fluchtgeschichten von Wörthern, beispielsweise die Lebensgeschichte von Rita Brüchert, einer Frau, die seit über sechzig Jahren in der Stadt lebt und aus Luckenwalde stammt. 1955 floh sie mit ihren Eltern aus der DDR. Das Stück zeigt sie als kleines Mädchen.

Bühne Lacht mal zusammen: Das Theaterprojekt „Wört(h)er im Park“

Szenen aus dem Theaterprojekt "Wört(h)er im Park" in Wörth (Foto: SWR, Max Knieriemen)
Das Stück erzählt von Flüchtlingen wie der kleinen Rita, die im Berliner Auffanglager nach Rheinland-Pfalz geschickt wird. Drei Eisenbetten und zwei Matratzen bekommt die Familie in Wörth zugewiesen. „Wieso nur zwei, wir sind doch drei?!“, fragt das Mädchen. „Jetzt bisch awwer mol doucement do!“, entgegnet der Verwaltungsbeamte. An die französischen Anklänge in Wörth muss sich die kleine Rita erst gewöhnen, die hier von ihrer eigenen Enkelin gespielt wird. Max Knieriemen Bild in Detailansicht öffnen
„Wörther im Park“ ist ein dokumentarisches Theaterstück und basiert auf Zeitzeugeninterviews. In sechs Spielszenen, verteilt im Wörther Bürgerpark, werden Geschichten vom Ankommen in der Stadt erzählt. Der Autorin und Regisseurin Sabine Daibel-Kaiser geht es dabei auch um das Miteinander in der Sprache, „deutsche Wörter, fremde Wörter, seltsame Wörter, einheimische Wörter.“ Max Knieriemen Bild in Detailansicht öffnen
„Wir haben festgestellt, dass es ganz viele Gemeinsamkeiten gibt, oder dass sich die Fluchtgeschichten sogar teilweise decken. Das Thema, an dem so viele Leute jetzt Anstoß nehmen, ist kein neues Thema“, sagt Regisseurin Sabine Daibel-Kaiser. „Das gab es auch schon in den 50er Jahren, in den 60ern. Es zieht sich eigentlich durch. Und das ist auch genau das, was wir hier zeigen wollen.“ Max Knieriemen Bild in Detailansicht öffnen
Erst vor einem Jahr war der Aufruhr groß in Wörth. Im Nachbarort Kandel wurde Ende 2017 ein Mädchen vom Ex-Freund, einem Flüchtling aus Afghanistan, ermordet. Die Demonstrationen und Gegendemonstrationen, die darauf folgten, heizten die Stimmung in der Südpfalz an. Max Knieriemen Bild in Detailansicht öffnen
Allerdings meint Silvia Kempf-Diehl, Leiterin des Mehrgenerationenhauses in Wörth, sie könne nicht feststellen, dass sich Wörth verändert habe. „Es gibt lediglich das Gesprächsthema, was da eigentlich passiert ist im Nachbarort. Kandel ist ja nur fünf Kilometer entfernt. Man kann es manchmal nicht mehr hören, weil sich alles reduziert hat auf dieses eine Thema. Es ist diese Wahrnehmung, die mir nicht gefällt.“ Max Knieriemen Bild in Detailansicht öffnen
So entstand schließlich die Idee zu dem Theaterprojekt. Sie hätten der einseitigen Wahrnehmung, nur die Probleme zu sehen, die sich aus Migration ergeben, etwas entgegensetzen wollen. Zusammen mit der Autorin Sabine Daibel-Kaiser entwickelte Silvia Kempf-Diehl die Idee, Geschichten vom Ankommen in Wörth zu erzählen. Max Knieriemen Bild in Detailansicht öffnen
„Wört(h)er im Park“ erzählt von DDR-Aussiedlern, türkischen Gastarbeitern in den 70er Jahren und den Fluchtschicksalen der Gegenwart. Silvia Kempf-Diehl: „Wenn der Zusammenhalt funktioniert im Miteinander, dann leben wir auch gut zusammen. Es geht nicht um Flucht, Integration oder wie jemand werden soll, sondern um das Hinschauen. Sucht die Gemeinsamkeiten. Lacht zusammen, esst zusammen, und dann funktioniert es auch.“ Max Knieriemen Bild in Detailansicht öffnen

„Wört(h)er im Park“ im Bürgerpark Wörth: Premiere am 30. August. Weitere Aufführungen am 31. August, 14 und 17 Uhr, am 1. September, 11 Uhr, am 6. September, 18:30 Uhr, am 7. September, 14 und 17 Uhr, am 8. September 2019, 11, 14 und 17 Uhr.

Bessere Bildung für mehr Chancen

Im Ort Jugenheim im Kreis Mainz-Bingen bietet die Initiative „Willkommen im Dorf“ seit einigen Monaten für einheimische Kinder und Flüchtlingskinder eine gemeinsame Hausaufgabenbetreuung an. Sowohl bei den einheimischen Kindern als auch bei Kindern von Geflüchteten hätten sich die Noten seitdem deutlich verbessert, sagen die Organisatoren. Weitere Themen der Sendung sind unter anderem die Vorstellung des ifo-Bildungsbarometers, warum afghanische Frauen Angst um ihre Rechte haben und die Taco-Kultur in Mexiko. Redaktion und Moderation von Utku Pazarkaya  mehr...

Der Hass nimmt zu Rechte Hetze im Internet

Sie werden gejagt, Politiker in Deutschland, auf der Straße und im Internet in der Hauptsache von rechtextremen Hetzern. Und: Die Drohungen und Pöbeleien nehmen zu, auch in Baden-Württemberg. Unsere Reporter haben mit bedrohten Politikern gesprochen, waren im Innenausschuss des Bundestages, berichten über das Geständnis im Mordfall Lübcke und analysieren mit einem Experten rechte Musikband.  mehr...

Stammesrecht oder Grundgesetz Was lehrt der Mordfall Abdul D.?

Es diskutieren:
Prof. Dr. Wolfgang Kaschuba, Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung | Dr. Necla Kelek, Soziologin und Publizistin, Berlin | Boris Palmer, (Bündnis90/Die Grünen) Oberbürgermeister von Tübingen | Gesprächsleitung: Matthias Heger  mehr...

SWR2 Forum SWR2

STAND
AUTOR/IN