Heidelberger Stückemarkt

Autor*innen-Wettbewerb: Welcher Theatertext schafft es auf die Bühne?

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Nicht alle neuen Theaterstücke werden auch auf die Bühne gebracht. Doch wer den Deutschsprachigen Autor*innen-Wettbewerb des Heidelberger Stückemarkts gewinnt, erhält nicht nur 10.000 Euro, sondern auch die Zusage, dass das Stück im nächsten Jahr am Theater Heidelberg uraufgeführt wird. In diesem Jahr gab es 81 Einreichungen, sechs davon wurden ausgewählt und dem Publikum in szenischen Lesungen vorgestellt.

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Leise Töne zu Beginn

Der Wettbewerb beim diesjährigen Heidelberger Stückemarkt begann mit leisen Tönen. Mit einem Text von Leo Meier. „Zwei Herren von Real Madrid“ erzählt die Liebesgeschichte von zwei jungen Profi-Fußballern.

Aber es ist kein Theaterstück, das realistisch ausformuliert, was es bedeuten würde, wenn zwei Spitzensportler öffentlich ihre Liebe leben würden. Der Text ist mal voll skurriler Komik mal träumerisch-fantasierend. Er habe angefangen selbst Stücke zu schreiben, weil er von den meisten Texten, die er auf der Schauspielschule spielen sollte, genervt war, gibt Leo Meier zu.

Die Autorin Miriam V. Lesch kam durch eine Regie-Assistenz zum Theater. Sie schreibt aber neben Theaterstücken und Hörspielen auch Lyrik und Kurzprosa. Ihr Stück „Wald“, mit dem sie jetzt zum Wettbewerb des Heidelberger Stückemarkts eingeladen wurde, erzählt davon, wie sich der Wald seinen Lebensraum in Europa großflächig zurückerobert. Ein humorvoller, skurriler und poetischer Text.

Das männliche Hierarchie-System Theater wird demontiert

„Sexuelle Gewalt gegen Frauen“ haben gleich zwei Autorinnen in ihren Theaterstücken zum Thema gemacht. Ivana Sokola zeichnet in ihrem Drama „Pirsch“ den Weg einer Frau nach, die vor vielen Jahren missbraucht wurde und dann zur blutigen Rächerin wird. Was genau damals geschah, erfahren wir nicht, denn die Frau kann und will darüber nicht sprechen.

Ganz anders Paula Thielecke, die in ihrem Stück „Judith Shakespeare. Rape and Revenge“ viel drastischer und direkter wird. Sie erschafft die Figur der Schwester des berühmten William Shakespeare. Die will ebenfalls Stücke schreiben, aber scheint zuerst an den männlichen Machtstrukturen am Theater zu scheitern.

Am Schluss demaskiert Judith Shakespeare nicht nur ihren Bruder als Vergewaltiger, sondern demontiert auch gleich noch bundesweit das ganze männliche Hierarchie-System der Theater.

DIEZEN Kollektiv schaut sich Familienkonzepte an

Für mehr starke, weibliche Stimmen am Theater kämpfen auch die drei Autorinnen Katharina Kern, Lena Reißner und Rosa Rieck und haben deswegen das DIEZEN-Kollektiv gegründet. In ihrem Stück „Hascherl“ loten sie aus, wie „Familie“ anders entstehen und funktionieren könnte als üblicherweise.

Heidelberger Stückemarkt nominierte Autor*innen (Foto: Pressestelle, Daniel Nartschick)
„Hascherl“ vom DIEZEN kollektiv (Lisa Förster, André Kuntze und Sophie Arbeiter) Pressestelle Daniel Nartschick

Magda und Sascha wünschen sich sehnlichst ein Kind, deswegen sind sie überglücklich als sich ihre Freundin Marga bereit erklärt, eine Eizelle zu spenden. Doch sie haben nicht damit gerechnet welche emotionalen Verwirrungen das stiften wird.

Der Sieger steht noch nicht fest

Zum Abschluss des diesjährigen Heidelberger Stückemarkts wurde der Text „Olm“ von Philipp Gärtner präsentiert. Sein ausuferndes Stück besteht aus fiktiven Interviews, Tagebuchaufzeichnungen und Chatverläufen und changiert irgendwo zwischen Krimi, Science-Fiction und Komödie.

Die Entscheidung, welches der vor allem sprachlich sehr unterschiedlichen Stücke den Wettbewerb gewinnt, wird die Fachjury zum Abschluss des Heidelberg Stückemarkts am kommenden Sonntagabend bekannt geben.

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