Lukas Rietzschel diskutiert mit jungen Theatermachern in Mainz Macht Politik = Macht Theater

Von Max Knieriemen

Teilen Jugendliche noch das Bekenntnis zu Demokratie und einem offenen Europa? Das Theater könnte ein guter Ort sein, um über scheinbar Selbstverständliches offen zu streiten. Finden die Vertreter von "Assitej", einer Organisation, die sich für mehr Demokratie im Kinder- und Jugendtheater stark macht. In Rheinland-Pfalz, Hessen und dem Saarland veranstaltet sie Diskussionen, zum Beispiel mit dem jungen ostdeutschen Schriftsteller Lukas Rietzschel im Mainzer Staatstheater.

Wo alle schon aufgeklärt sind, ist es langweilig

Lukas Rietzschel trägt eine große Brille, Bart, seine braunen Hosen haben Hochwasser. Jungschriftsteller und Akademiker, ein Typ, den Kleinstädte wie Görlitz in den letzten Jahren vielfach nach Berlin oder Leipzig exportiert haben.

Doch der 24-Jährige ist in der sächsischen Provinz geblieben: "Leipzig und Berlin langweilen mich einfach nur. Da sind ja alle feministisch, antirassistisch, aufgeklärt und tolerant. Aber es gibt einfach genügend Gegenden, wo das nicht der Fall ist. Und ich finde, es ist ein gewisser Reiz darin, da hinzugehen, wo alle anderen weggehen."

Aufstieg der AfD in Ostdeutschland

Eindrücklich schilderte Lukas Rietzschel in seinem Vortrag den Aufstieg der politischen Rechten in seiner Heimat. Dort wird inzwischen mehrheitlich AfD gewählt. Die politische Mitte ist mancherorts aus der öffentlichen Diskussion weitgehend verdrängt.

Doch Lukas Rietzschel spricht auch über die Chancen, die in engagierter Kommunalpolitik stecken. Auch wenn er keine Patentrezepte liefern kann, um rechte Ideologien aufzuhalten. Der Jungschriftsteller begnügt sich zunächst einmal mit einer Bestandsaufnahme dessen was ist.

Sich auseinandersetzen mit denen, die keinen Halt mehr finden

Sein Romanerstling "Mit der Faust in die Welt schlagen" schildert den Weg eines Jugendlichen in die rechte Szene: "Ich möchte zeigen, dass es Menschen gibt, die gegen diese Gesellschaft sind, keinen Halt mehr finden im System. Will das aufzeigen, um inklusiv zu sein."

Politische Diskussionen im Jugendtheater

Solche Probleme gibt es nicht nur in Ostdeutschland, sondern auch im Südwesten, etwa in Rheinland-Pfalz. Nicolai Zimmermann engagiert sich in seiner Heimatstadt Bad Kreuznach im alternativen Kulturzentrum. Auch in seiner Heimat gebe es viele Jugendliche, die das Vertrauen ins politische System komplett verloren hätten.

Gemeinsam mit anderen Jungendtheatermachern diskutierte er im Orchestergraben des Mainzer Staatstheaters, was man tun kann, um die Demokratie im Jugendtheater zu stärken. Der Vortrag mit anschließender Diskussion ist der Auftakt einer Veranstaltungsreihe der internationalen Vereinigung für Kinder- und Jugendtheater.

"Das Gefühl, dass Demokratie auf vielen Ebenen angegriffen wird"

Deren Sprecherin Susanne Freiling sagt: "Das ist im Moment einfach das Thema: das Gefühl, dass Demokratie auf vielen Ebenen angegriffen wird. Deshalb laden wir AutorInnen ein, die uns etwas zu diesem Thema zu sagen haben und uns kennenlernen."

SWR2-Rezension des Buchs von Lukas Rietzschel

asdfEine gemeinsame Theatergruppe im Ort gründen

Es ging also zunächst einmal darum, die Theatermacher zusammenzubringen. Was sich daraus noch entwickelt, muss sich zeigen. Nicolai Zimmermann nimmt für seine Arbeit konkrete Ideen mit nach Hause. "Unsere Idee war, vielleicht eine gemeinsame Theatergruppe zu gründen, die in Bad Kreuznach alle Schulen zusammenfasst."

Der Gedanke: dem Auseinanderdriften der Gesellschaft etwas Konkretes entgegenzusetzen. Erstmal nur eine Idee, aber genau um solche Ideen zu sammeln, hatten sich die jungen Theatermacher in Mainz zusammengefunden.

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