Theater Komfort der Dummheit: Horváths „Geschichten aus dem Wiener Wald“ in Mainz

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Dauer
Sendedatum
Sendezeit
12:33 Uhr
Sender
SWR2

Ödön von Horváth benutzt den Erfolgswalzer „Geschichten aus dem Wiener Wald“ von Johann Strauss zur Folie für sein böses Stück über die Abgründe der Gesellschaft. In seiner Mainzer Inszenierung greift Regisseur K. D. Schmidt Horváths Motto auf, nichts gebe den Menschen „so sehr das Gefühl der Unendlichkeit als wie die Dummheit“.

Bühne Zerstörerische Liebe: Horvaths „Geschichten aus dem Wiener Wald“ in Mainz

"Geschichten aus dem Wienerwald" am Staatstheater Mainz (Foto: Staatstheater Mainz / Foto: Andreas Etter)
Ödön von Horvath erzählt die Geschichte von Marianne (Kruna Savić), einer jungen Frau aus dem 8. Wiener Bezirk, die von ihrem Vater dem brutalen Fleischhauer Oskar zur Frau versprochen wird. Staatstheater Mainz / Foto: Andreas Etter Bild in Detailansicht öffnen
Beim Bräutigam in spe handelt es sich um den brutalen Fleischhauer Oskar, der von Gestalten wie dem Gehilfen Havlitschek umgeben ist (Lorenz Klee). Staatstheater Mainz / Foto: Andreas Etter Bild in Detailansicht öffnen
Unweigerlich kommt es schon auf der Verlobungsfeier zum Eklat. Naiv glaubt Marianne (Kruna Savić) an die romantische Liebe und verliebt sich in den Hallodri Alfred (Daniel Mutlu). Staatstheater Mainz / Foto: Andreas Etter Bild in Detailansicht öffnen
So gemütlich wie beim Metzger wird es nicht. Das unglückliche Pärchen haust bald mit dem Neugeborenen in einer tristen Wohnung. Staatstheater Mainz / Foto: Andreas Etter Bild in Detailansicht öffnen
Alfred (Daniel Mutlu) kann Marianne davon überzeugen, das Kind in die Obhut seiner Mutter (Anna Steffens) und Großmutter (Martin Herrmann, hinten) zu geben. Und lässt sie schließlich sitzen. Staatstheater Mainz / Foto: Andreas Etter Bild in Detailansicht öffnen
Marianne glaubt, keine Wahl mehr zu haben, und verdingt sich in einem Nachtlokal, nackt auf einer Kugel tanzend. Staatstheater Mainz / Foto: Andreas Etter Bild in Detailansicht öffnen
Dort entdeckt sie der Vater, der von der Trafikantin Valerie begleitet wird (Anna Steffens) und von seinem Neffen Erich, einem aufstrebenden Nazi (Simon Braunboeck, Mitte). Staatstheater Mainz / Foto: Andreas Etter Bild in Detailansicht öffnen
Valerie (Anna Steffens) ist zugleich die Nebenbuhlerin von Marianne. Während sie sich mit dem Jungnazi Erich tröstet, repräsentiert der Rittmeister an ihrer Seite (Johannes Schmidt) das untergegangene Österreich-Ungarn. Staatstheater Mainz / Foto: Andreas Etter Bild in Detailansicht öffnen
Metzger Oskar (Sebastian Brandes, Mitte) wartet solange weiter geduldig auf seine Marianne. Denn sein zynisches Credo lautet: „Du wirst meiner Liebe nicht entgehen …“ Staatstheater Mainz / Foto: Andreas Etter Bild in Detailansicht öffnen
Das brutale Ende: Während der triumphierende Metzger seine Marianne am Ende doch noch küssen darf, spielt die Großmutter (Martin Herrmann) ungerührt auf ihrer Zither „Geschichten aus dem Wienerwald“ von Johann Strauss. Staatstheater Mainz / Foto: Andreas Etter Bild in Detailansicht öffnen

Ausgeliehene Sprache und Bildungsjargon seien geeignet, sich nicht zu hinterfragen und in der eigenen Dummheit komfortabel einzurichten, so Regisseur K. D. Schmidt zu seiner Inszenierung.

Immer wieder erklingt auch in der Mainzer Inszenierung aus der Ferne der Walzer „Geschichten aus dem Wiener Wald“ von Johann Strauss. Die Inszenierung wolle „die schaurige Schönheit“ des Stückes auf besondere Weise nutzen, so K. D. Schmidt. „Man kann sich ihr nicht entziehen. Dann geht sie einem nach einiger Zeit total auf den Senkel und kriecht sich in einen rein. Dann denkt man: Wie ist man verführbar.“

„Geschichten aus dem Wiener Wald“ von Ödön von Horváth in der Inszenierung von K. D. Schmidt am Staatstheater Mainz. Premiere am 8. September. Weitere Aufführungen am 22. und 27. September, am 2., 14.10. und 18. Oktober 2019.

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