Tanz Choreografie "Nothing" von Roy Assaf in Mainz

Tanz Choreografie "Nothing" von Roy Assaf in Mainz

Choreografie "Nothing" von Roy Assaf am Staatstheater Mainz (Foto: Pressestelle, Staatstheater Mainz - Foto: Andreas Etter)
Sechs Tänzer und sechs Tänzerinnen schlendern nacheinander aus verschiedenen Ecken auf die Bühne. Sie tragen gelbe, grüne, blaue oder pinkfarbene Shorts oder Trikots und halten sich mit beiden Händen ihre Augen zu. Sie sehen also: „Nichts“. Pressestelle Staatstheater Mainz - Foto: Andreas Etter
Doch ihre Pose hat Geschichte. Sie gleicht der einer griechischen Plastik mit Stand- und Spielbein. In der Renaissance wurde diese Haltung von Künstlern wie Donatello oder Michelangelo wieder aufgegriffen. Kontrapost nennt man dieses Gestaltungsmittel, das der Balance dient.Auf dem Bild: Marija Slavec Pressestelle Staatstheater Mainz - Foto: Andreas Etter
Die Tänzer stehen eine ganze Weile so herum, vor einer Treppe und zwischen vier rosa Stellwänden. Das Bühnenbild, ebenfalls von Choreograf Roy Assaf, erinnert an einen antiken Tempel. Eine ganze Menge Assoziationen, die die Tänzer, die nichts sehen, initiieren. Pressestelle Staatstheater Mainz - Foto: Andreas Etter
Dazu hört man - Achtung - nichts. Die ersten Minuten verzichtet Roy Assaf auf jegliche Geräusch- oder Musikkulisse. Ganz nach Sartre, für den das „Nichts“ die Freiheit des Menschen ist. Zum Beispiel auch die, einfach etwas wegzulassen.Auf dem Bild: Eliana Stragapede und Lois Thouriot Pressestelle Staatstheater Mainz - Foto: Andreas Etter
Mit „Nothing“ greift der israelische Choreograf ein höchst philosophisches Thema auf, das er erfrischend unpathetisch und unkonventionell umsetzt. Seine kleine Tochter war der Auslöser für diese Arbeit. Sie rannte eines morgens in der Wohnung herum, hüpfte und redete und sang unverständliches Zeug. Pressestelle Staatstheater Mainz - Foto: Andreas Etter
Unbekümmert wie Pooh der Bär, der sich selbst am besten darin findet „nichts“ zu tun. Und vor allem nichts Sinnvolles zu tun. Dass das gar nicht so einfach ist, weiß jeder Erwachsene. Roy Assaf schafft mit seiner Choreografie Abhilfe.Auf dem Bild: Eliana Stragapede und Benoît Couchot. Pressestelle Staatstheater Mainz - Foto: Andreas Etter
Er lässt die Tänzer in wilder Phantasiesprache fabulieren, man versteht nur einzelne Worte wie zum Beispiel: „Salami“ oder „mio dio“. Verknüpft mit der Mimik der Tänzer wirkt das wirklich urkomisch. Das Publikum kommt aus dem Kichern nicht mehr heraus.Im Vordergrund: Cornelius Mickel, Matti Tauru und John Wannehag Pressestelle Staatstheater Mainz - Foto: Andreas Etter
Eine zentrale Rolle besetzt Mattia de Salve. Seines Zeichens Tänzer und Träger des schwarzen Gürtels. Wie ein Stammeshäuptling schreit er Befehle in die Luft, seine Untertanen kreisen um ihn herum. Später stellt er sich hüftwackelnd wie ein Preisboxer nach seinem Sieg in die Mitte eines angedeuteten Herzes, das zwei andere mit ihren Armen formen.Auf dem Bild: Mattia de Salve mit Madeline Harms Pressestelle Staatstheater Mainz - Foto: Andreas Etter
Gelungen ist auch das Duo von Jorge Soler Bastida und Benoit Couchot, die sich erotisch gegenseitig anziehen, streiten, versöhnen, verzweifeln und freuen können. Ihre klare Körpersprache ist der jeweiligen Emotion angepasst und lässt vergessen, dass Ihre Worte völlig unverständlich sind.Auf dem Bild: Benoit Couchot (hinten in der Mitte) mit Cornelius Mickel und John Wannehag. Im Vordergrund Louis Thuriot Pressestelle Staatstheater Mainz - Foto: Andreas Etter
Am Schluss dieser kultverdächtigen Choreografie laufen alle nochmal auf wie die Farben in einem Farbkasten, rotten sich zusammen und verschwinden so unauffällig, wie sie gekommen sind. So unbekümmert und lustig kann Tanz sein. Auch, wenn es um „nichts“ geht.Auf dem Bild: Eliana Stragapede und Cornelius Mickel Pressestelle Staatstheater Mainz - Foto: Andreas Etter
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