Oper "Salome" wird in Wiesbaden zum Wohlfühltheater

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Von Ursula Böhmer

Das französische Künstlerkollektiv "Le Lab" hat Richard Strauss' Oper "Salome" am Staatstheater Wiesbaden in Szene gesetzt. Dabei hat es sich die Drastik, die den Stoff eigentlich bestimmen müsste, vom Leib gehalten. Herausgekommen ist ästhetisches Wohlfühltheater – zu wenig für dieses Meisterwerk, meint Ursula Böhmer.

Sie gehört zu den verruchtesten Figuren, die die Bibel zu bieten hat: die Königstochter Salome, die den Kopf des Täufers Jochanaan fordert – weil der sie verschmäht hat. Oscar Wilde hat aus dem grausigen Bibel-Stoff 1893 ein Schauspiel gemacht, das Richard Strauss wiederum 1905 zur Grundlage nahm für seine Oper „Salome“. Besetzungstechnisch ist das Werk immer schon eine Herausforderung gewesen – zumal Salome eine Kindfrau sein soll, die stimmlich aber dramatische Reife haben muss.

Bilder von der Inszenierung Richard Strauss' "Salome" am Staatstheater Wiesbaden

Salomé - Staatstheater Wiesbaden (Foto: Pressestelle, Staatstheater Wiesbaden - Foto: Karl & Monika Forster)
Warum der riesige Neonröhren-Heiligenschein, der über Jochanaans kleiner Bunker-Gefängniszelle schwebt, zwischendurch in Schieflage gerät, erschließt sich angesichts der Gradlinigkeit dieses notorischen Lustverweigerers nicht. Pressestelle Staatstheater Wiesbaden - Foto: Karl & Monika Forster Bild in Detailansicht öffnen
Willkürlich wirken die Videoeinspielungen im Hintergrund: Da werden wahlweise Mondkrater überflogen, es biegen sich Kornhalme im Wind oder Ameisen krabbeln umher. Bestenfalls werden auch mal die live gefilmten Minenspiele der Opernfiguren groß hervorgezoomt. Pressestelle Staatstheater Wiesbaden - Foto: Karl & Monika Forster Bild in Detailansicht öffnen
Problematisch an diesem Abend ist vor allem die Besetzung der Titelfigur Salome: Sera Gösch ist als zierliche Kindfrau mit dunkler Haarmähne, Schmollmund und unbekümmert lasziven Posen optisch und darstellerisch zwar glaubhaft – stimmlich aber fehlbesetzt: Denn mit ihrem schönen leichten und lyrischen Strahle-Sopran fehlt ihr für die Partie der Salomé schlichtweg das dramatische Schwergewicht. Allenfalls in den Höhenlagen dringt sie durch. Pressestelle Staatstheater Wiesbaden - Foto: Karl & Monika Forster Bild in Detailansicht öffnen
Der berühmte Schleiertanz dümpelt schnell kraftlos vor sich hin: Denn das Regieduo „Le Lab“ verlegt die Szene in ein Video, das sich Herodes (Frank van Aken) auf der Bühne per Tablet anschaut, während über ihm ein luftbewegter Schleier schwebt. Das Video zeigt dann nicht mehr als ein halbherziges Blindekuh-Spiel, das im Wiesbadener Theaterfoyer gedreht wurde – mit einer herumposierenden Salome im silbernen Catsuit und gelangweilten Voyeuren. Knisternde Erotik geht anders. Pressestelle Staatstheater Wiesbaden - Foto: Karl & Monika Forster Bild in Detailansicht öffnen
Zum mutlosen Regiekonzept passt auch, dass Jochanaan (Thomas de Vries) am Ende nicht blutig enthauptet, sondern sein Kopf, wieder nur im Video, mit Silber übergossen wird. Salome (Sera Gösch) bekommt den versilberten Täufer dann am ganzen Stück auf einem Tablettwagen serviert. Pressestelle Staatstheater Wiesbaden - Foto: Karl & Monika Forster Bild in Detailansicht öffnen
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