Oper Schostakowitschs Meisterwerk: Brillante „Lady Macbeth von Mzensk“ in Frankfurt

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Dauer
Sendedatum
Sendezeit
12:33 Uhr
Sender
SWR2

Zu Stalins Lebzeiten war Dmitri Schostakowitschs zweite Oper „Lady Macbeth von Mzensk“ von 1934 praktisch verboten. Erst nach dem Tod des Komponisten 1979 wurde sie in ihrer ursprünglichen Fassung auf die Bühne gebracht und ist heute eine der meistgespielten Opern des 20. Jahrhunderts. In Frankfurt kann man Schostakowitschs Meisterwerk nun in einer meisterhaften Inszenierung von Anselm Weber erleben. Musikalisch wird die Tragödie um menschliche Niedertracht, deren Opfer Frauen sind, vorzüglich erarbeitet, das Ensemble ist bis in die kleinsten Nebenrollen grandios besetzt. Ein herausragendes Erlebnis!

Bühne Schostakowitsch: Brillante „Lady Macbeth von Mzensk“ in Frankfurt

„Lady Macbeth“ an der der Oper Frankfurt (Foto: Oper Frankfurt / Barbara Aumüller)
Dmitri Schostakowitschs zweite Oper „Lady Macbeth von Mzensk“ artikuliert lautstark die Geschichte der menschlichen Niedertracht, deren Opfer Frauen sind. Generalmusikdirektor Sebastian Weigle und sein Orchester lassen es ordentlich krachen, kennen jedoch auch die subtilen, dunklen Feinheiten dieser gewaltigen Partitur. Im Bild: Anja Kampe (Katerina Ismailowa) Oper Frankfurt / Barbara Aumüller Bild in Detailansicht öffnen
Der Frankfurter Schauspielintendant Anselm Weber inszeniert den reißerischen Krimi mit akkuratem Realismus, wenngleich er ihn in einem Russland der nahen Zukunft verortet. Geradlinig erzählt Weber die Geschichte der Katerina Ismalilowa, die sich in den Arbeiter Sergej verliebt. Im Bild: Anja Kampe (Katerina Ismailowa) und Dmitry Golovnin (Sergei) Oper Frankfurt / Barbara Aumüller Bild in Detailansicht öffnen
Katerina bringt den brutalen Schwiegervater Boris mit Rattengift um und erwürgt anschließend ihren Gatten mit Hilfe des Geliebten. Alles fliegt auf, als die Figur des Schäbigen auf der Suche nach Alkohol im Keller auf die Leiche stößt. Im Bild: Anja Kampe (Katerina Ismailowa) und Dmitry Belosselskiy (Boris Ismailow). Oper Frankfurt / Barbara Aumüller Bild in Detailansicht öffnen
Die beiden landen im Straflager und Sergej bändelt mit der Nächstbesten an. Katerina hat ausgedient. Sie stürzt sich mit der Rivalin in den kalten See und ertrinkt. Im Bild: Anja Kampe (Katerina Ismailowa; vorne liegend), Barbara Zechmeister (Zwangsarbeiterin; rechts davon stehend) und Ensemble. Oper Frankfurt / Barbara Aumüller Bild in Detailansicht öffnen
Anselm Webers fein ausgearbeitete Personenregie zielt auf die Tragödie einer Mörderin: sie leidet, weil Leidenschaft durch Gewalt unterdrückt wird. Sobald Katerina in ihrer Liebe erblüht, trägt sie ein bunt gefärbtes Nachtkleid. Am Ende ist alles wieder Grau. Im Bild: Anja Kampe (Katerina Ismailowa), Peter Marsh (Der Schäbige; hinten links) und Ensemble Oper Frankfurt / Barbara Aumüller Bild in Detailansicht öffnen
Es lässt sich bei dieser brillanten Umsetzung kaum entscheiden, ob die sängerischen Qualitäten der klugen Personenregie zu verdanken sind oder umgekehrt. Das Ensemble ist bis in die kleinste Nebenrolle grandios besetzt. Im Bild: Iain MacNeil (Polizeichef; rechts im Sessel sitzend) und Peter Marsh (Der Schäbige; links daneben mit Fellmütze) sowie Ensemble. Oper Frankfurt / Barbara Aumüller Bild in Detailansicht öffnen
Die Stimmgewalt, mit der Dmitry Belosselskiy den Boris als menschliche Ratte entfaltet, der man so aufrichtig ihren Gifttod gönnt, ist hinreißend. Im Bild: Dmitry Belosselskiy (Boris Ismailow) und Anja Kampe (Katerina Ismailowa). Oper Frankfurt / Barbara Aumüller Bild in Detailansicht öffnen
Iain MacNeill liefert als Polizeichef ein Bravourstück staatlicher Gewalt. Der Pope des Alfred Reiter ist eine Groteske par excellence, und Dmitry Golovnin gibt den zynischen Bruder Leichtfuß, dessen Opfer Katerina wird. Im Bild v.l.n.r. Alfred Reiter (Pope; kniend), Dmitry Belosselskiy (Boris Ismailow; liegend), Hans-Jürgen Lazar (3.Vorarbeiter) und Anja Kampe (Katerina Ismailowa) sowie Ensemble. Oper Frankfurt / Barbara Aumüller Bild in Detailansicht öffnen
Der Abend gehört aber Anja Kampe. Sie singt und spielt überwältigend und scheut sich nicht, die Mörderin nicht allein als tragische Figur, sondern als Heilige ihrer Gefühle darzustellen. Eine derartige Hingabe war selten bei einer Sängerin dieser ungemein anspruchsvollen Partie zu hören und zu sehen. Im Bild: Dmitry Golovnin (Sergei) und Anja Kampe (Katerina Ismailowa). Oper Frankfurt / Barbara Aumüller Bild in Detailansicht öffnen
In Frankfurt erleben wir ein Meisterwerk des 20. Jahrhunderts in einer meisterhaften Aufführung. Im Bild: Dmitry Belosselskiy (Alter Zwangsarbeiter) und Ensemble. Oper Frankfurt / Barbara Aumüller Bild in Detailansicht öffnen

„Lady Macbeth von Mzensk“ von Dmitri Schostakowitsch können Sie noch bis zum 12. Dezember an der Oper Frankfurt erleben.

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