Opernkritik Michael Wertmüllers neue Oper „Diodati“ in Basel

Michael Wertmüllers neue Oper „Diodati“ bezieht sich auf eine historische Zusammenkunft, bei der Mary Shelleys Roman "Frankenstein" entstand. Sie steuert auf eine minutenlange ohrenbetäubende Klangapotheose zu und erschlägt einen mit ihrem unbedingten Willen zum Urknall, meint unser Kritiker Karsten Umlauf.

Mit großer visueller Klarheit und einer guten Portion Humor setzt Regisseurin Lydia Steier „Diodati“ in Basel in Szene. Solisten, Musiker, Chor und vor allem Dirigent Titus Engel bewältigen die hochvirtuosen Anforderungen der Partitur bei der Premiere am 21. Februar fantastisch.

Inszenierungsbilder Michael Wertmüllers Oper „Diodati“ am Theater Basel

Diodati. Unendlich am Theater Basel (Foto: Pressestelle, Theater Basel - Foto: Sandra Then)
Ausgehend von einer historischen Zusammenkunft, bei der Mary Shelleys Roman "Frankenstein" entstand, erzählen der Schweizer Komponist Michael Wertmüller und die Dramatikerin Dea Loher in ihrer Oper "Diodati. Unendlich" eine Geschichte über die Suche nach Freiheit und Individualität in einer Welt, die aus dem Gleichgewicht geraten zu sein scheint. Die Musik ist ein komponierter Rausch aus Richard Strauss, Minimal Music, Zwölftonmusik und Freejazz.Im Bild: Kristina Stanek als Mary Godwin, Seth Carico als Dr. John Polidori und Holger Falk als George Gordon Noel Lord Byron. Pressestelle Theater Basel - Foto: Sandra Then Bild in Detailansicht öffnen
Für Michael Wertmüllers Musik gilt: von allem oder zumindest sehr vielem ist etwas dabei und nicht selten klingt es zur gleichen Zeit. Diese Gleichzeitigkeit ist erst mal auch auf der Bühne Prinzip. Man sieht den Chor in weißer Laborkleidung auf Treppenstufen stehen, offenbar Mitarbeiter des Kernforschungszentrums CERN in Genf, mit Beobachtungsbögen in den Händen. In der Mitte ein weißer Kubus, der sich zu einem Wohnraum aufklappt mit grüner Streifentapete und zunächst noch recht leblosen Insassen.Im Bild: Chor des Theaters Basel, Sara Hershkowitz als Claire Clairmont, Seth Carico als Dr. John Polidori, Rolf Romei als Percy Bysshe-Shelley, Samantha Gaul als Augusta Leigh, Kristina Stanek als Mary Godwin und Holger Falk als George Gordon Noel Lord Byron. Pressestelle Theater Basel - Foto: Sandra Then Bild in Detailansicht öffnen
Es geht um einen Reanimationsversuch: ein Treffen der Literaten Lord Byron und Mary Godwin mit ihrem späteren Ehemann Percey Shelley. Im Bild: Samantha Gaul als Augusta Leigh, Holger Falk als George Gordon Noel Lord Byron und Sara Hershkowitz als Claire Clairmont. Pressestelle Theater Basel - Foto: Sandra Then Bild in Detailansicht öffnen
Byrons schwangere Ex-Geliebte und sein Leibarzt sind auch dabei. Ein Treffen, das im Jahr 1816 tatsächlich in der Genfer Villa Diodati stattgefunden hat und bei dem wohl auch der Grundstein gelegt wurde für Mary Shelleys späteren Romanerfolg Frankenstein.Im Bild: Sara Hershkowitz als Claire Clairmont, Seth Carico als Dr. John Polidori, Chor des Theaters Basel, Kristina Stanek als Mary Godwin und Rolf Romei als Percy Bysshe-Shelley. Pressestelle Theater Basel - Foto: Sandra Then Bild in Detailansicht öffnen
Wie vermisst man das Geheimnis des Lebens, um es später möglicherweise selbst reproduzieren zu können? Mit großer visueller Klarheit und einer guten Portion Humor setzt Regisseurin Lydia Steier die Frage in Szene, die die englischen Romantiker vor 200 Jahren genau so bewegt hat wie die Forscher von heute. Und es kommt, wie es auch bei Frankensteins Monster kommen musste: Die Kunstgeschöpfe entwickeln ihr dämonisches Eigenleben und zerstören die Forschungseinrichtung.Im Bild: Statisterie des Theaters Basel, Holger Falk als George Gordon Noel Lord Byron, Sara Hershkowitz als Claire Clairmont und Seth Carico als Dr. John Polidori. Pressestelle Theater Basel - Foto: Sandra Then Bild in Detailansicht öffnen
Der zweite Teil des Abends besteht aus einer Sinnsuche der Freigeister, die von inzestuösen Verhältnissen bis zu metzgerähnlichen Operationen an einem toten Kind, von dadaistischem Gebrabbel bis zur hymnischen Begrüßung der programmierbaren Gen-Schere reicht. Auf dem Bild: Sara Hershkowitz als Claire Clairmont und Kristina Stanek als Mary Godwin. Pressestelle Theater Basel - Foto: Sandra Then Bild in Detailansicht öffnen
Im Bild: Seth Carico als Dr. John Polidori, Rolf Romei als Percy Bysshe-Shelley, Sara Hershkowitz als Claire Clairmont, Chor des Theaters Basel, Holger Falk als George Gordon Noel Lord Byron und die Statisterie des Theaters Basel. Pressestelle Theater Basel - Foto: Sandra Then Bild in Detailansicht öffnen
Im Bild: Statisterie des Theaters Basel, Chor des Theaters Basel, Kristina Stanek als Mary Godwin und Samantha Gaul als Augusta Leigh. Pressestelle Theater Basel - Foto: Sandra Then Bild in Detailansicht öffnen
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