Oper Die Hochzeit des Figaro bei IKEA: Die neue Inszenierung in Stuttgart

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Dauer
Sendedatum
Sendezeit
18:40 Uhr
Sender
SWR2

Figaro wird in Christiane Pohles Inszenierung an der Staatsoper Stuttgart in ein IKEA-Möbelhaus verlegt, es geht von einem Möbelschauraum in den nächsten.

Im Original von Mozart vermisst Figaro zu Beginn das Zimmer, hier vermisst er das Bett beim Möbelhaus IKEA. Passt es ins Zimmer? Und wird sich die Liebe an den Gegenstand binden?

Für Musikredakteur Bernd Künzig ist der Figaro (Michael Nagl) in Stuttgart nicht aufsässig genug, seine Verlobte Susanna (Esther Dierkes) zu brav. Das sei zu viel Loriot, zu viel Daily Soap.

Le nozze di Figaro von Wolfgang Amadeus Mozart

Le nozze di Figaro an der Stuttgarter Staatsoper (Foto: Martin Sigmund)
Im Original von Mozart vermisst Figaro am Anfang der Oper das Zimmer, hier vermisst er das Bett beim Möbelhaus IKEA. Passt das Bett ins Zimmer? Und bindet sich die Liebe an den Gegenstand? Auf dem Bild: Esther Dierkes (Susanna) und Michael Nagl (Figaro); im Hintergrund: Sarah-Jane Brandon (Gräfin Almaviva) Martin Sigmund Bild in Detailansicht öffnen
Ein Figaro also für die Generation IKEA. Da wird auf der Bühne von Natascha von Steiger ein Bettenschauraum nach dem anderen herein- und herausgefahren, die Türen gehen auf, die Türen gehen zu. Auf dem Bild: Michael Nagl (Figaro), Sarah-Jane Brandon (Gräfin Almaviva) und Esther Dierkes (Susanna) Martin Sigmund Bild in Detailansicht öffnen
Diese Mechanisierung der Alltagswelt ist wohl als eine der Gefühlswelt gemeint. Auf dem Bild: Christopher Sokolowski (Don Curzio), Friedemann Röhlig (Bartolo) und Johannes Kammler (Graf Alamviva) Martin Sigmund Bild in Detailansicht öffnen
Michael Nagl als Figaro fehlt die Aufsässigkeit. Der Graf von Johannes Kammler besitzt zu wenig Gefährlichkeit. Esther Dierkes als Figaros Verlobte Susanna ist zu brav ausführend. Und die Stimmmächtigkeit von Diana Haller viel zu groß für die Pubertätserotik des Cherubino. Martin Sigmund Bild in Detailansicht öffnen
Bei der Gräfin der Sarah-Jane Brandon sind Intonationsprobleme hörbar, die das Umschlagen ins Tragisch-Melancholische verhindern. Martin Sigmund Bild in Detailansicht öffnen
So beginnt auch der Slapstick der Komparserie, das über und auf den Betten Hüpfen, Überhand zu nehmen und führt zu einem verzappelten Finale des ersten Akts. Das ist zu viel Loriot, zu viel Louis de Funés und auch zu viel Daily Soap. Auf dem Bild: Esther Dierkes (Susanna), Sarah-Jane Brandon (Gräfin Almaviva) und Diana Haller (Cherubino) Martin Sigmund Bild in Detailansicht öffnen
Am Dirigentenpult hält Roland Kluttig das flotte Tempo der musikalischen Komödie durchaus mit Tiefsinn zusammen. Aber auch er schafft es nicht, für die bei dieser großen Ensembleoper so notwendige stimmliche Homogenität zu sorgen. Auf dem Bild: Johannes Kammler (Graf Alamviva) Martin Sigmund Bild in Detailansicht öffnen
Regisseurin Christiane Pohle bleibt in ihrer Inszenierung unentschlossen. Zu dieser Unentschlossenheit der Regie passt leider auch die des Ensembles. Es wird in Stuttgart durchaus gut gesungen. Aber nicht immer als passende Rollengestaltung. Auf dem Bild: Esther Dierkes (Susanna) und Michael Nagl (Figaro), Staatsopernchor Stuttgart und Statisterie der Staatsoper Stuttgart Martin Sigmund Bild in Detailansicht öffnen

Die Premiere der Inszenierung war am 1. Dezember 2019, die Oper ist noch bis zum 14. April 2020 an der Staatsoper Stuttgart zu hören.

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