Shows in ganz Deutschland am 12. November Die Kabarett-Initiative „Sisters of Comedy“

Es gibt Tennis und Damen-Tennis. Diese Erkenntnis stammt von Boris Becker und ist über 30 Jahre alt. Auch 2018 fühlen sich Kabarettistinnen noch abgeschoben in ein „Ghetto“. So empfinden es jedenfalls die 354 Künstlerinnen, die sich zu der Initiative „Sisters of Comedy- nachgelacht!“ zusammen geschlossen haben. An vielen Häusern gebe es eben Kabarett - oder „Frauen-Kabarett“.

Quotiertes Lachen sei das, meinen die Kabarettistinnen, und eine Art Diskriminierung. Und deshalb gehen sie am 12. November, dem 100. Jahrestag des Frauen-Wahlrechts, in die feministische Humor-Offensive: Mehr als 100 Kabarettistinnen treten gleichzeitig an 28 Spielorten in 25 Städten vor ihr - gemischtes! - Publikum.

Die Kabarettistin und Liedermacherin Dagmar Schönleber im Gespräch

„Darf die Tante lustig sein?“

Eine der Initiatoren des Projekts "Sisters of Comedy" ist die Kabarettistin und Liedermacherin Dagmar Schönleber. „Ich merke oftmals, dass, wenn man als Frau auf die Bühne geht, man eine andere Hürde überwinden muss als die Männer", sagt sie im SWR2-Gespräch. Die Erwartungshaltung im Publikum sei bei Kabarettistinnen immer noch: "Na, ob die Tante das denn kann!? Kann die lustig sein, darf die lustig sein?"

Dauer

Kabarett von Frauen heißt nicht Kabarett über Frauenthemen

Die Befürchtung bei Publikum und Veranstaltern sei da, dass Frauen nur über Menstruationsbeschwerden oder Bindegewebe sprächen oder sich über Männer lustig machten, sich also nur auf Frauenthemen beziehen würden, so Dagmar Schönleber: „Das ist ja überhaupt nicht mehr aktuell. Wir möchten dazu kommen, dass es normal ist, dass eine Frau auf die Bühne geht und einfach - wie ein Mann - Themen des Alltags aus ihrer Sicht bespricht.“

Häufig gilt das Prinzip: „Nur eine Frau pro Show“

Häufig gelte bei Veranstaltungen das Prinzip „Eine Frau pro Show. Nicht mehr. Denn mehr als eine Frau pro Show ist schon wieder eine Lady's Night“, schildert Dagmar Schönleber ihre Erfahrungen. Bei Sisters of Comedy hätten die Initiatorinnen daher versucht, alle deutschsprachigen Humoristinnen auf einer Internetseite zu versammeln, „um zu zeigen, dass wir viele sind“.

Kleinkunstbörsen-Bühnenprogramm - ohne eine einzige Frau

Die beiden Mitinitiatorinnen von Sisters of Comedy, Patrizia Moresco und Carmela de Feo, haben ähnliche Erfahrungen gemacht. Als Carmela de Feo auf der Kleinkunstbörse in Freiburg als Moderatorin beim zweitägigen Bühnenprogramm nicht eine einzige Kollegin ankündigen durfte, dafür aber über zwanzig männliche, ging sie mit einer Tapetenrolle auf die Bühne. Darauf: die Namen von 160 Künstlerinnen die auch gerne für Auftritte gebucht würden.

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