Bühne Volksstück der wilden Zwanziger: Das Fräulein Pollinger nach Ödon von Horvath in Stuttgart

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Dauer
Sendedatum
Sendezeit
12:33 Uhr
Sender
SWR2

Kann zünftiges Volkstheater aus den 1920er-Jahren heute noch aktuell sein? Die Antwort versucht die Stuttgarter Tri-Bühne zu geben. Nach einer Romanvorlage von Ödon von Horvath beschäftigt sich das Theater im Stück „Das Fräulein Pollinger“ mit dieser Zeit.

Wie so oft bei Horvath richtet sich der Blick dabei auf das Schicksal der Frauen, die oftmals Opfer werden in einer gefühlskalten Gesellschaft, vor dem Hintergrund der Weltwirtschaftskrise und des aufkommenden Faschismus.

Das Fräulein Pollinger

Das Fräulein Pollinger von Traugott Krischke nach Ödön von Horváth (Foto: Laura Kifferle, tri-bühne Stuttgart)
An Biertischen platziert sich das Publikum in der Stuttgarter tri-bühne. Die Schauspieler servieren Getränke. Ein bisschen erhöht im Raum eine Parkbank. Dort begegnen sich zufällig der Kellner Eugen Reithofer und die junge Schneiderin Agnes Pollinger. Beide arbeitslos. Im Bild: Christian Werner (Eugen Reithofer) und Natascha Kuch (Agnes Pollinger) Laura Kifferle, tri-bühne Stuttgart Bild in Detailansicht öffnen
Das Fräulein Pollinger lässt sich auf eine kurze Affäre mit dem feschen Burschen ein. Doch die Not macht keine normale Beziehung möglich. Im Bild: Christian Werner (Eugen Reithofer) und Natascha Kuch (Agnes Pollinger) Laura Kifferle, tri-bühne Stuttgart Bild in Detailansicht öffnen
In der Wohnung ihrer Tante trifft sie auf den schmierigen Untermieter Kastner. Der überredet sie, als Nacktmodell für einen Künstler zu arbeiten. Im Bild: Melchior Morger (Herr Kastner) Laura Kifferle, tri-bühne Stuttgart Bild in Detailansicht öffnen
Das Schicksal nimmt seinen Lauf. Die Männer, die sie trifft, beuten die junge Frau aus dem kleinbürgerlichen Milieu aus. Am Ende muss sie sich tatsächlich prostituieren, um nicht zu verhungern. Im Bild: Natascha Kuch (Agnes Pollinger) Laura Kifferle, tri-bühne Stuttgart Bild in Detailansicht öffnen
Intendantin Edith Körber setzt das rasant in Szene. Mal anrührend, mal bissig, mal sehr witzig. Im Bild: Melchior Morger (Herr Kastner), Natascha Kuch (Agnes Pollinger) und Stefani Matkovic (Fredy Wondruschka) Laura Kifferle, tri-bühne Stuttgart Bild in Detailansicht öffnen
Die Geschichte vom Abstieg des Fräulein Pollinger zur Prostituierten konterkarieren schmissige 20er-Jahre-Lieder, die von einem schöneren Leben erzählen. Im Bild: Stefani Matkovic (Erzählerin) und Sebastian Huber (Erzähler) Laura Kifferle, tri-bühne Stuttgart Bild in Detailansicht öffnen
Fräulein Agnes im hautfarbenen 20er Jahre Hängekleidchen. Die Herren in Tweed mit passender Mütze, der Zuhälter am Ende mit Oberlippenbärtchen und im Frack. Edith Körber belässt das Stück in seiner Zeit. Im Bild: Stefani Matkovic (Fredy Wondruschka) Laura Kifferle, tri-bühne Stuttgart Bild in Detailansicht öffnen
Doch es entfaltet seine Wirkung. Erzählt vom aufkommenden Faschismus genauso wie von der chancenlosen Situation der kleinen Leute. Im Bild: Das Ensemble - Natascha Kuch, Stefani Matkovic, Sebastian Huber, Christian Werner und Melchior Morger Laura Kifferle, tri-bühne Stuttgart Bild in Detailansicht öffnen
Und es erzählt vor allem von den Frauen als Opfer der Ausbeutung. Sehr authentisch. Im Bild: Natascha Kuch (Agnes Pollinger) und Christian Werner (Arthur Maria Lachner) Laura Kifferle, tri-bühne Stuttgart Bild in Detailansicht öffnen
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