Bühne Tanzen im S21-Beton: „Motor City Super Stuttgart“ mit Schorsch Kamerun

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6:00 Uhr
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SWR2

Stuttgart 21 kostet mindestens acht Milliarden Euro, ist unverändert umstritten - und wird nun auch zum Musik- und Bühnenstoff. In der Baugrube, zwischen den neuen Kelchstützen für die Bahnhofshalle, findet die Premiere von „Motor City Super Stuttgart“ an. Schorsch Kamerun von den Goldenen Zitronen will mit den Stuttgarter Philharmonikern eine „Mut machende Dystopie-Sinfonie“ aufführen.

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22:45 Uhr
Sender
SWR Fernsehen

Inmitten von Kränen, halbfertig gegossenen Betonelementen übt Kamerun mit seiner Konzertperfomance keine direkte Kritik an Stuttgart 21. Aber er hinterfragt überdimensionierte Großprojekte.  Dazu performen zur eigens komponierten Musik, zu Purcell und Händel verschiedene Laiendarsteller - als verkleidete Journalisten, Investoren und Touristen wandern sie über die Baustelle.

Bühne Tanzen im S21-Beton: „Motor City Super Stuttgart“ mit Schorsch Kamerun

Theater Rampe - Motor City Super Stuttgart (Foto: Foto: Dominique Brewing)
In der riesigen Baugrube von Stuttgart 21, unter einem der bereits fertigen Betonkelche, die später das Dach des Bahnhofes tragen, sitzen die Stuttgarter Philharmoniker. Mittendrin der Punksänger, Performancekünstler und Erfinder des Projektes „Motor City Super Stuttgart“. Foto: Dominique Brewing Bild in Detailansicht öffnen
Schorsch Kamerun singt: „Keine Vögel, Fische, Pflanzen, ich will nur im Beton tanzen. Zurück zum Beton, zurück zum Beton…“ Kameruns Kommentar zur umstrittenen Riesenbaustelle Stuttgart 21. Die hat er als Kunstort ausgesucht, weil ihn das Kulturamt beauftragt hat, ein Projekt in der Stadt zu realisieren. Imago Carsten Thesing Bild in Detailansicht öffnen
Dafür holte sich Schorsch Kamerun viele Partner ins Boot, unter anderem die Stuttgarter Philharmoniker, die Staatstheater, das Theater Rampe, die Internationale Bauausstellung Stuttgart und Bürger der Stadt - um nur einige zu nennen. Foto: Dominique Brewing Bild in Detailansicht öffnen
Ein Projekt mit dem man leicht zwischen die Fronten der Gegner und Befürworter geraten kann. Schorsch Kamerun nimmt das in Kauf: „Das heißt ja nicht, dass wir da jetzt sagen ,Scheiß-Stuttgart 21‘ oder aber das Gegenteil.“ Er glaube aber auch nicht, den Befürwortern oder Gegnern eine jeweils andere Meinung nahelegen zu können. Er wolle Denkanstöße geben. Foto: Dominique Brewing Bild in Detailansicht öffnen
Inmitten von Kränen, halbfertig gegossenen Betonelementen übt Kamerun mit seiner Konzertperfomance keine direkte Kritik an Stuttgart 21. Aber er hinterfragt überdimensionierte Großprojekte. Zur eigens komponierten Musik, zu Purcell und Händel, performen verschiedene Laiendarsteller. Sie wandern als verkleidete Journalisten, Investoren und Touristen über die Baustelle. Foto: Dominique Brewing Bild in Detailansicht öffnen
Sängerinnen und Sänger des Laienchores Rohrer Lied Ensemble schleppen fortwährend Zitronenbäumchen und andere Pflanzen in die Betonwüste. Scheitern als Chance – das propagiert der Schauspieler Robert Rožić als Immobilienscout: „Wissen Sie, was aus dem Atomkraftwerk in Kalkar wurde? Ein Vergnügungspark. Und diese Katastrophe hier? Mir schaffet des, weil mir‘s lasset. Ja.“ Foto: Dominique Brewing Bild in Detailansicht öffnen
Stuttgart 21 einfach bleiben lassen? Kamerun verwandelt die Baustellenödnis in einen kleinen Vergnügungspark, mit einem aufblasbaren Regenbogen. Unter Palmen haben es sich Leute in Liegestühlen gemütlich gemacht, eine Plastikgiraffe und ein Elefant schauen dabei zu. Foto: Dominique Brewing Bild in Detailansicht öffnen
Ein Flaneur marschiert auf und ab, beobachtet das muntere Treiben. Große silberne Bälle rollen hin und her. Dabei erfordert die Baustelle immer wieder Improvisation. Opernsängerin Josefin Feiler verpasst fast ihre Händelarie, weil sie sich den Weg durch den Chor bahnen muss, der die Treppe blockiert, die in den tiefsten Teil der Baugrube führt. Foto: Dominique Brewing Bild in Detailansicht öffnen
Im Lauf des Abends liegt die Baustelle dann ganz still. Schorsch Kamerun lässt sich über die Grenzen des Wachstums aus, die seiner Meinung nach längst erreicht sind (links, hier im Gespräch mit Kunscht!-Reporter Steffen König). Worüber er schon einmal mit dem baden-württembergischen Ministerpräsidenten Kretschmann diskutiert habe, „der dann eben sagte: ,Schön, Schorsch, das kannst Du denken. Aber dafür werde ich nicht gewählt.‘ Dabei weiß eigentlich die ganze Welt, dass es so nicht weitergehen wird, auf keinen Fall. Da wäre Nachdenken über eine Umkehr eigentlich ganz clever. Wir tun das schon.“ Bild in Detailansicht öffnen
Wie könnte sie aussehen, diese neue Stadt? Die Konzertperformance „Motor City Super Stuttgart“ hat dazu vielleicht ein paar Anregungen parat. Auch wenn sie für Stuttgart vielleicht zu spät kommen. Foto: Dominique Brewing Bild in Detailansicht öffnen

Ein Projekt, mit dem man leicht zwischen die Fronten der Gegner und Befürworter geraten kann. Schorsch Kamerun nimmt das in Kauf: „Das heißt ja nicht, dass wir da jetzt sagen ,Scheiß-Stuttgart 21‘ oder aber das Gegenteil.“ Er glaube aber auch nicht, den Befürwortern oder Gegnern eine jeweils andere Meinung nahelegen zu können. Er wolle Denkanstöße geben.

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