Bühne „Ngunza – der Prophet“. Kolonialgeschichte Kongos am Theater Konstanz

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12:33 Uhr
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SWR2

Simon Kimbangu predigte Gewaltfreiheit und saß dafür 30 Jahre im Gefängnis, in Belgisch-Kongo, bevor die Kolonie ihre Unabhängigkeit erhielt. Davon erzählt jetzt ein Theaterstück, das der Luxemburger Autor Rafael David Kohn für das Theater Konstanz geschrieben hat.

Gewaltfreier Widerstand gegen die Kolonialherren in Belgisch-Kongo

Es ist das Jahr 1921, Simon Kimbangu wird in der belgischen Kolonie Kongo als Nachfolger Christi verehrt, er soll Wunder tun, man nennt ihn Ngunza, den Propheten. Doch als Antwort auf gewaltlosen Widerstand schicken die belgischen Kolonialherren ihre Soldaten.

Der Schwarzafrikaner Charles will das nicht hinnehmen. Er war für die belgischen Kolonialherren im Ersten Weltkrieg, wo er erfahren hat, dass Europäer sich gegenseitig abschlachteten, mit Bomben, Gas und Flugzeugen. Zurück im Kongo findet er sich nicht mehr in seinem Leben zurecht.

Ehemalige afrikanische Soldaten im Ersten Weltkrieg galten als Kollaborateure

Damit ist Charles ein Beispiel für viele afrikanische Soldaten, die in den Armeen ihrer Kolonialherren gedient haben und dafür ihre Kultur, ihre Familien für viele Jahre zurückgelassen haben, wie Regisseur Ramsés Alfa erzählt. Als sie aus dem Krieg zurück kamen, sah man sie in der Heimat als Kollaborateure an. „Sie stecken zwischen zwei Welten, ihre Brüder weisen sie zurück, genauso wie die, denen sie gedient haben. Das ist der Konflikt, den Charles in diesem Stück lebt“, so Ramsés Alfa.

Die Schauspieler kommen aus Nigeria, Malawi und Togo

Ramsés Alfa aus Togo inszeniert das Auftragswerk in der Spiegelhalle des Theaters Konstanz mit Schauspielern aus Nigeria, Malawi und Togo. Sie sprechen französisch, deutsch, englisch und westafrikanisches Mende – Übersetzungen werden auf die Wände projiziert, der traditionelle Gesang ist auf Kabiyé.

Szene aus "Ngunza" am Theater Konstanz (Foto: Theater Konstanz / Iljas Mess)
Szene aus "Ngunza" am Theater Konstanz Theater Konstanz / Iljas Mess

Die Folgen der Kolonialzeit sind heute noch spürbar

Im Bühnenraum sind schwarze Stufen mit Ethno-Graffiti bemalt, in neonblauen Nebenschwaden tritt ein Aniota auf, ein Leopardenmensch – Mitglied eines kriegerischen Geheimbundes in Belgisch-Kongo. Von ihm will Charles eine Waffe kaufen und einen belgischen Verwalter töten, ein Zeichen setzen gegen das Terrorregime der Kolonialherren. Widerstand – gewaltfrei oder blutig? Eine Frage, die sich für Regisseur Ramsés Alfa bis heute in Afrika stellt.

Europa hat Afrika noch nicht aus seinen Klauen gelassen. Europa beutet Afrika weiter aus, wo immer es ausbeuten kann. Das geht weiter. Diese Geschichte von einst ist immer noch aktuell.

Regisseur Ramsés Alfa

Ein komplexes Stück, das den Zuschauern einiges abverlangt

Den Zuschauern dürfte das gut einstündige Stück in seiner Komplexität und dem Sprachenmix einiges abverlangen. Ein Abspann auf der Bühnenwand und das Programmheft liefern deshalb Hintergrundinformationen, zum belgischen Kolonialismus und zur Religion des Kimbanguismus, zu dem sich noch heute im Kongo etwa fünf Millionen Menschen bekennen.

Ngunza - Der Prophet am Theater Konstanz, Spiegelhalle. Uraufführung am 17. November 2019. Weitere Aufführungen im November und Dezember.

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