Bühne Diese Bühnen-Premieren im Südwesten sind die Highlights im Herbst

Bühne Diese Bühnen-Premieren im Südwesten sind die Highlights im Herbst

Theater-, Oper- und Konzertpremieren im Herbst 2019 (Foto: Imago, Carsten Thesing)
„Stuttgart 21“ wird von der Baustelle zur Bühne – auf der düstere Musik gespielt wird. Schorsch Kamerun formt mit Künstlerinnen aus Stuttgart und Stuttgarter Philharmonikern „die riesige Umgrabung“ zu einer klanglichen Rückkopplung um. Der Musikabend „Motor City Stuttgart“ am 19. September im Schauspiel Stuttgart erinnert an den dystopischen Apparatesound von „Detroit Techno City“. Schorsch Kamerun ist bekannt als Sänger der Hamburger Band „Die Goldenen Zitronen“. Imago Carsten Thesing
„Pasionaria“ – das soll ein futuristisch-dystopischer Bühnenplanet sein. Auf ihm bewegen sich künstliche Wesen, die menschliches Leben zwar perfekt imitieren können, jedoch alles vermissen lassen, was Menschen ausmacht: innere Empfindung, Eros und Hingabe, Leiden, Trauer und Schmerz. Ein Programm des weltweit bekannten spanischen Choreografen Marcos Morau und seiner Tanzkompanie La Veronal am 27. September im Theater Freiburg. Imago Martin Müller
„Auf unseren Bühnen wurde lange genug deutsch gesprochen. Jetzt ist es Zeit für Klartext.“ Der neue Harald Schmidt klingt unheimlich, sieht unheimlich aus und möchte „alte Gewohnheiten bewusst dystopisch bearbeiten“. Wobei nicht klar scheint, was bei den Abenden des Late-Night-Altmeisters ab dem 28. September unter dem Titel „Echt Schmidt“ im Schauspiel Stuttgart herauskommen wird. „Ich lasse mich selbst überraschen“, wird der „ehemalige belgische Steuerflüchtling“ in der Ankündigung zitiert. Schauspiel Stuttgart
Der Mexikaner Juan Orozco singt bei der Premiere am 28. September am Theater Freiburg eine der schönsten Opernpartien, die es gibt: Verdis Falstaff. Shakespeares berühmteste komische Figur existiert zum Selbstzweck, für nichts als den eigenen Bauch. Begierden, Eskapaden, Irrtümer – auf diese Mischung kam es Giuseppe Verdi an. Die Zeitgenossen waren überrascht, als er sein Tragödien-Schaffen mit einer musikalischen Komödie beschloss. Dunkel ist sie geworden - dennoch federleicht und bitterböse. Theater Freiburg/Sebastian Mölleken
Das Theater Konstanz bringt mit „Junge Hunde“ am 28. September einen Coming-of-Age Roman von Christoph Nix auf die Bühne und schildert den Weg eines jungen Menschen während der 68er-Zeit in den linken Widerstand. Ein Stoff, mit dem das Theater die aktuelle Frage neu beantworten möchte, wann der Widerstand des einzelnen beginnen sollte. Felix Kästle
Ein neuer Ingmar-Bergman-Abend von Regisseurin Anna Bergmann zur Eröffnung der Spielzeit am Staatstheater Karlsruhe: „Passion – Sehnsucht der Frauen“ am 5. Oktober. Diesmal verwebt die Karlsruher Schauspieldirektorin die Geschichten aus Ingmar Bergmans Filmkomödie „Sehnsucht der Frauen“ (1952) mit Szenen aus seinen Filmen „Wie in einem Spiegel“ (1961) und „Eine Passion“ (1968) zu einem dichten Kammerspiel. Geheimnisse aus der Vergangenheit der Frauen verbinden sich mit gegenwärtigen Ereignissen. epd Pressebild Wentzell
Er ist ein klassischer Jugendlicher der Wende von 1989: der damals 16-jährige Peter Richter aus Dresden, der 25 Jahre später als Journalist und Autor ein Buch über die letzten Tage der DDR schreibt. Das Theater Freiburg präsentiert am 11. Oktober seinen Roman „89/90“ als Bühnenstück, das den Blick auf diese Jahre und das Bild der „friedlichen Revolution“ verändern soll. Schon damals war die rechte Szene im Osten ausgeprägt. Theater Freiburg
Elfriede Jelinek will ergründen, woher die namenlose Wut kommt, die plötzlich aus Menschen herausbricht und sich scheinbar gegen alles und jedes richten kann. Wut auf „die da oben“, die Wut der abgehängten Kleinbürger auf die elitären Großbürger. Und natürlich empfindet man irgendwann auch Wut auf all die Wütenden, die alles in Frage stellen, Demokratie und Liberalität. Woher kommt die plötzliche, narzisstische Selbstermächtigung der sich ohnmächtig Fühlenden? Am 18. Oktober im Theater Freiburg. Karl Schöndorfer
Das Staatstheater Karlsruhe setzt seine Reihe großer französischer Opern fort. Nach den Trojanern und dem Propheten folgt jetzt mit der Premiere des „Faust“ von Gounod am 19. Oktober eine Oper, die für das Ensemble Paraderollen bietet. Die Musikalische Leitung hat wie bei Gounods „Roméo et Juliette“ Daniele Squeo. Die Regie führt der britische Regisseur Walter Sutcliffe. Picture Alliance
Ständig sucht der Mensch nach Erlösung von der ewigen Frage nach dem Sinn des Daseins. In einer Zeit des „medialen Dauerfeuers“ scheint die Diktatur der einfachen Antworten dafür besonders gute Gelegenheiten zu bieten. Ein interessanter Ausgangspunkt für die Inszenierung von Becketts Klassiker „Warten auf Godot“ am 19. Oktober am Mannheimer Nationaltheater in der Regie von Sandra Strunz. Picture Alliance
Die großen Phantasiestoffe von E. T. A. Hoffmann sind ein Schwerpunkt am Theater Freiburg. Nach der Aufführung von „Der goldne Topf“ und der Offenbach-Oper „Hoffmanns Erzählungen“ während der vorausgegangenen Spielzeiten wird am 19. Oktober der flämische Regisseur Stef Lernous den schwarzen Roman „Der Sandmann“ auf die Bühne bringen, den Sigmund Freud als exemplarische Studie über Verdrängung kindlicher Traumata und das allmähliche Abgleiten in den Wahnsinn deutete. Picture Alliance
Lotte de Beer blickt mit ihrer Inszenierung von Verdis „Don Carlos“ in eine womöglich nicht allzu ferne Zukunft. Am düsteren Horizont: die Entstehung eines neuen Gottesstaates. Ein Regime der Angst soll sicherstellen, wessen Leben als politische Verhandlungsmasse verfügbar ist und wessen Leben um jeden Preis geschützt werden muss. Premiere ist am 27. Oktober an der Staatsoper Stuttgart. Hans-Klaus Techt

Ein dystopischer Harald Schmidt in Stuttgart, „Wut“ von Elfriede Jelinek in Freiburg, „Passion“ von Ingmar Bergman in Karlsruhe: das sind nur einige der großen Premieren der Bühnen im Südwesten. Wir sagen Ihnen, welche Herbst-Termine Sie nicht verpassen sollten. Die Highlights der beginnenden Saison.

Diese Opern-, Theater- und Konzertpremieren sollten Sie nicht verpassen

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