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Das Aleph Gitarrenquartett mit Musik von Bernhard Lang Auf den Spuren des Wanderers

CD-Tipp vom 7.11.2017

CD-Cover Bernhard Lang - The Cold Trip

CD

Titel:
Bernhard Lang: The Cold Trip
Interpret:
Sarah Maria Sun, Juliet Fraser, Mark Knoop, Aleph Guitar Quartet
Komponist:
Bernhard Lang
Label:
KAIROS 0015018KAI
Preis:
19,99 Euro

“As a stranger I arrived” ... Im deutschen Original: „Fremd bin ich eingezogen“. Mit dieser Zeile beginnt Franz Schuberts Liederzyklus "Die Winterreise". 24 Lieder über eine unglückliche Liebe, über das Wandern, über den Winter. Schuberts Winterreise ist der Inbegriff des Liederzyklus. Das eine Gattung prägende Werk. Bernhard Lang hat das Stück neu aufgelegt, neu befragt, neu komponiert.

„The Cold Trip“ heißt der Liederzyklus bei Bernhard Lang. „The Cold Trip“ sind, wie bei Schubert, 24 Lieder. 12 davon für Sopran und Gitarrenquartett, 12 für Sopran und Sampler. Es ist nicht das erste Mal, dass Lang das Werk eines anderen Komponisten bearbeitet. Im Gegenteil: „The Cold Trip“ ist Teil eines größeren Werkkomplexes, bei dem Lang historische Werke manipuliert, zersetzt, dekonstruiert. Schubert ist bereits mehrfach Gegenstand solcher Untersuchungen geworden, aber auch Purcell, Mozart, Beethoven, Chopin, Brahms und Bruckner. Monadologie nennt Bernhard Lang solche Bearbeitungen; in Anlehnung an Gottfried Wilhelm Leibniz, der mit dem Begriff Monade, Elemente oder Substanzen bezeichnete, auf die alles zurückzuführen ist, auf die die Einheit der Welt zurückgeht. Lang, so darf man diesen Titel verstehen, isoliert aus den Meisterwerken solche Elemente. Mit denen komponiert er dann aber seine eigene Musik. Denn das ist das Besondere an diesen Bearbeitungen: Lang verleiht ihnen einen eigenen Ton.

Bernhard Lang, 1957 in Linz geboren, wurde berühmt damit, dass er sich nicht scherte. Nicht darum, was Neue Musik zu sein habe. Nicht darum, ob ein musikalischer Stil jetzt der Hochkultur zuzurechnen ist oder nicht. Er hat mit traditioneller Folkore gearbeitet, mit Jazzmusikern, mit Rappern. Scheinbar mühelos ist es Lang gelungen, all diese Stile in seinem eigenen zu verschmelzen. Mit einem eigenen Ton, der seine Basis ganz klar in der Neuen Musik hat, dessen Selbstverständnis sich von der Tradition der Konzertsaalmusik her speist, der aber mit seinen Wiederholungen, seinen Grooves, seinen rockigen Sounds eben auch viel anderes in sich aufnimmt. „The Cold Trip“ enthält Spuren von Schubert. Aber es ist eben ein Trip von Bernhard Lang.

Nachdem der Zyklus mehrfach aufgeführt wurde, hat das Label Kairos ihn jetzt auf CD veröffentlicht. Teil 1 mit Sarah Maria Sun und dem Aleph Gitarren Quartett. Teil 2 mit Juliet Fraser und dem Pianisten und Keyboarder Mark Knoop. Vor allem der erste, im ZKM in Karlsruhe aufgenommene Teil, wirkt auf der CD mit seiner klaren, kühlen Produktionsästhetik beispielhaft. Der live in London aufgenommene zweite Teil, ist mit seiner größeren Beweglichkeit und seinem vielschichtigeren Klangbild eine perfekte Ergänzung zum ersten Teil. Es gelingt Lang und seinen Interpreten, die aussichts- und trostlose Landschaft des schubertschen Wanderers in die Gegenwart zu übersetzen. The Cold Trip ist eine Reise in Eis und Finsternis, Hoffnungslosigkeit und Einsamkeit.

CD-Tipp vom 7.11.2017 aus der Sendung "SWR2 Cluster"

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