Bitte warten...
Astronautinnen gesucht

Frauen ins All Astronautinnen gesucht!

Gespräch mit Marta Siwinski von Space Operations GmbH

Am Internationalen Welt-Frauentag spricht sich Bundespräsident Gauck für die "Gleichberechtigung von Frauen im Arbeitsalltag" aus. Die Kampagne "die Astronautin" hat jetzt ein Casting für die erste deutsche Astronautin ausgerufen. Interessierte Frauen können sich schon jetzt für den Job auf der Raumstation ISS bewerben. SWR2 Impuls sprach mit Marta Siwinski von HE Space Operations GmbH.

Was ist so ein Tag wie der Welt-Frauentag eigentlich? Eine Alibi-Veranstaltung oder wirklich ein Motor für entscheidende Veränderungen?

Seit über 100 Jahren nutzen Frauen diesen 8. März, um auf weibliche gesellschaftliche Defizite aufmerksam zu machen, und wir möchten mit unserer Kampagne "Die Astronautin" bewegen, dass sich nach elf deutschen Männern eine deutsche Frau traut, in den Weltraum zu fliegen.

Sie sind Assistentin der Geschäftsführung des Unternehmens HE Space Operations GmbH in Bremen. Dieses Unternehmen hat ein Casting ausgerufen. Es sucht Astronautinnen bzw. die erste deutsche Astronautin, die irgendwann einmal ins All fliegen soll. Was muss ich denn mitbringen, um bei diesem Casting mitmachen zu können, vorausgesetzt, ich wäre eine Frau?

Die Frauen müssten ein wissenschaftliches Studium haben, entweder Ingenieurin oder irgendetwas Naturwissenschaftliches, Medizin. Alles, was im MINT-Bereich ist, ist von Vorteil. Dazu müssten sie psychisch wie auch physisch in sehr guter Verfassung sein, da die Arbeit im All ziemlich belastend ist.

Also ich darf keine Depressionen haben zum Beispiel. Ich sollte körperlich gesund sein.

Genau. Keine Abhängigkeiten, keine Depression. Sie müssten wie gesagt psychisch sehr stark sein. Ausgeprägte Orientierungsfähigkeiten, handwerkliches Geschick ist von Vorteil, psycho-kognitive Anforderungen wie auch sehr gutes Urteilsvermögen, Konzentrationsfähigkeit, ein gutes Gedächtnis, räumliche Orientierung, das alles ist sehr förderlich.

Wie testen Sie diese Kompetenzen?

Wir haben eine Kooperation mit dem DLR (Deutsches Zentrum für Luft- und Raumfahrt). Die werden alle medizinischen und psychologischen Tests mit unseren Bewerberinnen durchführen.

Das Ganze dient dazu – ich sage es mal ein bisschen spitz - die Quote der Frauen unter den Astronauten zu heben, weil der Weltraum ja in erster Linie männlich besetzt ist. Von Männern ist ja immer nur die Rede, Alexander Gerst zum Beispiel. Wollen Sie das mit dieser Kampagne ändern?

In Amerika zum Beispiel stellen Frauen 50 Prozent des Corps. Hier hinken wir noch hinterher. Es gibt zwei europäische Frauen, die geflogen sind, vor Kurzem Samantha Christoforetti, die Italienerin. Und wir möchten gerne die deutsche weibliche Raumfahrt nach vorne bringen und die erste deutsche Astronautin finden.

Aber warum ist die Quote bei uns so niedrig, woran liegt das?

Das liegt daran, dass es zum einen immer noch mehr besser ausgebildete Männer gibt, und die tollen Frauen, die es gibt, die sieht man bisher nicht. Deswegen haben wir aufgerufen, dass sie sich alle bewerben und trauen sollen. Bei Frauen ist es meistens so: die bewerben sich nur, wenn sie davon ausgehen, dass sie 100% leisten können und Männer sind da ein bisschen mutiger und bewerben sich einfach.

Also man kann nicht sagen: es gibt prinzipiell zu wenig Frauen, die zum Beispiel einen Superabschluss in Physik haben? Die gibt es schon, nur die trauen sich dann nicht?

Die sind ein bisschen zögerlicher, was die Bewerbung angeht, weil sie wie gesagt sehr hohe Anforderungen an sich selbst legen, aber wir haben jetzt in den letzten Tagen, seit wir den Aufruf haben, gemerkt, dass im Minutentakt supertolle Bewerbungen von deutschen Frauen eintrudeln.

Wie viele haben Sie ungefähr beisammen, wie viele Bewerbungen?

Also in den letzten zwei Tagen fünfzig.

Könnte man vielleicht auch sagen, dass hauptsächlich Männer entscheidende Posten auch mit Personalentscheidung besetzen in der Raumfahrtindustrie? Dass es daran vielleicht auch liegt?

Dass ist vermutlich einer der Punkte; dass die Raumfahrt eine Männerdomäne ist und dass auch in solchen Ebenen die Männer noch mitentscheiden.

Es ist ja wahrscheinlich nur eine Kandidatin, die durchkommen wird?

Wir haben bisher vor, dass wir zwei oder drei letzte Astronautinnen auf der ILA (Internationale Luft- und Raumfahrtausstellung) in Berlin vorstellen.

Was passiert denn mit der Kandidatin, die es letztendlich schafft?

Die Kandidatin, die es schafft, fängt im Januar 2017 an mit dem Astronautentraining im Sternstädtchen in Russland, und bekommt das komplette Programm, um nachher fit genug zu sein – körperlich wie psychisch – um zur ISS fliegen zu können.

Kann man sich noch bewerben?

Man kann sich noch bis zum 30. April bewerben, auf der Website dieastronautin.de und auf unserer Firmenwebsite www.hespace.com .

Mehr zum Thema im SWR:

Mehr zum Thema im WWW:

Im Programm

Antonio Vivaldi:
Konzert g-Moll RV 578
Rachel Podger, Bojan Čičić (Violine)
Alison McGillivray (Violoncello)
Brecon Baroque
Josef Suk:
Allegro ma non troppo e grazioso aus der Serenade Es-Dur op. 6
Budapest Strings
Leitung: Károly Botvay
Karl Julewitsch Dawidow:
Finale aus dem Violoncellokonzert Nr. 4 e-Moll op. 31
Wen-Sinn Yang (Violoncello)
Shanghai Symphony Orchestra
Leitung: Terje Mikkelsen
Johann Christian Bach:
Sinfonie D-Dur op. 18 Nr. 6
Akademie für Alte Musik Berlin
Johann Evangelist Brandl:
Allegro ma non troppo aus dem Quintett F-Dur op. 62
Calamus-Ensemble
Claude Debussy:
"Danse profane"
Lisa Wellbaum (Harfe)
Cleveland Orchestra
Leitung: Pierre Boulez
Giovanni Maria Bononcini:
Sonate g-Moll
Musica Antiqua Latina

Weitere Themen in SWR2