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Die „Tage der deutschsprachigen Literatur“ inklusive der Verleihung des Ingeborg-Bachmann-Preises gab es 2020 in einer digitalen Version. Ein spannendes Experiment, aber laut ORF „möglichst nah am Original“.

Was lange währt: Helga Schubert wird Bachmann-Preisträgerin 2020

Die 44. Ausgabe des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs war so digital wie real erfolgreich – auch weil die überzeugenden Texte die Preise der zerstrittenen Jury gewannen.

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Helga Schubert gewann den Ingeborg-Bachmann-Preis mit einem so berührenden wie geschichtsbewussten Mutter-Tochter-Portrait, Lisa Krusche wurde auf den zweiten Platz gewählt, mit einem so heiteren wie unheimlichen Science-Fiction-Stück, in dem Roboterhunde genauso unterwegs sind wie Mischwesen aus Pflanzen und Menschen.

Der dritte Platz ging an den Grazer Schriftsteller Egon Christian Leitner, der mit seinem wuchtigen Werk gegen die herzlosen Verhältnisse im Sozialstaat zu Felde zieht.

Ebenfalls mit einem Preis ausgezeichnet wurde die Autorin Laura Freudenthaler für ihren Text „Der heißeste Sommer“.

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Die Jury des Bachmannwettbewerbs hat entschieden: Helga Schubert erhält den Ingeborg-Bachmann-Preis 2020! #tddl #bachmannpreisGepostet von SWR2 am Sonntag, 21. Juni 2020

Zu Beginn des Bewerbs war die Autorin bereits im SWR2 Gespräch.

Zweiter Tag: Helga Schubert begeistert, Egon Christian Leitner beeindruckt

Die Altmeister überzeugen an diesem Bewerbs-Tag: Helga Schubert mit ihrer berührenden autofiktiven Prosa, Egon Christian Leitner mit Szenen aus der Sozialstaatsrealität.

Die jüngeren Teilnehmenden haben es dementsprechend schwer, aber die Kritik der Jury fällt im Großen und Ganzen eher milde aus. Lediglich Juror Philip Tingler fällt wieder durch scharfe Äußerungen auf. Durch seinen herablassenden Ton sind die Fronten mit dem Rest der Jury bereits verhärtet.

Langeweile kann man diesen 44. Tagen der deutschsprachigen Literatur nicht vorwerfen. Die Digitalversion ist eine aufregende Realversion.

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Schon am ersten Tag „wilde Diskussionen“

„Es gab schon wilde Diskussionen um Texte“, sagt SWR2 Literaturkritiker Carsten Otte über den ersten Tag des Ingeborg-Bachmann-Wettbewerbs. Auch die Übertragung der Lesungen und Diskussionen im Fernsehen und im Internet funktioniere gut.

Die Qualität der Texte des ersten Tages sei eher mittelmäßig gewesen. Positiv aufgefallen ist Carsten Otte Lisa Krusche mit ihrem Science-Fiction-Text „Für bestimmte Welten kämpfen und gegen andere“.

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Eröffnungsrede von Sharon Dodua Otoo

Die tradionelle Eröffnungsrede zum Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2020 hielt am 17. Juni Sharon Dodua Otoo. Die Bachmannpreisträgerin aus dem Jahr 2016 gab ihrer Rede den Titel: „Dürfen Schwarze Blumen malen“.

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„Möglichst nah am Original“ soll die Veranstaltung laut ORF durchgeführt werden, aber trotzdem ist in diesem Jahr alles anders. Übertragen wird live auf bachmannpreis.ORF.at und in Radio Kärnten.

Ein „Sozialstaatsroman“ im Bachmannwettbewerb

Der 1200-Seiten-Roman „Des Menschen Herz. Sozialstaatsroman“ (Wieser Verlag) ist ein Denkmal für alle, die nicht im Rampenlicht stehen. Egon Christian Leitner macht keine Kompromisse. Niemals.

„Eigentlich erstaunlich, dass er beim Bachmannwettbewerb mitmacht“ wundert sich SWR2 Literaturkritiker Carsten Otte in Warum dieses Buch?: „Denn er hasst die Regeln aller festen Systeme."

Gespräch Langes Warten auf Klagenfurt: Helga Schubert liest (endlich) beim Bachmann-Wettbewerb

Helga Schubert war 1980 schon einmal als Autorin zum Bachmann Wettbewerb eingeladen, durfte aber nicht aus der DDR ausreisen. Von 1987 bis 1990 saß sie selbst in der Jury. In diesem Jahr nimmt sie mit 80 Jahren endlich doch noch mit einem eigenen Text am Wettlesen teil, wenn auch wegen Corona in diesem Jahr nur „digital“.
„Das ist für mich eine große Ehre“, sagte Schubert heute in SWR2 am Morgen. Auch wenn man als moderner Mensch ja eigentlich keine Triumph-Gefühle haben dürfe - „aber ich habe diesen Triumph“, so Schubert. Und zwar weil es 1980 eine vollkommen absurde Begründung gewesen sei, warum sie nicht nach Klagenfurt fahren durfte. „Es ging explizit darum, dass kein DDR-Schriftsteller mehr als Autor liest, wenn der berüchtigte Antikommunist Marcel Reich-Ranicki Chef der Jury ist.“
Der DDR-Staat habe mit allen Mitteln verhindern wollen, „die Chimäre einer deutschen Literatur“ zu unterstützen. Bei ihrem diesjährigen Beitrag zum Bachmann-Wettbewerb handele es sich um ihre wichtigste Erzählung, die sie in ihrem ganzen Leben geschrieben habe, betonte Helga Schubert. „Dazu musste ich 80 Jahre werden, um die schreiben zu können.“  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Literatur Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2020 als digitales Experiment

Der ORF hatte den diesjährigen Bachmannwettbewerb zunächst Ende März aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt. Nach Kritik aus der Jury kündigte der Sender nur wenige Tage später eine Online-Ausgabe des renommierten Wettlesen an. Nun wird es sogar die gewohnte Fernsehübertragung auf 3sat geben.  mehr...

SWR2 am Morgen SWR2

Ingeborg-Bachmann-Preis 2019 Birgit Birnbacher gewinnt den Ingeborg-Bachmann-Preis 2019

Birgit Birnbacher gewinnt mit "Der Schrank" den Ingeborg-Bachmann-Preis 2019. Ein sprachlich und gesellschaftlich bedeutender Text in einem besonders starken Jahrgang, meint SWR2 Literaturredakteur Carsten Otte.  mehr...

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