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30 Jahre Geiseldrama Gladbeck Voyeurismus ohne Aufklärung

Interview mit dem Medienwissenschaftler Prof. Christian Schicha

"Beim Geiseldrama von Gladbeck haben Journalisten aktiv ins Geschehen eingegriffen und das ist eigentlich nicht ihre Aufgabe", sagt Prof. Christian Schicha im SWR2 Interview. Journalisten müssten sich natürlich am öffentlichen Interesse orientieren. Sie müssten sich aber auch "Gedanken über die Folgen" ihrer Berichterstattung machen.

"Bei Gladbeck haben viele Journalisten den Tätern eine Bühne geboten", sagt Christian Schicha. Heute sei die Lage so, dass jeder durch die sozialen Medien zum Berichterstatter werden und Bilder einstellen könne, die ungefiltert auf allen Kanälen landen. Persönlichkeitsrechte seien deshalb besonders gefährdet. Damit Medien weiterhin die Aufgabe eines Gatekeepers wahrnehmen können, müssten die Menschen vor allem breit sein, "für Qualitäts-Journalismus Geld zu bezahlen."

Rückblick: Das Geiseldrama Gladbeck vor 30 Jahren

Hans-Jürgen Rösner und Dieter Degowski waren am 16. August 1988 nach einem Banküberfall in Gladbeck / Ruhrgebiet mit Geiseln durch Nordrhein-Westfalen, Bremen und Niedersachsen sowie die Niederlande geflüchtet. Ein Polizist und zwei Geiseln, der 15-jährige Emanuele De Giorgi und die 18-jährige Silke Bischoff, kamen bei der Verfolgungsjagd ums Leben. Das Geiseldrama dauerte insgesamt 54 Stunden.

Während der Flucht stieg der Reporter Udo Röbel in den Fluchtwagen der Geiselgangster - ein oft angeführtes Beispiel journalistischer Grenzüberschreitungen.

SWR2 Archivradio 18.8.1988: Geiseldrama von Gladbeck

17:04 min

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18.8.1988

Geiseldrama von Gladbeck: Sondersendung

SWR2 Archivradio

Es begann mit einem Banküberfall in Gladbeck und es folgte eine zweitägige Flucht, in deren Verlauf die Täter, Dieter Degowski und Hans-Jürgen Rösner, zwei Geiseln erschossen. Die Ereignisse hatten sich schon am zweiten Tag so zugespitzt, dass der Südwestfunk am dritten Tag eine aktuelle Sondersendung brachte, von 5 Uhr morgens bis zum Zugriff durch die Polizei am frühen Nachmittag. Der Zusammenschnitt der wichtigsten Einblendungen veranschaulicht den Gang der Ereignisse an jenem dritten Tag. Mehr dazu im Audio “Gladbeck und die Medien“.

SWR2 Archivradio 18.8.1988: Gladbeck und die Medien – Frühe Kritik von SDR-Chefredakteur Ernst Elitz:

8:55 min

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18.8.1988

Gladbeck und die Medien – Frühe Kritik von SDR-Chefredakteur Ernst Elitz

SWR2 Archivradio

Live-Interviews mit Schwerverbrechern – auch dafür steht das Geiseldrama von Gladbeck. Die Entführer Dieter Degowski und Hans-Jürgen Rösner gaben am Abend des zweiten Tages sogar ein Interview in den Tagesthemen und weitere Fernsehinterviews, während denen sie ihrer Geisel medienwirksam die Pistole an den Kopf hielten. Die Selbstkritik der Medien setzte rasch ein. Der Chefredakteur des Süddeutschen Rundfunks nahm noch am 18.8.1988 unmittelbar nach dem Ende des Geiseldramas zu den Vorwürfen Stellung.

Im Programm

Mit Martin Hagen
Carlos Chávez:
Sinfonie Nr. 2 „Sinfonía India“
The Orchestra of the Americas
Leitung: Carlos Miguel Prieto
Traditional:
"Kalimanku, Denku"
Vesselina Kasarova (Mezzosopran)
Cosmic Voices
"Sofia Soloists" Kammerorchester
Leitung: Tzanko Dimitrov Delibozov
Wolfgang Amadeus Mozart:
"La Clemenza di Tito" Arie des Sesto (2. Akt)
Vesselina Kasarova (Mezzosopran)
Staatskapelle Dresden
Leitung: Colin Davis
Henriette Renie:
Harfenkonzert c-Moll
Xavier de Maistre (Harfe)
Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR
Leitung: Hugh Wolff
Franz Schubert:
Rondo h-Moll D 895 op. 70 "Rondeau brillant"
Isabelle Faust (Violine)
Alexander Melnikov (Klavier)
Georg Philipp Telemann:
Ouvertüre D-Dur
Akademie für Alte Musik Berlin

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