Vergewaltigung als Kriegsmittel - Monika Hauser kämpft gegen die Unmenschlichkeit

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Nicole Köster
SWR1 Leute-Moderatorin Nicole Köster (Foto: SWR)

Russische Soldaten werden mit Viagra versorgt, um ukrainische Frauen zu vergewaltigen und zu "entmenschlichen", so ein Bericht der UNO. Sexualisierte Gewalt im Krieg: ein Tabuthema.

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Massenvergewaltigungen im Krieg in der Ukraine

Sexuelle Gewalt als Teil einer militärischen Strategie ist nicht neu. Monika Hauser hörte 1992 von gezielten Massenvergewaltigungen als bewusst eingesetzte Kriegsstrategie im Bosnienkrieg. Ein Jahr später baute die in der Schweiz geborene Südtirolerin ein Therapiezentrum auf.

»Fast alle Klientinnen leiden unter Alpträumen ... Auch Monika Hauser hält in so mancher Nacht eine schreiende Klientin im Arm. Oft ist es die 18-jährige bildhübsche Schülerin, eine von drei Schwestern, die gemeinsam mit ihrer jüngeren Schwester in das Sporthotel Vilina Vlas bei Višegrad verschleppt wurde, das die serbische Armee in ein Vergewaltigungshaus verwandelt hatte. Während sie selbst nach einer Nacht wieder freigelassen wurde, ist ihre kleine Schwester, deren Schreie sie hören konnte, seither verschwunden.«

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Therapiezentrum als Hilfe für Opfer von Vergewaltigungen

Das Zentrum errichtete Monika Hauser in der bosnischen Stadt Zenica, um den Frauen ganz konkret zu helfen. Sie gründete den Verein medica mondiale.eV. und dehnte ihr Engagement auf den Kosovo, auf Afghanistan und weitere Länder aus. Heute setzt sich medica mondiale weltweit für Frauen und Mädchen ein, die in Konfliktgebieten sexualisierte Kriegsgewalt erlebt haben.

»Eine Frau hat über ihrem Bett ein Foto von sich in Karatekleidung hängen. Diese Fähigkeit hat sie nicht vor der Vergewaltigung schützen können. Wie verändert haben sich diese Frauen in so kurzer Zeit. Die grauenvollen Erfahrungen haben ihre Gesichter, ihre Körper gezeichnet.«

Sexualisierte Gewalt als Kriegsmittel immer noch ein Tabuthema

Monika Hauser wurde vielfach für ihre Arbeit ausgezeichnet. Sie erhielt den alternativen Nobelpreis und wurde für den Friedensnobelpreis nominiert. Wie die Thematik Kriegsvergewaltigungen gesellschaftlich enttabuisiert werden kann, darüber spricht Monika Hauser in SWR1 Leute.

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