Holocaustüberlebender Leon Weintraub erzählt von der Entmenschlichung in den Konzentrationslagern

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Nicole Köster
SWR1 Leute-Moderatorin Nicole Köster (Foto: SWR)

»Es ist eine Verpflichtung, das, was geschehen ist, nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Denn das Schlimmste, was man den Ermordeten als Nachklang geben könnte, wäre Vergessen.«

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Leon Weintraub wurde ab 1940 von den Nazis gezwungen, mit seiner Familie im Getto Lodsch zu leben und Zwangsarbeit zu leisten. Leon Weintraub überlebte mehrere Konzentrationslager.

»Es gibt kaum ein Ereignis in der Weltgeschichte, das so gründlich in Wort und Bild von den Tätern, den Überlebenden, von den Freien dokumentiert wird. Und trotzdem gibt es nicht nur ungebildete, banale Leute, sondern auch hochgebildete, die sagen, "das war nicht, das war nur eine Sauna und keine Gaskammer".«

Odysee durch die Konzentrationslager der Nazis

Als 18-jähriger kam Leon Weintraub mit seiner Familie ins Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. Nur durch das Anschliessen an einen Gefangenentransport gelang es ihm Auschwitz zu entkommen. Er landete im Konzentrationslager Groß-Rosen, wurde dann ins KZ Flossenburg gebracht und im März 1945 ins Konzentrationslager Natzweiler-Struthof/Offenburg. In den letzten Kriegsmonaten gelang ihm auf einem Transport die Flucht. Er war 19 Jahre alt und wog nur noch 35 Kilogramm. Ein Großteil seiner Familie überlebte den Holocaust nicht. Das letzte Mal, dass er seine Mutter sah war an der Selektionsrampe in Auschwitz.

»Verzeihen oder vergeben kommt für mich nicht in Frage. Als Humanist sehe ich jedoch ein: Es kann nicht in alle Ewigkeit nur Widersprüche, Groll gegeneinander, gegenseitige Beschuldigungen geben.«

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Das Leben nach dem Horror

»Ich will aus meinem Leben was anderes machen als nur einen leidenden, früheren Häftling.«

Leon Weintraub studierte nach dem Krieg Medizin. Er wurde Fach- und Oberarzt für Geburtshilfe und Frauenheilkunde in einer Warschauer Klinik. Aufgrund des steigenden Antisemitismus musste er nach Schweden emigrieren. In "Die Versöhnung mit dem Bösen" erzählt Leon Weintraub von Schicksal, Leid und Versöhnung. Als Zeitzeuge setzt er sich mit Vorträgen in Schulen und Gedenkstätten für die Erinnerung an den Holocaust ein.

»Nach mir werden meine Enkel und andere junge Menschen das unvergessliche Zeugnis weitergeben, denn Vergessen wäre das Schlimmste.«

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