Inkontinenz und Schlafstörungen: Deshalb braucht es mehr Aufklärung über Beschwerden in den Wechseljahren

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Nicole Köster
Moderatorin Nicole Köster aus dem SWR1 Team moderiert täglich ausßer samstags zwischen 10 und 12 Uhr die Sendung SWR1 Leute
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Carolin Hoos aus dem SWR1 Team

Millionen Frauen sind von gynäkologischen Erkrankungen betroffen, dennoch sind Themen wie Inkontinenz und Schmerzen beim Sex immer noch ein Tabu. Michaela Bossart ist Direktorin der Frauenklinik am St. Josefskrankenhaus Freiburg und sie möchte das ändern.

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Der weibliche Körper ist so phänomenal – von der Pubertät aus, der Zyklus, der sich entwickelt, das Kinderkriegen, das Erwachsenwerden, die Wechseljahre. Und der Körper schafft das. Man muss die Signale seines Körpers wahrnehmen, man muss in sich reinhören 'Was kann ich mir heute Gutes tun? Was braucht mein Körper?'

Inkontinenz und Co.: Tabu-Themen in den Wechseljahren

Michaela Bossart möchte die Beschwerden von Patientinnen in den Wechseljahren aus der Tabu-Zone holen. Sie sagt, Frauen sollten viel mehr über ihre Beschwerden und Sorgen sprechen. Ein Thema, das viel mehr betreffe, als viele annehmen, ist beispielsweise Inkontinenz.

Sehr viele Frauen haben Probleme das Wasser zu halten. Sei es nach der Geburt oder in den Wechseljahren. Der Körper verändert sich einfach und der verändert sich einfach bei jeder Frau. Und diese Veränderungen sind leichter zu verstehen, wenn man weiß 'Ach, meine Freundin hat da vielleicht auch was'.

Frauen suchen häufig erst spät Hilfe

Harninkontinenz, Schwindelgefühle, Wechseljahresbeschwerden und Zysten, es gibt zahlreiche Erkrankungen, die mit hohem Leidensdruck für die Patientinnen verbunden sind. Dennoch suchen viele Frauen oft erst spät Hilfe auf.

Viele Frauen wissen oft gar nicht, dass sie nicht einfach still vor sich hin leiden müssen, sondern dass es für ihr Problem eine medizinische Lösung gibt.

Wer Beschwerden hat, soll bei Frauenärzt:innen aktiv Hilfe einfordern, sagt Michaela Bossart. Die eigene Recherche im Internet kann zwar hilfreich sein, allerdings kursieren dort auch viele Falschinformationen.

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Das kann gegen Beschwerden in den Wechseljahren helfen

Generell sind eine gesunde Ernährung und Sport wichtig für Frauen in den Wechseljahren. Wer unter Inkontinenz leidet, sollte zunächst versuchen die Beschwerden durch Beckenbodentraining zu reduzieren bevor Medikamente oder Operationen in Betracht gezogen werden. Für das Training gibt es beispielsweise Apps von Krankenkassen, aber auch Physiotherapeut:innen und Hebammen können helfen.

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Inkontinenz kann eine Folge eines geschwächten Beckenbodens sein. Gezieltes, eigenständiges Training fällt vielen schwer. Neue Gadgets sollen helfen.

Doc Fischer SWR

Gesunden Frauen kann auch eine Hormontherapie helfen, da mit der Zeit vom Körper weniger Hormone produziert werden. Deshalb werden die beiden Hormone Östrogen und Gestagen zugeführt. Diese Kombination soll Nebenwirkungen reduzieren, allerdings können trotzdem beispielsweise Kopfschmerzen, Wassereinlagerungen oder Antriebslosigkeit vorkommen.

Für Krebspatientinnen ist die Hormontherapie nicht geeignet. Die Hormone würden den Krebs nähren. Auch bei Patientinnen, die bereits einen Schlaganfall oder eine Thrombose hatten, kommt die Hormontherapie nicht zum Einsatz. Im Allgemeinen sind die Therapien je nach Beschwerden in den Wechseljahren sehr individuell. Deshalb sollten immer Frauenärzt:innen aufgesucht werden.

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